|
4.1. Asant
- Asa foetida (Ferulaassa-foetida) |
 |
|
Synonyme: Stinkasant, Teufelsdreck.
Asant ist eine mehrjährige krautige Pflanze aus der
Familie der Doldengewächse. Die Heimat sind der Iran und
Afghanistan. Sie wächst auch auf dem Territorium Kurdistans sowie in
den Gebieten der UdSSR, die an Iran und Afghanistan grenzen. Anfang
1971 entdeckte eine Expedition der Akademie der Wissenschaften der
Kasachischen SSR große Standorte der Asa foetida im Ala-Tau. Im 8.
Jahrhundert v. u. Z. wurde die Asa foetida nach Nordafrika (Cyrenaika)
gebracht, wo sie sich stark ausbreitete. dann aber, in der zweiten
Hälfte des 1. Jahrhunderts u. Z. der großen Nachfrage zum Opfer
fiel. Das Gewürz der Asa foetida ist ein getrockneter Latex
(Milchsaft), der aus der Wurzel der Asa-foetida-Pflanze gewonnen
wird. Die Gewinnung dieses Gummiharzes ist ein arbeitsaufwendiger
und langwieriger Prozess, der sich manchmal über 2 bis 3 Monate
hinzieht. Im Frühling, Mitte April. begeben sich die
Asa-foetida-Sammler in die Trockengebiete der Gebirge. Hat man eine
Pflanze gefunden, so wird um sie herum eine kleine Aushöhlung
angelegt. man entfernt die trockenen Blätter. und die Wurzelspitzen
werden von den sie bedeckenden Fasern gesäubert. Danach bedeckt man
die Wurzeln wieder mit lockerer Erde und trockenen Blättern und
beschwert alles mit einem Stein oder mit einem Klumpen nasser Erde.
Nach 30 bis 40 Tagen, d. h. in der zweiten Hälfte des Monats Mai,
werden die Wurzeln erneut bloßgelegt, und der obere Teil (Kopf) der
Wurzeln wird horizontal eingeschnitten, und zwar etwas unterhalb der
Stelle, wo die Blätter ansetzen. Aus dem Einschnitt tritt ein weißer
(an der Luft nachdunkelnder) Milchsaft heraus, der vor
Sonneneinwirkung und Staub zu schützen ist (über dem Einschnitt
einen Schutz ähnlich einer Spitztüte anbringen). Nach 2 Tagen
sammelt man in einer Kelle den dickflüssigen Latex ein und macht
erneut einen Einschnitt, aber möglichst feiner. Danach wird der
dickflüssige Latex nach 4 bis 5 Tagen und nach dem dritten
Einschnitt erst nach 8 bis 10 Tagen eingesammelt. Man wiederholt
dies so lange, bis aus der Wurzel kein Saft mehr fließt. Eine
Pflanze gibt 900 g bis 1300 g frischen Latex.
Das fertige Gewürz Asa foetida sind Körner (Mandeln) von
verschiedener Größe, außen gelblich und innen milchweiß mit
rosafarbenen Äderchen an der Anschnittstelle, die unter dem Einfluss
der Luft zuerst purpurrot und danach rotbraun werden. Diese
"Mandeln" sind untereinander durch einen schmutzig gelben oder gelb
braunen Kleber und eine etwas körnige Masse verbunden. Alles
zusammen ergibt große oder kleine Klumpen von unbestimmter Form.
Bei der üblichen Sommertemperatur ist Asa foetida weich wie Wachs
und wird - je nach dem, wie sich die Temperatur erhöht - immer
weicher und elastischer, bei Kälte jedoch spröde. Das Gewürz
verwandelt sich dann leicht in Pulver.
Der Geschmack der Asa foetida wird gewöhnlich als "widerlich"
bezeichnet - man kann schwer eine andere Bezeichnung finden - und
außerdem ist er ätzend.
Der Geruch erinnert an ein Gemisch von Zwiebel und Knoblauch, wobei
der Knoblauchzehen mehr ausgeprägt ist. Eine Besonderheit des Aromas
von Asa foetida ist sein hoher Verflüchtigungsgrad, seine Fähigkeit,
alles zu durchdringen, wie Luft, Kleidung, Geschirr. Der Geschmack
bleibt z. B. einige Stunden im Mund und lässt sich mit Wasser, Wodka
oder einer Essiglösung nicht wegspülen. Bringt man Asa foetida in
einen Raum, in dem die Lufttemperatur 22 C übersteigt, so ist
innerhalb weniger Minuten die Atmosphäre so von ihrem Geruch
erfüllt, dass man ihn auch durch tagelanges Lüften nicht beseitigen
kann.
Je besser die Qualität von Asa foetida ist, um so größer,
elastischer, reiner und markanter sind die Stücke.
Heute ist Asant ein fast ausschließliches asiatisches Gewürz, das z.
Z. auf dem europäischen Markt nicht gehandelt wird.
Die Botaniker. die diese Pflanze in der Natur finden. sind nicht
immer in der Lage. das Latexgewürz zu gewinnen. Deshalb wird hier
ausführlich auf die Methode des Sammelns eingegangen (Anmerkung vom
Autor des Originalbuches)
In der Mitte
des 19. Jahrhunderts wurde Asa foetida
auch in Hessen, Schwaben und
Württemberg häufig zur Herstellung von Nationalgerichten, Leber- und
Blutwurst sowie hessischem Hammelbraten verwendet, wobei man den
Kessel mit dem Gewürz nur leicht bestrich.
Auf den Märkten Asiens teilt
man Asa foetida in zwei große Arten ein: Ching
und Chingra. Von Ching wiederum kennt man den iranischen und
den patanischen (afghanischen) Ching, wobei der iranische Ching
besser ist. "Chadda" ist die höchste Sorte, die ein Maximum an
Reinheit und Aroma erreicht. Die mittleren Sorten "Schabandi" und "Kabulidana"
sind von geringerer Qualität.
Chingra, als qualitätsmäßig
niedrigste Sorte, unterteilt man nicht.
In der iranischen,
afghanischen und kurdischen Küche verwendet man Asa foetida
zu gebratenen und geschmorten Fleischgerichten, besonders aus
Hammelfleisch, in der indischen und der javanischen Küche dagegen zu
fleischlosen Gerichten, hauptsächlich zu Reis- und Gemüsegerichten.
Besonders häufig nimmt man Asa foetida zu Reis, und zwar
sowohl als alleiniges Gewürz als auch in Verbindung mit anderen
Gewürzen. Dadurch werden die Schärfe und die unangenehmen
Geruchseigenschaften bedeutend gemildert.
Anmerkung: Man
darf Asa foetida nicht mit Galbanum verwechseln, das
aus anderen Ferula-Arten gewonnen und oft für Asa foetida
ausgegeben wird. Äußerlich haben diese Körner eine schmutzig braune
Farbe und sind erbsengroß. Sie fühlen sich trocken an und sind
manchmal miteinander verklebt. Der Geschmack ist bitter und
unangenehm, ähnelt modrigen Zwiebeln, ist aber noch schärfer und
widerlicher. Beim Reiben erinnert der Geruch an frischen Gummi
(Kautschuk). Galbanum wird nicht als Gewürz, sondern nur als
Arzneimittel verwendet. |
|
4.2. Sternanis (Anisum stellatum)
|
 |
|
Synonyme:
Chinesischer Anis, indischer Anis, sibirischer Anis, Schiffsanis.
Früchte Illicium verum
aus der Familie der Sternanisgewächse. Die Heimat ist
Südostchina. Der Baum wird außer in der VR China noch in der SR
Vietnam, in Kambodscha, aber auch in der U UdSSR (Abchasische ASSR)
angebaut.
Als Gewürz verwendet man
reife trockene Sternanisfrüchte, die in einem Fruchtstand
(gewöhnlich 8 und manchmal 7, 9, 10 oder 12 Teilfrüchte) stehen und
miteinander in Form eines vielstrahligen Sterns verbunden sind. Jede
Teilfrucht oder Zehe ist von dunkel- brauner Farbe, hat die Form
eines Kahns und fühlt sich hart und hölzern an. Gemahlen ist der
Sternanis ein grobkörniges Pulver von gelb brauner Färbung und
bordeauroter Schattierung.
Der Geschmack von Sternanis
ist süßlich-bitter, der Geruch erinnert an Anis, ist aber bedeutend
aromatischer, feiner und vielfältiger. Nach seinen chemischen
Bestandteilen unterscheidet er sich vom Anis durch das Vorhandensein
des ätherischen Öls Saflor. Dieser Unterschied macht sich besonders
beim Erhitzen von Sternanis bemerkbar, d. h. im Prozess der
Speisenzubereitung. Außerdem hat Sternanis nicht das dem Anis eigene
übermäßig süßliche Aroma. Deshalb ist der Hinweis in manchen
Kochbüchern, dass man Sternanis durch Anis und umgekehrt ersetzen
kann, nicht richtig. Das könnte höchstens bei einem begrenzten
Sortiment von Süßspeisen zutreffen, aber auch in diesem Falle wird
das Aroma der Speise, wenn man den Sternanis durch Anis ersetzt, ein
völlig anderes sein. Das vielfältigere, vielseitigere und sich in
Mischungen - gegenüber dem Anis - anders verhaltende Aroma und der
Beigeschmack von Sternanis bedingt seinen größeren
Anwendungsbereich.
In Russland war Sternanis
schon seit altersher eine unentbehrliche Komponente beim Backen
verschiedener Sorten russischer Pfeffer- und Lebkuchen. Das trifft
auch heute noch in der UdSSR für die Herstellung von verschiedenen
Backwaren, wie Pfefferkuchen, Brezeln und Gebäck zu, wo Sternanis
während der Zubereitung in den Teig gegeben wird. Das Aroma
entwickelt sich bei Fertigstellung des Gebäcks und tritt spürbar
hervor.
Nicht so häufig wird in der
UdSSR Sternanis für Süßspeisen und Süßwaren, z. B. Kompott,
Fruchtschaumspeise, Kissell (der Götterspeise ähnlich), Marmelade,
Pudding, Quarkspeise, verwendet, denen er ein ausgesprochen feines,
würziges und auserwähltes Aroma verleiht. Fügt man beispielsweise
Sternanis der Kirschkonfitüre hinzu, so wird nicht nur ein besonders
frischer Geschmack erreicht und das Aroma verstärkt, sondern das
Gewürz trägt auch zur größtmöglichen Erhaltung der natürlichen
Färbung und einer hohen Qualität der Konfitüre bei, die dadurch im
Verlauf von 3 Jahren nicht verzuckert.
Beim Bereiten von Süßspeisen
wird Sternanis 5 min bis 10 min vor Beendigung des Kochprozesses
zugesetzt. Danach ist das Gefäß zu zudecken, da der Sternanis
unbedingt ziehen muss
Als völlig selbständiges
Gewürz (seltener in Verbindung mit anderen Gewürzen) wird Sternanis
bei der Produktion verschiedener Getränke verwendet, in erster Linie
für Wodka, Branntwein und Likör (in Westeuropa, besonders in
Frankreich), sowie bei der Herstellung von durststillenden
alkoholfreien Getränken (Sbiten in der UdSSR, d. h. Aufguss aus
Sternanis mit anderen Kräutern) .Der Einsatz von Sternanis für
Marinaden aus Früchten und Beeren ist in den europäischen Ländern
weniger verbreitet. Hier wird Sternanis meist zusammen mit anderen
Gewürzen verwendet-
Sehr selten nimmt man in der
UdSSR Sternanis beim Zubereiten von Fleisch und Geflügel im
Gegensatz zu den Gewohnheiten z. B. in der VR China, in Burma, der
Koreanischen VDR, in. Japan, auf den Philippinen, in Indonesien und
anderen fernöstlichen Ländern, wo man Sternanis zu gebratenem
Fleisch oder Geflügel (besonders zu Fasanen, Hühnern und Hähnchen)
verwendet. Er verbessert das Aroma beträchtlich und macht sie
pikanter, das Fleisch selbst zarter und weicher. In diesem Fall wird
Sternanis nur gemahlen verwendet (man bestreut das Fleisch wie mit
Salz, nur in stärkerer Dosis). Am besten wirkt Sternanis in
Verbindung mit Pflanzenfetten.
Der Einsatz von Sternanis
für flüssige Süßspeisen (Kompott, Kissel) beträgt 1 oder 2 Zehen
bzw.1/4 Teelöffel Pulver auf 1,5 L; für Fleischgerichte nimmt man
zweimal, manchmal dreimal mehr als für Süßspeisen, d. h. bis zu 1 g
je Portion.
In den Ländern Südostasiens
und des Fernen Ostens dient Sternanis oft zusammen mit anderen
Gewürzen (Knoblauch, Zwiebel, Pfeffer) zur Herstellung von Tunken
für Gemüse-, Reis- und Eiergerichte
Anmerkung: Man
darf Sternanis nicht mit einer anderen Art (Illicium religiosum)
verwechseln, die ihm äußerlich völlig gleicht, sich aber durch
einen unangenehmen Geruch und bitteren Geschmack der giftigen Samen
unterscheidet. Darüber hinaus gibt es in der UdSSR noch zwei
Gewächse, die man hier fälschlich als Sternanis bezeichnet. Es
handelt sich um Dictamnus albus, die zur Familie der
Rautengewächse gehört, im Kaukasus, in Sibirien und Mittelasien
wächst und ein giftiges ätherisches Öl mit einem stark unangenehmen
Geruch aufweist (sie ist in der Lage, sogar Verbrennungen auf der
Haut des Menschen hervorzurufen), sowie Bergenia crassifolia,
die zur Familie der Steinbrechgewächse gehört. Sie kommt in Sibirien
(im Altai und im Sajanischen Gebirge) und besonders im
Transbaikalien vor, wo sie örtlich als Tee-Ersatz und zur
Gerbstoffgewinnung verwendet wird. |
|
4.3. Vanille |
 |
|
Hierunter sind Früchte
(Hülsen) einer Schlingpflanze (Liane) aus der Familie der Orchideen
zu verstehen. Es gibt zwei botanische Arten der Vanille, die man als
Kultur für das Gewürz verwendet - Vanilla planifolia und Vanilla
pompona. Die erstgenannte Art ergibt Kultursorten bester
Qualität mit Stangen von 20 cm bis 25 cm Länge, die zweite kurze
Stangen von minderer Qualität.
Die Heimat der Vanille ist
Mexiko und Mittelamerika. Sie wird auf den Inseln im Karibischen
Meer (Jamaika, Haiti, Guadeloupe, Martinique), in den tropischen
Teilen Südamerikas (besonders in Guayana), auf Sri Lanka, in
Malaysia, auf Madagaskar und Reunion, auf den Seychellen und den
Komoren, auf der Insel Mauritius und in Polynesien (auf Tahiti und
Hawaii) kultiviert. Die Hauptproduktionszentren von Vanille sind
gegenwärtig die Inseln Reunion und Madagaskar mit 50 % der
Weltproduktion.
Eine ziemlich lange
Bearbeitungszeit ist notwendig, bevor sich die Vanillestangen in
Gewürz verwandeln. Noch unreif, d. h., wenn sie noch keinen Geruch
haben, werden die Früchte gepflückt, dann 20 s lang in heißes Wasser
(80 °C bis 85 °C) getaucht und anschließend in Wolldecken bei einer
Temperatur von 80 °C eine Woche lang fermentiert, wodurch die
Stangen das Aroma und die braune Farbe annehmen. Danach wird die
Vanille 4 Wochen bis zu einigen Monaten an der Luft (im Schatten)
getrocknet, bis sich auf den Stangen ein weißer Belag bildet. Es ist
verständlich, dass durch die langwierige Bearbeitung die Qualität
der Vanille verbessert, aber auch verschlechtert werden kann. Im
internationalen Handel unterscheidet man acht Vanillesorten, je nach
ihren natürlichen oder erworbenen Qualitäten (auserlesen lang,
ausgezeichnet lang, ausgezeichnet, gut, ausgezeichnet kurz u. a.) .
Die Tatsache, dass die
Vanille als Kulturpflanze künstlich bestäubt werden muss, wodurch
nur 50 % der Blüten Früchte tragen, aber auch der langwierige
Bearbeitungsprozess führten dazu, dass die Vanille bis zum heutigen
Tage eines der teuersten Gewürze auf dem Weltmarkt ist. Der relativ
hohe Preis veranlasste viele Länder, Vanillin auf chemischem Wege
herzustellen. Dieser Ersatz ist jedoch bei weitem nicht vollwertig,
da das feine Aroma der echten Vanille nicht nur vom chemisch reinen
Vanillin, sondern auch noch von einer Anzahl zusätzlicher Stoffe
abhängt. So kommt es oft vor, dass die Früchte, die weniger Vanillin
enthalten, angenehmer und stärker riechen als die mit einem hohen
Prozentsatz an Vanillin. Wahrscheinlich hängen die Feinheit und die
Dauerhaftigkeit des Aromas der echten Vanille nicht vom Vanillin,
sondern von einem sehr aromatischen öligen Stoff ab, der in der
Vanille enthalten und dessen Zusammensetzung bis heute noch nicht
erforscht ist.
Die fertigen Hülsen
(Stangen) der Vanille sind gewöhnlich 10 cm bis 20 cm lang. Sie
sollen weich, elastisch, leicht zusammengezogen sein und sich fettig
anfühlen. Die Farbe ist Dunkelbraun, manchmal sogar Schwarzbraun.
Die Hülsen der besten Sorten sind mit einem Belag von weißlichen
Kristallen bedeckt. Hell gefärbte und offene, geplatzte oder
brüchige harte Stangen deuten auf Vanille minderer Qualität hin. Das
Aroma hat sich infolge unsachgemäßer Bearbeitung oder Lagerung zur
Hälfte verflüchtigt. Die Dauerhaftigkeit des Geruches von echter
Vanille bester Sorten ist erstaunlich. Es sind Fälle bekannt, in
denen Vanillefrüchte ihr Aroma bis zu 36 Jahren nach ihrer
Herstellung (bei richtiger Lagerung) erhalten haben. Dagegen geht
bei schlechten Vanillesorten das Aroma schnell verloren, was durch
ungünstige Einflüsse noch beschleunigt wird. Einige Vanillesorten
riechen nicht nach Vanillin, sondern nach Heliotropin, da in diesem
Fall der Aromaträger das Piperonal (Heliotropin) ist. Diese Sorten
werden im Handel nicht sehr geschätzt.
Die Vanille ist das jüngste
der klassischen Gewürze. In Spanien, Italien und Österreich wurde
sie zwar schon in der Mitte des 18. Jahrhunderts bekannt, in den
übrigen Ländern Europas jedoch erst bedeutend später, etwa Anfang
des 19. Jahrhunderts. Aber auch in diesen Ländern wurde sie anfangs
nur von einem kleinen auserwählten Kreis verwendet.
Der Einsatz von Vanille ist
auf Konditoreiwaren und Süßspeisen beschränkt, wobei sie auch hier
als Gewürz eine privilegierte Stellung einnimmt; sie dient
beispielsweise zum Aromatisieren von Schokolade und kakaohaltigen
Produkten, Biskuit und Erzeugnissen aus Biskuitteig, Krems,
Nußgebäck u. a. Seltener nimmt man Vanille z. B. für Kompott, Gelee,
Fruchtschaumspeisen, Soufflé, Parfait, Pudding, Quarkspeisen und
einige Konfitürearten, obwohl deren aromatische Eigenschaften
dadurch wesentlich verbessert werden. Bei der Likörherstellung
findet Vanille ebenfalls Verwendung. In all den aufgezählten Fällen
nimmt man gewöhnlich nicht die echte Vanille, sondern Vanillin.
Die Vanille setzt man
entweder unmittelbar vor der thermischen Bearbeitung dem Erzeugnis
(dem Teig) oder (und das öfter) sofort danach dem noch nicht
abgekühlten Gericht (Pudding, Soufflé, Kompott, Konfitüre u. ä.) zu.
In kalte Speisen, z. B. Quarkspeisen, gibt man sie nach dem
Anrichten. Biskuit und Torten werden mit Vanillesirup erst nach dem
Backen getränkt. Die Zugabe erfolgt folgendermaßen: Man verreibt ein
Stück Vanillestange in einem Porzellangefäß sorgfältig mit
Puderzucker, wobei der Zucker allmählich hinzugefügt wird, bis die
ganze Vanille zerrieben ist. Danach wird dieser Vanillezucker unter
die Masse gemischt und das schon fertige Erzeugnis (Gericht) damit
bestreut.
Die Verbrauchsmengen sind
bei Vanille verhältnismäßig gering. Sie reichen von 1/20
Vanillestange, auf Portionen umgerechnet entsprechend mehr, bis zu
1/4 Vanillestange auf 1 kg Zutaten, die für den Teig vorgesehen
sind. Für die Herstellung von Vanillezucker reicht eine
Vanillestange für 0,5 kg Zucker. Zum Bestreuen einiger
Konditoreiwaren kann man einen Vanillezucker von geringerer
Konzentration herstellen. Man braucht dazu nur Vanillestangen
zusammen mit Puderzucker in einem dicht schließenden Gefäß
aufzubewahren. Der Zucker nimmt dabei in ausreichendem Maße den
starken Geruch der Vanille an. |
|
4.4. Nelken |
 |
|
Nelken sind getrocknete,
noch nicht geöffnete Blütenknospen des Nelkenbaumes aus der Familie
der Myrtengewächse. Die Heimat der Nelken sind die Molukken
Kultiviert werden sie in Indonesien, Indien, auf Sri Lanka, in
Malaysia, auf Madagaskar und hauptsächlich in Tansania (Sansibar und
Pemba liefern 90% der Weltproduktion). Nelken sind ein relativ
preiswertes und auch verbreitetes Gewürz. Der Nelkenbaum blüht
zweimal im Jahr, dementsprechend reichlich ist die Ernte. Die
gesammelten Blütenknospen werden so lange in der Sonne getrocknet
(fermentiert), bis beim Zerbrechen ein eigenartiges Geräusch zu
hören ist. Bei Nelken guter Qualität stellt sich die Elastizität des
Stiels nachher wieder ein, und sie lassen sich deshalb sogar in
getrocknetem Zustand noch biegen, und bei einem Druck auf Papier
ergibt sich eine fettige Spur. Wirft man Nelken von hoher Qualität
mit Wucht in ein Glas Wasser, so müssen sie untergehen und dürfen im
Höchstfall mit dem Hütchen vertikal nach oben schwimmen. Wenn sie
horizontal schwimmen, zeugt das von mangelhafter Qualität.
Gemahlene Nelken verlieren
schnell das Aroma und sind so schlecht zum Gebrauch geeignet.
Nelken haben einen
brennenden Geschmack und ein starkes Aroma. Das Brennen ist
hauptsächlich in den Knospenstielen konzentriert und das feinere
Aroma in den Hütchen. Nelken braucht man auch zur Herstellung von
Nelkenöl, das dann als Aroma in der Parfüm- und der Likörherstellung
dient.
In der Küche nimmt man
Nelken hauptsächlich für Marinaden (Pilz-, Früchte-, Beeren-,
Fleisch-, Gemüse- und etwas seltener Fischmarinaden), darüber hinaus
werden sie Gewürzmischungen hinzugefügt, die bei der Produktion von
Backwaren, Fischkonserven und Wurst- waren zum Einsatz kommen.
Außerdem verwendet man
Nelken einzeln oder in Verbindung mit Zimt für Süßspeisen (Kompott,
Pudding) und Konditoreiwaren, in Verbindung mit schwarzem Pfeffer
für die Zubereitung von gebratenem oder geschmortem Fleisch
(Hammelfleisch, Schweinefleisch und fette Fleischfüllungen), für
starke Fleischbrühen und auch Soßen, die zu Geflügel (Hühner,
Truthühner) gereicht werden. Um den etwas bitteren Geschmack zu
vermeiden, nimmt man für Konditoreiwaren und Süßspeisen besser nur
die Köpfe (Hütchen) der Nelken und für Fleischgerichte und Marinaden
die Stiele.
Nelken sind den einzelnen
Gerichten zu verschiedenen Zeitpunkten, hinzuzufügen:
Marinaden - beim
Zubereitungsprozess, gemeinsam mit den anderen Komponenten
Teigfüllungen - vor der
thermischen Bearbeitung
Fleischgerichte -10 min bis
15 min vor Beendigung des Garprozesses
Bouillons, Suppen und
Kompotte -3 min bis 5 min bevor sie fertig sind.
Nelken sind gut
wasserlöslich, d. h., sie geben ihr Aroma und ihren Geschmack nicht
nur in heißem, sondern auch in kaltem Wasser ab, wobei die
Flüssigkeit nicht nur den Geruch, sondern auch die Farbe (braun)
annimmt. Bei zu hohen Temperaturen, besonders beim Kochen,
verflüchtigt sich das Aroma der Nelken, und die Lösung oder das
Gericht wird bitter, was bei Süßspeisen und Konditoreiwaren sehr
unangenehm ist. Je feiner also das Aroma im Gericht sein soll, desto
später müssen die Nelken hinzugefügt werden. Dort, wo man die Nelken
unbedingt vor der thermischen Bearbeitung hinzugeben muss, wodurch
jedoch die Wirkung ihrer Bitterstoffe verstärkt wird, ist Vorsicht
bei der Dosierung geboten, das gilt besonders bei Konditoreiwaren.
Auf keinen Fall darf man Nelken solchen Gerichten zusetzen, die eine
lange thermische Bearbeitung erfordern und eine frühe Gewürzzugabe
verlangen wie Plow.
Die höchsten Einsatzmengen
an Nelken nimmt man bei Marinaden:
Pilzmarinaden - 1 g bis 2 g
auf 10 kg Pilze
Früchte-, Beeren- und
Gemüsemarinaden -3 g bis 4 g auf 10 1 Flüssigkeit.
Die in einigen Kochbüchern
genannten sehr hohen Einsatzmengen an Nelken (bis zu 1 g auf 1 L
Marinade) gehen darauf zurück, dass ursprünglich die Nelken zusammen
mit dem schwarzen Pfeffer das gängigste Gewürz waren, und aus Mangel
an anderen Gewürzen ersetzte man jene Vielfalt einfach durch Nelken.
Da aber zu Marinaden nach Möglichkeit mehrere Gewürze verwendet
werden sollten, ist es besser, die Nelkenmenge bedeutend zu
reduzieren und dafür die Zugabe anderer, besonders europäischer
Gewürze zu erhöhen. Auch sollte man die Zugabe großer Mengen Nelken
in Verbindung mit Essig, Wein und überhaupt alkoholischen
Flüssigkeiten vermeiden, die sehr oft Bestandteil verschiedener
Marinaden, Soßen und Tunken sind. Alkohol löst (extrahiert) die
Bitterstoffe der Nelken bedeutend stärker, was sich nicht nur im
Geschmack auswirkt, sondern auch der Gesundheit des Menschen
schadet.
In den Teig kann man
ungefähr 4 bis 5 Nelkenknospen auf 1 kg Masse zusammen mit anderen
Gewürzen geben. Die Nelken dürfen dann nur 1/5 bis 1/7 des
Gewürzanteils ausmachen. Quarkspeise erfordert eine noch geringere
Menge - 2 bis 3 gemahlene Nelkenknospen oder 4 bis 5 Hütchen auf 1
kg Quark. Für Kompott, Suppen und Bouillons reicht auf 2 bis 2,5
Glas Flüssigkeit eine Nelke, auf keinen Fall aber mehr als 3 Nelken
auf 1 L. Bei der Fleischzubereitung sind 2 Nelken je Portion
erlaubt, wobei man die Nelken zum Braten gemahlen und zum Schmoren
im ganzen verwendet. Werden noch andere Gewürze verwendet, so ist
die Nelkenmenge auf die Hälfte zu senken. In der sowjetischen
Nahrungsmittelindustrie, besonders in der Konservenindustrie, werden
Nelken sehr oft durch die einheimische sibirische Nelke
ersetzt. |
|
4.5. Ingwer (Zingiber officinale Roscae) |
 |
|
Eine mehrjährige krautige
Pflanze aus der Familie der Ingwergewächse. Die Heimat ist Südasien.
Kultiviert wird Ingwer (Bild 3) in der VR China, in Indien,
Indonesien, auf Sri Lanka, in Australien, Westafrika, auf Jamaika
und Barbados. Ingwer war das erste asiatische Gewürz, das schon
Anfang des 18. Jahrhunderts in Amerika angesiedelt wurde und sich
dort schnell einlebte. Es gibt keinen wild wachsenden Ingwer, er
wird ausschließlich als Gartenpflanze angebaut, ja manchmal sogar
nur unter häuslichen Bedingungen (Kasten oder Blumentopf) .
Als Gewürz wird der
Wurzelstock des Ingwers verwendet, ein rundliches, etwas flach
gedrücktes, fingerförmiges Gebilde, das an verschiedene Figuren
erinnert. Je nach Bearbeitungsmethode unterscheidet man weißen
Ingwer (schmutzig weiß und hellgrau) und schwarzen Ingwer.
Weißer Ingwer ist ausgewaschener Ingwer, von dem man die festere
Oberflächenschicht entfernt hat, und der danach in der Sonne
getrocknet wurde. Schwarzer Ingwer wird nicht geschält, sondern nur
mit kochendem Wasser überbrüht und in der Sonne getrocknet; er
riecht stärker und brennt etwas stärker im Munde als weißer Ingwer.
An den Bruchstellen sind beide Ingwerarten grauweiß. Gemahlen ist
Ingwer ein mehliges grau gelbliches Pulver. Ingwer gehört in der
UdSSR zu den beliebtesten Gewürzen. Er fand seit altersher in der
russischen Nationalküche Anwendung, z. B. in Sbiten
(Erfrischungsgetränk), Kwas, Fruchtlikör, Likör, Dünnbier, Honig,
aber auch in Pfefferkuchen, Osterkuchen und Mundbrötchen.
Die vielfältige Anwendung
des Ingwers bei Konditoreiwaren (Kandiszucker, Konfitüre, Gebäck,
Kuchen, Biskuit), Süßspeisen (Kompott, Pudding), bei alkoholischen
(Bier, Likör) und besonders bei alkoholfreien Getränken ist
international. In den Ländern Asiens nimmt man Ingwer überall zu
Fleisch- und Geflügelpräserven und zum Tee. Er wird auch mit Curry
gemischt und vielen anderen Gewürzmischungen beigefügt. In
Südostasien verwendet man Ingwer außerdem als selbständiges Produkt:
Frischer Ingwer wird gezuckert und daraus Konfitüre hergestellt, die
z. B. in der VR China, in Burma und auch in Großbritannien unter dem
Begriff "chow-chow" bekannt ist (Ingwer mit Orangenschale). In
Indien werden vier Sorten "Ingwermehl" hergestellt, die sich durch
einen verschieden hohen Prozentsatz an Ingwer unterscheiden. In
Großbritannien und den USA stellt man schwaches Ingwerbier her.
Für die europäische
(besonders englische und holländische) sowie die amerikanische Küche
ist die Verwendung von Ingwer in Soßen zu Fleisch, in Gemüse und
Fruchtmarinaden charakteristisch, und in der asiatischen Küche nimmt
man Ingwer sehr viel zum Schmoren von Fleisch und Geflügel. Der
Ingwer aromatisiert dabei nicht nur das Fleisch, sondern macht es
auch weicher .
Die Zugabe von Ingwer
erfolgt bei der Teigherstellung entweder beim Mischen der Zutaten
oder zum Schluss, beim Schmoren von Fleisch 20 min vor Beendigung
des Garprozesses, bei Kompott, Kissel, Fruchtschaumspeisen, Puddings
und anderen Süßspeisen 1 min bis 5 min bevor sie fertig sind und bei
Soßen nach der thermischen Bearbeitung. Die Einsatzmengen für Ingwer
sind relativ hoch und betragen bis zu 1 g auf 1 kg Teig oder
Fleisch. |
|
4.6. Galgant |
 |
|
Wurzelstock von drei Arten
einer mehrjährigen Graspflanze aus der Familie der Ingwergewächse:
1. Alpinia officinalis
(sog. kleine Wurzel)
2. Alpitiia Galanga
(große Wurzel)
3. Alpinia chinensis
(Chinawurzel) Die Heimat ist die Insel Hainan (VR China). Kultiviert
wird er im Süden der VR China, in Thailand und auf der Insel Java
(Indonesien) .
Galgant ist ein Gewürz, das
nur botanisch dem Ingwer ähnelt. Er kann nicht, vor allem in der
Küche, durch diesen ersetzt werden. Seine Herstellung ist nicht
kompliziert. Der Wurzelstock wird von der äußeren Schale befreit, in
rechteckige Stücke von 5 cm bis 8 cm geschnitten und so lange
getrocknet, bis er hart und hölzern und die Oberfläche runzlig ist
und eine rotbraune Farbe angenommen hat. Die Farbe bleibt auch an
der Anschnittstelle erhalten, deshalb kann man den Galgant auch gut
vom Ingwer unterscheiden.
Galgant ist bedeutend
aromatischer als Ingwer. Das Aroma des gemahlenen Galgants ist
besonders fein und angenehm (während es beim Ingwer etwas schwer
ist). Geschmack: sehr scharf, brennend und leicht bitter.
Im 17. und im 18.
Jahrhundert wurde der Galgant aus China nach Europa über Russland
eingeführt, und deshalb bezeichnet man ihn in Westeuropa als
"russische Wurzel", hinzu kommt noch, dass er im 17. Jahrhundert in
der russischen Küche viel verwendet wurde.
Die Galgantwurzel verlieh
den alten russischen braunen Pfefferkuchen, dem Honig- und dem
Himbeerbier, Sbiten und Kwas und auch den Likören ein unverkennbares
arteigenes Aroma. Seit dem 19. Jahrhundert verwendet man Galgant in
Westeuropa, besonders in Frankreich, zur Likörproduktion,
hauptsächlich in Form von Galgantöl, das man aus der Wurzel gewinnt.
Gewöhnlich wird Galgant mit Beifuss kombiniert, den er verfeinert.
Ansonsten hat man in Europa für Galgant wenig Verwendung. In der
chinesischen Küche dagegen setzt man ihn wie Ingwer für
Fleischgerichte und für Süßspeisen ein. Die zum würzen notwendige
Menge ist um die Hälfte oder um ein Viertel niedriger als bei
Ingwer.
Anmerkung: Man
darf Galgant nicht mit dem Fingerkraut, der Tormentillwurzel oder
dem wilden Gamander (Potentilla erecta, Potentilla tormentilla,
Potentilla silvestris) verwechseln, deren Wurzeln als Ersatz für
den echten Galgant dienen. Das Fingerkraut wächst in unseren
Wäldern. Seine Wurzeln, die man im zeitigen Frühjahr oder späten
Herbst sammelt, haben ein feines Aroma und können bei der
Herstellung von Spirituosen oder zur Geschmacksaufbesserung bei
Fruchtlikören verwendet werden. Außerdem dient es als blutstillendes
(Blutwurz) und als Färbemittel.
Es gibt aber noch andere
Kräuter, die manchmal als Kalgankräuter oder Fingerkraut bezeichnet
werden. Es handelt sich um das Kamtschugakraut, die Katzenpfote
(Alchemistenkraut - Alchemilla vulgaris) und das
Gänsefingerkraut (Potentilla anserina). Sie können nicht als
Gewürzersatz Verwendung finden, beide sind nicht aromatisch, sondern
bitter. In der Medizin werden nicht ihre Wurzeln, sondern die
Blätter verwendet. |
|
4.7. Kardamom (Elettaria cardamonum) |
 |
|
Eine mehrjährige krautige
Pflanze aus der Familie der Ingwergewächse. Die Heimat ist die Küste
von Indien und Sri Lanka. Hier liegen auch die hauptsächlichen
Anbaugebiete.
Als Gewürz werden die Samen
des Kardamoms, die in Kapseln ein- geschlossen sind, verwendet. Sie
lassen sich -noch unreif - leicht ernten, werden dann in der Sonne
getrocknet, mit Wasser angefeuchtet und erneut getrocknet. Der
Malabar-Kardamom besteht aus dreigratigen Kapseln von 0,8 cm bis 1,5
cm Länge, Kardamom von Sri Lanka aus Kapseln mit einer Länge bis zu
4 cm, die aber weniger aromatisch sind. Die Kapseln haben innen 3
Nester mit je 3 bis 4 dunklen Samen. Diese Samen sind das
eigentliche Gewürz. Der Geruch ist stark, scharf, würzig-brennend
und leicht kampferartig. Die dünne Kapselhülle, die man durch einen
leichten Druck mit den Fingern aufbrechen kann, ist geruchlos und
wird in der Küche nicht verwendet. Sie schützt den Kardamom vor dem
Austrocknen.
Neben
dem Kardamom gibt es in Asien und in Afrika noch eine mit dem
Kardamom verwandte Pflanzengattung, das Amomum. Einige Samenarten
riechen nach Kardamom, z.B. "Siam-Kardamom" (Amomum cardamomum), mit
kleinen grau braunen Früchten, großer "Java-Kardamom" (Amomum
maximum), der in der asiatischen Küche verwendet wird, aber sehr
selten auf den europäischen Markt gelangt. Kardamom gehört zu den
auserwählten Gewürzen in der westeuropäischen und der russischen
Küche. Er ist in fast allen Gewürzmischungen vorhanden.
Hauptanwendungsgebiet: Aromatisieren von Backwaren (Kuchen, Gebäck,
Lebkuchen, Pfefferkuchen), besonders von Füllungen für Backwaren
(Teigrollen, Blätterteig), aber auch von Erzeugnissen, die mit
Kaffee hergestellt werden (z. B. Kaffeetorte). Der starke Geruch des
Kardamoms bleibt in den Erzeugnissen, die einer hohen Temperatur im
Backofen ausgesetzt sind, erhalten, er "unterdrückt" sogar den
eindringlichen Kaffeegeruch oder gibt ihm eine pikante Note.
Außer dieser traditionellen Anwendung dient Kardamom auch noch zur
Veredlung von Tunken nach Hausmacherart, als Komponente in Marinaden
für Früchte, für einige Süßspeisen (Kissel, Kompott, Quarkspeise),
für Fischsuppen, Gewürzaufgüsse für Fische, zum Aromatisieren von
Fischfüllungen und für Aufläufe.
In den westeuropäischen Ländern verwendet man Kardamom zum
Verfeinern von Erbsensuppe, von Kartoffelsalat und Reisgerichten
sowie für Fleischfüllungen. Kardamom, als starkes Gewürz, ist
äußerst vorsichtig zuzugeben. Ein Korn reicht vollkommen für 1 kg
Masse bzw. Füllung. Für diese Gerichte nimmt man gemahlenen
Kardamom.
Für Süßspeisen (Kompott, Kissel) reicht 1/2 oder 1/3 Korn auf 1 L
Flüssigkeit. In diesem Fall, wie auch bei Suppen, gibt man die
ungemahlenen Körner 5 min vor Fertigstellung des Gerichts hinzu.
Gemahlener Kardamom dagegen wird unmittelbar vor Abschluss der
thermischen Bearbeitung der Speisen, also nur einige Sekunden vor
Fertigstellung, beigemischt.
Kardamom ist in Verbindung mit Muskatnuss zum Aromatisieren von
Soßen zu Kochfisch gut geeignet. |
|
4.8. Zimt |
 |
| Die Rinde
einiger Zimtbaumarten aus der Familie der Lorbeergewächse wird in
getrocknetem Zustand als Gewürz verwendet. Am bekanntesten sind
folgende vier Arten: |
|
4.8.1. Ceylon-Zimt (Cinnamomum
ceylanicum) |
 |
|
Die Heimat ist Ceylon (heute Sri Lanka). Kultiviert
wird er in Indien, Indonesien, Malaysia, Brasilien, Guayana
(Franz.).
Der Ceylon-Zimt stammt von strauchartig gehaltenen Bäumen, von deren
ein- bis dreijährigen Trieben zweimal im Jahr die Rinde abgenommen
wird, und zwar nach der Regenperiode, wenn die Rinde sich leicht
entfernen lässt und am aromatischsten ist. Man schneidet 2,5 cm dicke
Ruten von 30 cm Länge und 1 cm bis 2 cm Breite ab, schält sie und
trocknet sie im Schatten. Dadurch erhält die äußere Schicht des
Zimtes eine gelb braune oder hell braune Farbe, die innere Schicht
wird etwas dunkler. Die Streifen ringeln sich zu Röhrchen zusammen.
Die Dicke des Ceylon-Zimtes erreicht nach dem Trocknen kaum 1 mm,
und die besten Sorten sind nicht dicker als ein Blatt Papier. Dieser
Zimt ist außerordentlich zerbrechlich, sein Aroma aber zart, der
Geschmack süßlich und leicht brennend-warm. |
|
4.8.2. China-Zimt (Cinnamomum
cassia) |
 |
|
Kultiviert wird China-Zimt in der VR China, in
Kambodscha, Laos und Indonesien. Man schneidet die Rinde von den
Stämmen und Zweigen der Bäume einmal in 8 bis 10 Jahren in Streifen
unterschiedlicher Länge (10 cm bis 15 cm) und 1 cm bis 2 cm Breite
und trocknet sie im Schatten. Der fertige Zimt besteht aus groben
Rindenbruchstücken, die leicht gekrümmt sind und eine raue
Außenschicht von rötlich brauner Farbe mit grau braunen Flecken und
eine glättere Innenschicht von gleichmäßig brauner Farbe haben. Die
Dicke des China-Zimts beträgt 2 mm und mehr. Der Geschmack ist
ausgeprägt aromatisch, bedeutend schärfer als beim Ceylon-Zimt,
süßlich, herb-adstriligierend und leicht brennend.
► adstringierend (lat. adstringere =
zusammenziehen) Zusammenziehend wirkend. |
|
4.8.3. Malabar-Zimt (Cinnamomum
tamala) |
 |
|
Malabar-Zimt stammt aus Südwestindien, er wächst
aber auch in allen anderen Gebieten Indiens und in Burma. Seine
Rinde mit ihrer ungleichmäßigen (schmutzig) dunkelbraunen
Schattierung ist noch gröber als die des China-Zimts. Geruch:
bedeutend weniger aromatisch als die vorher genannten Sorten. Die
Dicke beträgt bis zu 3 mm und mehr, der Geschmack ist scharf und
adstringierend mit einem bitteren Akzent. |
|
4.8.4. Cinnamon (Cinnamomum culilawan)
|
 |
|
Die Heimat sind die Molukken Kultiviert wird
Cinnamon in Indonesien. Man verwendet die Rinde der jungen
(einjährigen) Triebe des Cinnamon-Strauchs. Getrocknet sehen diese 1
cm bis 2 cm .langen Stücke außen weiß-beigefarben und innen gelb rot
aus. Ihr Aroma ist scharf und würzig, der Geschmack würzig-brennend.
Die verschiedenen. Zimtarten werden hauptsächlich bei der
Herstellung von Konditoreiwaren (Gebäck, Kuchen, Osterkuchen,
Pfefferkuchen, süße Piroggen mit Fruchtfüllungen) und in der Küche
bei der Zubereitung von Süßspeisen (Pudding, Kompott, Konfitüre,
Fruchtschaumspeise, Gelee, Kissel, Quarkspeise) verwendet.
In der westeuropäischen Küche wird Zimt u. a. für diverse Obstsalate
und einige Gemüsearten (Spinat, Rotkraut, junger Mais, Möhren), aber
auch für kalte Fruchtsuppen aus frischen und aus getrockneten
Früchten verwendet. Besonders gut eignet sich Zimt für die Gerichte,
die mit Äpfeln angerichtet werden.
In den östlichen Ländern, in Transkaukasien sowie in Mittelasien
verwendet man Zimt für kalte und warme Gerichte aus Geflügel
(Hühner, Truthühner), aber auch für Speisen aus Hammelfleisch
(gebraten oder geschmort) .In der VR China und der Koreanischen VDR
nimmt man Zimt für die Zubereitung von Schweinebraten. Zimt
verbessert und veredelt den Geschmack des fetten Fleisches.
Schließlich ist Zimt eine notwendige Komponente verschiedener
getrockneter Gewürzmischungen für Frucht-, Pilz- und
Fleischmarinaden.
Zimt nimmt man entweder im ganzen (für flüssige Gerichte) oder
gemahlen (besonders für Salate und andere Gerichte). Die Zugabe
erfolgt 7 min bis 10 min bevor die Gerichte fertig zubereitet sind
(Suppen, Kompott, warme Speisen) oder unmittelbar vor dem Servieren
(Salate, Quarkspeise und Sauermilch) .
Die Einsatzmenge schwankt sehr. In den Küchen des Ostens, in der
indischen und chinesischen Küche ist sie besonders hoch. Man rechnet
im Durchschnitt 1/2 bis 1 Teelöffel auf 1 kg Reis, Quark, Fleisch,
Teig oder auf 1 L Flüssigkeit.
Als Zimtersatz, der bei weitem nicht die Qualität des echten Zimts
aufweist, nimmt man die unreifen getrockneten Früchte, d. h. die
Samen der Zimtbäume. Das sind kleine, etwa erbsengroße Kugeln von
grau brauner Farbe mit einem schärferen Geruch als bei Zimt und
einem herben, unangenehmen Geschmack. Es gibt auch einen künstlich
hergestellten Zimtextrakt. |
|
4.9. Kurkuma (Curcuma longa) |
 |
|
Eine mehrjährige krautige Pflanze aus der Familie
der Ingwergewächse. Die Heimat ist Südostasien (Vietnam, Laos und
Kambodscha). Kultiviert wird Kurkuma heute in Indien, Kambodscha,
auf Sri Lanka, in Indonesien (Java), im Süden der VR China, in
Japan, auf den Philippinen, auf den Inseln Madagaskar und Reunion,
in den Ländern am Karibischen Meer (Haiti) und in der UdSSR (Transkaukasien.)
Kurkuma ist als Gewürz schon mehr als 2500 Jahre bekannt, das
anfangs nur in Indochina und Indien verwendet wurde. Ende des 1.
Jahrhunderts u. Z. gelangte Kurkuma in das alte Griechenland und
wurde dort "gelber Ingwer" genannt. Im 16./17. Jahrhundert ist
Kurkuma unter dem Namen terra merita -"würdige Erde" - bekannt
geworden. Erst in der Mitte des 18. Jahrhunderts kam die Pflanze zu
ihrem heutigen Namen "Kurkuma", eine latainisierte arabische
Bezeichnung.
Nach China gelangte die Pflanze 400 Jahre später als nach Europa.
Als sie dort angebaut wurde, lieferte sie die besten Handelssorten,
die in Anbetracht ihrer Seltenheit auf dem Weltmarkt hoch im Kurs
stehen.
Die Herstellung des Kurkumagewürzes ist ein sehr komplizierter
Prozess: Die frisch gesammelten Wurzelstöcke werden zusammen mit
Spezialfärbemitteln gekocht und danach getrocknet. Nach dem
Entfernen der Haut müssen sie den charakteristischen orangefarbenen
Ton aufweisen.
Als Gewürz verwendet man hauptsächlich die langen Seitentriebe und
nicht den Haupttrieb des Wurzelstocks. Die fertigen Wurzeln sind
hart wie Horn, sehr fest, schimmern am Anschnitt und gehen im Wasser
unter. Sie haben einen schwach brennenden und leicht bitteren
Geschmack, der an Ingwer erinnert, aber das Aroma ist feiner,
eigenständiger, außerordentlich angenehm, manchmal kaum zu spüren.
Gewöhnlich wird Kurkuma nicht als Wurzel, sondern als feines Pulver
gehandelt.
Außer der Gelbwurzel gibt es noch 40 Kurkumaarten, von denen nur
drei in der Lebensmittelindustrie verwendet werden: |
|
4.9.1. Curcuma aromatica |
 |
| Sie wird
manchmal fälschlicherweise als "indischer Safran" bezeichnet und
dient hauptsächlich zur Herstellung von Konditoreiwaren, wo man sie
gegenüber der Gelbwurzel bevorzugt. |
| 4.9.2. Curcuma zedoaria |
| Diese
Wurzel, auch Zitwerwurz genannt, hat eine birnenähnliche Form von
der Größe einer Walnuss oder eines Taubeneis. Sie wird nicht als
Pulver, sondern in kleinen Stücken verkauft. Diese Kurkuma riecht
leicht nach Kampfer und hat einen bitter brennenden Geschmack. Sie
wird als Ersatz für die Gelbwurzel bei der Likörproduktion
verwendet. |
|
4.9.3. Curcuma leucorrhizae |
 |
|
Diese Pflanze nimmt man hauptsächlich für die
Herstellung von "Arrowroot" (Kurkumastärke).
Kurkumagewürz wird in allen östlichen Ländern, besonders in
Südostasien, sowohl als Speisewürze wie auch als Speisefärbemittel
bzw. als Arznei vielfach verwendet.
Kurkuma ist Bestandteil vieler Gewürzmischungen, besonders für den
indischen Curry und die mittelasiatischen Gewürzmischungen für Pilaw
(Reisgerichte). Ein solches Reisgericht ohne Soße mit Kurkuma ist in
den Ländern des Indischen Ozeans, in Mittelasien und Aserbaidshan
undenkbar. Auch zu anderen Reisgerichten, wie "toi palowi" (Hochzeitspilaw),
"sartschawa palow" (Kurkumapilaw) und "majis palow" (Bucharapilaw)
gehört unbedingt Kurkuma.
Die europäischen Länder und Amerika importieren Kurkuma
hauptsächlich aus Indien. Am häufigsten wird Kurkuma in
Großbritannien verwendet, wo das Gewürz traditionsgemäß allen
Fleisch- und Eigerichten sowie Soßen zugesetzt wird. In den übrigen
europäischen Ländern dient Kurkuma hauptsächlich zum Färben von
Lebensmitteln, z. B. von Likören, Marinaden, Butter und Käse, aber
auch zur Herstellung von Senf. Kurkuma verleiht dem Nahrungsmittel
außer einer schönen Farbe noch Frische und fördert die Haltbarkeit.
Kurkuma wird in äußerst geringen Mengen den Speisen zugesetzt. "Eine
Messerspitze" reicht für 1 kg Reis. In den Pilaw z. B. gibt man
Kurkuma entweder unmittelbar vor dem Einschütten des Reises, wenn
der Ansatz (das geschmorte Fleisch, die Zwiebeln und Möhren) bereits
völlig gar ist, oder 3 min bis 5 min bevor der Pilaw fertig ist, d.
h., wenn das Wasser fast völlig verkocht ist. |
|
4.10. Lorbeer (Laurus nobilis) |
 |
|
Ein immergrüner Strauch oder Baum aus der Familie
der Lorbeergewächse. Die Heimat sind Kleinasien und die östlichen
Mittelmeerländer. Der Anbau erfolgt in allen Ländern Süd- und
Westeuropas, Nordafrikas und des Nahen Ostens sowie in der UdSSR
(Schwarzmeerküste, Transkaukasien und Krim).
Als Gewürz verwendet man die Blätter, die sog. Lorbeerblätter,
frisch oder meist getrocknet, aber auch die Früchte (Samen) des
Lorbeerbaums und das Lorbeerpulver, das einen konzentrierten Extrakt
von ätherischem Lorbeeröl darstellt und industriell in Grusinien
hergestellt wird.
Die Blätter sammelt man nur einmal innerhalb von 2 Jahren (von 1 ha
Lorbeer-Plantage erntet man bis zu 4 t Lorbeerblätter). Die
Jahresproduktion an Lorbeerblättern beträgt in der UdSSR ungefähr
7000 t.
Lorbeerblätter trocknen leicht und schnell an der frischen Luft oder
bei Zimmertemperatur, verderben aber auch ebenso schnell bei
unsachgemäßer Lagerung. Deshalb sollte man Lorbeerblätter wie auch
andere Gewürze nur in einem geschlossenen Gefäß trocken aufbewahren.
Ein lang anhaltendes Aroma garantieren Lorbeerblätter in gepresstem
Zustand.
Ein getrocknetes Lorbeerblatt von guter Qualität muss gleichmäßig
hell olivfarben sein. Nach dem Kochen wird das Blatt dunkelgrün und
sieht fast wie ein frisches Lorbeerblatt aus. Verwelkte und dadurch
rot gewordene trockene Blätter sind nicht mehr verwendungsfähig,
denn sie können dem Gericht einen muffigen und bitteren Beigeschmack
verleihen, da sie keine ätherischen Öle mehr enthalten, die das
Aroma bewirken.
Lorbeerblätter nimmt man zum Aromatisieren von Suppen (Fleisch-,
Hühner-, Kartoffel-, Fisch-, Erbsensuppen) und zum würzen von
Fleischgerichten (geschmortes Rindfleisch, Kalbfleisch,
Hammelfleisch, Kochschinken, Sülze), Fischgerichten (gekochter oder
gedünsteter Fisch, Fisch in Aspik, marinierter Hering), Gerichten
aus Weich- und Krustentieren (Krebse, Krabben, Garnelen, Muscheln),
Gemüsegerichten (gedünstete Möhren, gekochte und gedünstete
Kartoffeln, Erbspüree); man verwendet sie ferner zu Soßen
(hauptsächlich als Pulver), zu Fischmarinaden in Verbindung mit
anderen Gewürzen und schließlich auch zum Konservieren von Fleisch,
Gemüse und Fisch.
Bei den erst genannten Gerichten gibt man das Lorbeerblatt 5 min.
bei Soßen, Marinaden usw. 10 min vor der Fertigstellung zu.
Lorbeerpulver wird erst zugesetzt, wenn die Soßen fertig und auf 40
Grad C abgekühlt sind.
Für ein Gericht können 3 bis 4 Blätter verwendet werden. Man muss
aber darauf achten, dass das Lorbeerblatt nicht zu lange im Gericht
bleibt, es ist vor dem Servieren herauszunehmen, damit kein bitterer
Geschmack entsteht. Besser ist, eine größere Menge Lorbeerblätter
(doppelt soviel als in den meisten Rezepten angegeben) zu nehmen,
die dann aber nach der halben Einwirkungszeit wieder herausgenommen
werden. Damit erhält man in größerer Menge die ersten Fraktionen der
ätherischen Öle, die einen feineren Duft bewirken. Das ist besser
als aus einer kleinen Menge Lorbeerblätter das ganze Aroma "bis zum
Ende" herauszuziehen, denn dann gehen in das Gericht die gröberen
zweiten und dritten Fraktionen über, die oft einen bitteren
Beigeschmack haben. |
|
4.11. Muskatblüte und Muskatnuss |
 |
Diese Gewürze stammen von den Früchten des
Muskatnußbaums (Myristica fragrans) aus der Familie der
Muskatnußgewächse, die 6 m bis 18 m hoch werden. Als Heimat gilt
Indonesien (der östliche Teil der Molukken). Muskatnußbäume wachsen
in den tropischen Ländern Südostasiens, in Indonesien und Malaysia,
aber auch auf einigen Inseln, wo sie kultiviert werden.
Ein Baum trägt jährlich 1500 bis 2000 große hellgelbe bis grau gelbe
Früchte, die an Pfirsiche erinnern, bei völliger Reife zu Hälften
platzen und den Samen frei legen. Dieser ist z. T. mit einer dünnen,
aber ziemlich fleischigen dachförmigen Wulst (Samenmantel) und
außer- dem mit einer harten, holzigen, aber dünnen dunkelbraunen
Hülle (Schale) bedeckt. Aus dem Samenmantel erhält man ein Gewürz,
das als Muskatblüte gehandelt wird, während der Samen selbst die
Muskatnuss liefert. |
|
4.11.1. Muskatblüte |
 |
| Synonyme: Mace, Macis. Die Muskatblüte hat
eigentlich nichts mit der Blüte des Muskatbaums gemein, sondern der
Samenmantel ist eine weiche Haut die einen großen Teil des Samens
des Muskatbaums ähnlich wie ein 1 Blütenblatt bedeckt. Frisch hat
die Muskatblüte eine hellrote (rubinrote) oder hell himbeerrote
Färbung. Nach dem Trocknen wird die Blüte orangefarben und nach
einer kurzen Lagerungszeit orange gelb oder dunkel gelb Gewöhnlich
versucht man, die Nuss so aus dem Samenmantel herauszunehmen, dass
dieser nicht beschädigt wird. In diesem Fall entsteht in der Mitte
der Muskatblüte eine Öffnung (ein Loch), die auch nach dem Trocknen
noch erhalten bleibt und woran die unbeschädigte Muskatblüte zu
erkennen ist, die auch bedeutend höher als eine zerbrochene
Muskatblüte bewertet wird. Das Trocknen erfolgt auf Bambus- oder
Kokosmatten direkt in der Sonne. Die ersten Anzeichen des Trocknens
zeigen sich schon nach einem Tag. Die Muskatblüten verlieren ihre
Saftigkeit, Elastizität und helle Farbe; sie werden welk und
schlaff. In diesem Zustand erhalten sie ihre flache Form, d. h., man
drückt sie mit hölzernen "Bügeleisen" oder Rollen platt, damit sie
später (nach 2 bis 3 Tagen) , wenn sie völlig trocken und spröde
geworden sind, besser verpackt und vor dem Zerbrechen bewahrt
werden können.
Die fertige, qualitativ hochwertige Muskatblüte ist hart, sehr
spröde und lichtdurchlässig wie eine Hornplatte, ihre Länge beträgt
3 cm bis 4 cm, die Breite 2 cm bis 3 cm und die Dicke 1 mm. Sie muss
gleichmäßig hell orangefarben oder dunkel gelb sein, in der Mitte
eine Öffnung haben und sich an den Rändern in 10 bis 15 Lappen
aufteilen. Die Textur (Zeichnung des Gewebes) einer guten
Muskatblüte ist immer stark ausgeprägt. Die beste Muskatblüte erhält
man aus den sog. zweiten Blättchen, die näher am Kern liegen.
Auf dem Weltmarkt sind die Penang-Macis und die Banda-Macis als
beste Sorten sehr gefragt. |
|
4.11.2. Muskatnuss |
 |
|
Die Muskatnuss erfordert eine längere und
kompliziertere Bearbeitung als die Muskatblüte. Die vom
Fruchtgehäuse und dem Samenmantel befreiten Samen (Muskatnüsse)
werden auf Roste geschüttet und in leichte Bambusgestelle gegeben,
die mit einem leichten Dach aus Palmenzweigen bedeckt sind. Dann
wird unter den hohen Bambusgestellen ein schwaches rauchloses Feuer
entfacht. Unter guten Bedingungen ist das Feuer etwa 6 Wochen Tag
und Nacht in Gang zu halten, andernfalls dauert das Trocknen 2 und
sogar 3 Monate. Täglich, jeweils zum Tagesausklang, werden die Nüsse
mit hölzernen Harken gewendet, damit das Trocknen möglichst
gleichmäßig vor sich geht. Wenn die Nüsse austrocknen und sich ihre
Hülle vom Kern löst (die Nüsse beginnen dann beim Umwenden zu
klappern) , zerschlägt man ihre dünne Schale mit einem hölzernen
oder steinernen (nur nicht mit einem metallenen) Hammer oder
Stampfer und legt den Kern frei. Die Kerne haben eine eiförmige
Gestalt und sind von hell brauner Farbe; ihre Oberfläche ist
gleichsam von einem Adergeflecht überzogen. Damit ist aber die
"Prozedur" noch nicht beendet. Die geschälten Kerne taucht man
einige Minuten lang in Kalkmilch (ein Gemisch aus Meerwasser und
Kalk, den man aus dem Kalkstein der Korallen gewinnt) und rührt sie
darin gut durcheinander. Danach kommen sie nochmals 1 bis 3 Wochen
zum Trocknen in den Schatten. Auf diese Weise dauert die
Aufbereitung von Muskatnüssen manchmal fast 4 Monate.
Die fertige Muskatnuss ist ein grau brauner runzliger Kern, der eine
eiförmige Gestalt (Länge 2 cm bis 3 cm, im Durchmesser 1,5 cm bis 2
cm) aufweist. Auf dem einen Pol der Nuss befindet sich ein heller
Fleck und auf dem anderen Pol, weniger deutlich, ein dunkelbrauner,
manchmal sogar schwarzer Fleck. Am Anschnitt hat die Muskatnuss eine
charakteristische Marmorzeichnung (beigefarbener Grund mit
dunkelbraun gesprenkelten Streifen) .
Muskatnuss und Muskatblüte haben ein unterschiedlich starkes und
feines Aroma und einen würzig-brennenden Geschmack, der sich in
Schattierung und Timbre unterscheidet. Diese
aromatisch-geschmacklichen Unterschiede sind ausschlaggebend dafür,
dass man sie nicht als gleichwertige Gewürze nebeneinander stellen
kann. Daraus ergibt sich auch ihre unterschiedliche Verwendung.
Für die Muskatnuss ergeben sich größere Einsatzmöglichkeiten. In der
UdSSR wird sie meist zu Süßspeisen (Konfitüre, Kompott,
Fruchtschaumspeise, Pudding, Quarkmasse) und zu Konditoreiwaren
(Brezel, Sandkuchen, Osterkuchen, Biskuit, Gebäck, süße Piroggen)
verwendet. In der westeuropäischen Küche nutzt man die Muskatnuss
zum Aromatisieren von Gemüse, für Salate und Püree (kalt und heiß)
aus Kartoffeln, weißen Rüben, Spinat, Gemüsesuppen, für fast alle
Pilzgerichte (Pilzsuppen, Soßen, Salate, Marinaden, gekochte Pilze),
für Gerichte aus allen Geflügelarten (Hühner, Truthühner, Enten,
Gänse), für Nudeln, für Gerichte aus fettem Kleinwild (Wachteln),
für zarte und nicht sehr scharfe Fleischarten (Kalbfleisch, zartes
Schweinefleisch), für Gerichte aus Innereien und schließlich auch
für Fischgerichte (gekochter und gedünsteter Fisch, Fischsuppen,
Fisch in Aspik). Die effektivste Anwendung der Muskatnuss liegt bei
allen möglichen Gerichten aus Fleisch- und Fischhackmasse
(Beefsteaks, Aufläufe) und überhaupt bei Füllungen, in denen Fleisch
(oder Fisch) zusammen mit Gemüse, Pilzen, Teig oder auch mit Soßen
bereitet wird, .weil die Muskatnuss Ihnen erst das richtige Aroma
verleiht.
Die Muskatblüte wird ebenfalls für die meisten der genannten
Gerichte verwendet, ausgenommen Pilzgerichte, Fischgerichte, Nudeln
und Wildgerichte. Die Muskatblüte lässt sich in Fleischgerichten gut
mit der Muskatnuss kombinieren. Wie die Muskatnuss ist auch die
Muskatblüte eine wichtige Komponente für verschiedene Soßen. Oft
wird sie nur allein (ohne Muskatnuss) hinzu gegeben und verleiht den
Soßen ein spezifisches Aroma. Interessant ist, dass in den Soßen der
englischen und der deutschen Küche, z. B. in Yorkshiresauce,
Worcestersauce, Cambridgesauce, zu Muskatnuss das Doppelte an
Muskatblüten eingesetzt wird. Genau umgekehrt verhält es sich bei
den Soßen der französischen und der italienischen Küche, wie der
Bologner Sauce.
In der europäischen Küche ist auch Macisöl, eine farblose
aromatische Essenz der Muskatblüte, als Gewürz üblich. Es wird bei
der Herstellung von Senf und Ketchup sowie in der Konservenindustrie
verwendet.
Erwähnt sei noch, dass die Muskatblüte immer höher im Kurs stand als
die Muskatnuss In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war die
Muskatblüte viermal teurer als Muskatnuss, gegen Ende des 19.
Jahrhunderts hat sich dieser Unterschied auf das Zweifache
verringert. Heute ist die Muskatblüte nur noch 25 % bis 30 % teurer
als die Muskatnuss, aber im Handel bedeutend seltener zu haben. |
|
4.12. Pfeffer |
 |
Diese Pflanze gehört zur Gattung Piper aus der
Familie der Pfeffergewächse (kleine Klettersträucher -Lianen -, die
ähnlich wie die Weintrauben die Traubenblütenstände treiben), von
denen es mehr als 1500 Arten gibt. An jeder dieser Trauben hängen 30
bis 50 kugelförmige Steinfrüchte, die von einer dünnen weichen
Schicht, dem Fruchtfleisch, umgeben sind.
Als Gewürz verwendet man jedoch nur fünf bis sechs in Südasien
wachsende Arten. Sie liefern den schwarzen, weißen, grauen und
braunen Pfeffer (je nach Farbe des fertigen Produkts). Die Pflanzen,
aus denen man den Spanischen oder Chili-Pfeffer, d. h. Gewürzpaprika
(Capsicum), gewinnt, haben nichts mit den echten Pfefferarten
gemeinsam und gehören zur Familie der Nachtschattengewächse. Von
ihnen wird noch später die Rede sein.
Im Handel gibt es noch viele Gewürze, die als "Pfeffer" bezeichnet
werden, jedoch nicht zur Familie der Pfeffergewächse gehören, z. B.
der Melegnetapfeffer aus der Gattung Xylopia. Sie werden ebenfalls
getrennt vom echten Pfeffer beschrieben.
Zum echten Pfeffer gehören folgende Sorten: |
|
4.12.1. Schwarzer Pfeffer (Piper nigrum) |
 |
|
Die Heimat ist Südindien. Kultiviert wird er in
Indien, Indonesien, Thailand, auf Sri Lanka, in Malaysia, Singapur,
Kambodscha, Laos, der SR Vietnam, in den Ländern des Karibischen
Meeres und in Südamerika.
Schwarzer Pfeffer als Gewürz wird aus den unreifen Früchten her-
gestellt, die im ganzen mit der Fruchthülle direkt in der Sonne
getrocknet werden. Um das Trocknen zu beschleunigen, taucht man
manchmal die Fruchtdolden für einige Minuten in heißes Wasser oder
überbrüht sie.
Getrockneter Pfeffer sind die schwarzen oder schwarzbraunen
runzligen Körner mit einem Durchmesser von 3,5 mm bis 5 mm. Je
härter, dunkler und schwerer, desto besser ist der schwarze Pfeffer.
1.000 schwarze Pfefferkörner von guter Qualität sollen genau 460 g
wiegen. Dieses Verhältnis Masse zu Anzahl bei den schwarzen
Pfefferkörnern war im Mittelalter die Grundlage für ihre Verwendung
als Maßeinheiten beim Auswiegen von Apothekerwaren und bei anderen
kleinen Maßeinheiten, die eine große Genauigkeit erforderten. Gut
getrockneter schwarzer Pfeffer darf beim Liegen nicht grau werden.
Das Grau werden bedeutet den Verderb des Pfeffers, einen völligen
oder teilweisen Verlust seiner heilsamen und aromatischen
Eigenschaften.
Als die besten Sorten vom schwarzen Pfeffer gelten auf dem Weltmarkt
Malabar-Pfeffer und Tellicherry-Pfeffer.
Schwarzer Pfeffer wird manchmal als Universalgewürz bezeichnet. d.
h., er ist das am weitesten verbreitete und bekannteste Gewürz,
nicht minder universell als viele andere klassische Gewürze. Man
verwendet schwarzen Pfeffer für warme und kalte Fleisch-, Fisch-,
Gemüse-, Pilz- und Eiergerichte. Er ist ebenfalls ein Bestandteil
von Marinaden und trockenen Gewürzmischungen. Gemischt mit anderen
Gewürzen lässt sich schwarzer Pfeffer in geringen Mengen auch für
einige Arten von Gebäck verwenden.
Die Einsatzmengen des schwarzen Pfeffers sind sehr unterschiedlich
und hängen ausschließlich vom Geschmack ab. |
|
4.12.2. Weißer Pfeffer (Piper nigrum) |
 |
|
Botanisch gesehen ist weißer Pfeffer das gleiche
Gewächs wie schwarzer Pfeffer. Um den weißen Pfeffer zu erhalten,
weicht man die reifen roten Früchte in Meerwasser oder Kalkwasser
ein, damit die rote Hülle, das Fruchtfleisch, das den Samen (Kern)
umgibt, entfernt wird, oder man fermentiert die Früchte auf Haufen
geschüttet -7 bis 10 Tage lang in der Sonne, bis sich das
Fruchtfleisch von selbst vom Kern löst. Pfeffer, der nach
letztgenannter Art behandelt wurde, duftet mehr. Nach Entfernen des
Fruchtfleisches wird der weiße Pfeffer getrocknet. Es entstehen
glatte runde "Erbsen", die" außen schmutzig weiß und beim Zerdrücken
leicht gelb aussehen.
Weißer Pfeffer stammt meist aus Thailand, Laos, Kambodscha und
Malaysia. Weißer Pfeffer ist teurer als schwarzer Pfeffer. Er ist
weniger scharf im Geschmack, aromatischer im Geruch und mit einem
etwas anderen Timbre.
Der Einsatz von weißem Pfeffer ist nicht so vielseitig wie der von
schwarzem Pfeffer. So ist er nicht für Süßspeisen und selten für
Suppen und Salate geeignet. Für einige Gerichte wird er jedoch
bevorzugt, z. B. für gekochtes Rindfleisch, Kalbfleisch, Pelmeni und
überhaupt für Erzeugnisse aus gekochtem Fleisch und Teig. Weißer
Pfeffer hat ein feineres und damit auch spezifischeres, starkes und
etwas schweres Aroma, das sich besser mit den zarten gekochten
Produkten verbindet, die keinen eigenen Geruch haben.
Weißer Pfeffer wird ebenso wie auch schwarzer Pfeffer den meisten
Gewürzmischungen beigemischt, besonders dem hellen und in der
Schärfe gemäßigten Curry. |
|
4.12.3. Kubebenpfeffer (Piper cubeba) |
 |
| Synonym: Javanischer Pfeffer Diese Liane
trägt Fruchtstände ("Früchte") , die äußerlich dem schwarzen Pfeffer
ähneln, sie sind nur etwas größer und an der einen Seite mit einer
charakteristischen Verengung -einem Stiel -versehen.
Die Heimat ist Indonesien Java, Bali, Sumatra, Kalimanten (früher
Borneo). Er wird dort sowie in Malaysia, auf Sri Lanka und teilweise
auf den Antillen (Mittelamerika) kultiviert-
Kubebenpfeffer erhält man von den unmittelbar vor der Reife
geernteten Früchten (die zwar schon gelb, aber noch nicht rot
geworden sind). Sie werden in der Sonne getrocknet. Kubebenpfeffer
sind dunkelgraue oder grau braune Körner mit einem Durchmesser von 4
mm bis 6 mm, mit einer kleinen spitzen Warze auf der einen Polseite
und mit einem Stiel von 5 mm bis 9 mm Länge auf der
gegenüberliegenden Seite. Die Oberfläche der Körner ist ziemlich
grob und runzliger als beim schwarzen Pfeffer. Im Unterschied zum
schwarzen und zum weißen Pfeffer bestehen die Kubebenkörner aus
einer dünnen (1 mm) harten, aber spröden Hülle (Fruchtwand), in
deren Fruchthöhle ein schwarzer Samen frei liegt, der nur an dem
Pol, aus dem der Stiel herausragt, befestigt ist. Ein anderer
wesentlicher äußerlicher Unterschied des Kubebenpfeffers zum
schwarzen Pfeffer besteht darin, dass seine Körner bei völliger
Frische eine aschgraue Färbung haben, die bei weiterer Lagerung
nachdunkelt und in Braun übergeht. So ist beim Kubebenpfeffer die
graue Farbe ein Zeichen guter und beim schwarzen Pfeffer ein Zeichen
schlechter Qualität.
Der Geschmack des Kubebenpfeffers ist würzig-brennend, er wirkt
kühlend wie Minze. Geruch: angenehm würzig mit einem schwachen
kampferartigen Akzent. Kubebenpfeffer ist um einiges schärfer als
der schwarze Pfeffer, deshalb wird er nur in kleinen Mengen
verwendet, die meist nur 1/4 der Menge des schwarzen Pfeffers
betragen.
Im 16. und 17. Jahrhundert wurde Kubebenpfeffer in der russischen
Küche sehr viel zum würzen von Fisch genommen.
Heute verwendet man dieses Gewürz hauptsächlich in der malaysischen
Küche zum Aromatisieren und Schärfen von Gerichten aus Reis, Gemüse,
Weich- (Schnecken, Trepang, Seewalzen) und Krustentieren (Krabben,
Hummern, Langusten, Garnelen). |
| 4.12.4. Langer Pfeffer (Piper Iongum
und Piper officinarum) |
 |
|
Es handelt sich um zwei Arten von Pfefferpflanzen,
deren Fruchtstände zu Ähren reduziert sind.
Piper longum wächst in Indien und Nepal, Piper officinarum in
Indonesien (Java) und auf den Philippinen.
Als Gewürz verwendet man die unreifen grünen Achsen der Blütenstände
oder Samenhalter ("Ähren"). Das ist ein Zylinder von 2 cm bis 5 cm
Länge (Durchmesser 0,5 cm), auf dem die sehr kleinen Früchte,
genauer gesagt die noch unentwickelten Blütenknospen# untergebracht
sind. Um daraus das Gewürz zu erhalten, wird er über schwachem Feuer
getrocknet, wobei die Samen, wenn die Ähre nicht genügend grün war,
nach dem Trocknen ausfallen und an ihrer Stelle spiralförmige und
mit bloßem Auge gut sichtbare Rillen zurück- bleiben. Die Farbe des
langen Pfeffers ist grau braun, der Geruch stark aromatisch, der
Geschmack bedeutend brennender als bei schwarzem Pfeffer.
Der lange Pfeffer ist in Europa als Gewürz seit dem 4. Jahrhundert
v. u. Z. bekannt, aber heute wie bereits im Mittelalter weniger
verbreitet als der schwarze Pfeffer. Heute wird er hauptsächlich in
Großbritannien, Kanada, Australien und den USA verwendet. Besonders
geschätzt ist langer Pfeffer jedoch bei den Völkern Südostasiens.
Langer Pfeffer wird gemahlen genauso verwendet wie der schwarze
Pfeffer (außer für Süßspeisen). Im ganzen nimmt, man ihn für
Marinaden. |
|
4.12.5. Afrikanischer Pfeffer (Piper clusii) |
 |
|
Die Heimat ist Liberia (Pfefferküste). Kultiviert
wird er in den Ländern Westafrikas - Ghana, Guinea, Liberia,
Guinea-Bissau. Die Früchte ("Körner") sind im fertigen Zustand
ellipsenförmig und nicht rund wie bei den anderen Pfefferarten, von
grau brauner Färbung, ohne runzlige Oberfläche, mit einem Stiel wie
beim Kubebenpfeffer, der aber bedeutend länger (10 mm bis 12 mm) als
das Korn selbst ist.
Der Geschmack ist mäßig brennend, der Geruch etwas eigenartig,
schwer und würzig.
In Europa ist afrikanischer Pfeffer seit dem 14. Jahrhundert
bekannt, wird aber verhältnismäßig wenig verwendet, vorwiegend in
Portugal und Großbritannien. Weit verbreitet ist er bei den west-
und mittelafrikanischen Völkern zum würzen von Fleisch-, Mehl- und
Gemüsegerichten. |
|
4.13. Paprika (Capsicum) |
 |
Es handelt sich um die Früchte einiger Arten der
Gattung Capsicum
aus der Familie der Nachtschattengewächse. Als Gewürz sind die
folgenden Arten am weitesten verbreitet. |
|
4.13.1. Schotenpaprika (Capsicum annum, Capsicum longum)
|
 |
| Synonyme: spanischer Pfeffer, Chili-Pfeffer
Die Wildform ist eine mehrjährige und die Kulturform eine einjährige
krautige Pflanze mit Schotenfrüchten.
Die Heimat ist Mittelamerika. Kultiviert wird Paprika in allen
Ländern mit relativ warmem Klima. In der UdSSR wird er im Süden der
Ukraine, in der Moldauischen SSR, im niederen Wolgagebiet, im Kuban,
im nördlichen Kaukasus, in Transkaukasien sowie in Mittelasien
angebaut.
Außer den aufgeführten handelsüblichen Bezeichnungen gibt es noch
viele ortsbedingte Benennungen und auch. Sortennamen, die jeweils
mit dem Ausfuhrland oder Ausfuhrort bzw. dem Züchtungsort in
Verbindung stehen.
Im Prozess der Züchtung wurden in Europa viele Varietäten (Sorten)
des Schotenpaprikas auf den Markt gebracht. die sich äußerlich durch
die Form der Schoten (lang. gebogen. konisch. birnenförmig). ihre .
Größe und Farbe (rot. schwarz. grün. gelb) unterscheiden.
Als Gewürz dienen nur die roten (scharfen) Sorten des
Schotenpaprikas. die unreif eine grüne Farbe haben.
In der UdSSR werden folgende Sorten von Schotenpaprika angebaut:
Astrachaner, ukrainischer-bitterer (beide Sorten sind sehr scharf).
Kutaisuri. margelanischer, namanganischer (mittelscharf) .Riese.
Elefantenrüssel (mäßig scharf) .0: Als Gewürz verwendet man die
reifen und frischen. öfter aber auch die getrockneten Früchte (ganz
und gemahlen). Sie haben eine länglich-konische Form von 4 cm bis 10
cm. sind am Ende etwas gebogen und weisen eine hellrote Färbung mit
einer glatten. glänzenden lackierten Oberfläche auf. Gewürzpaprika
hat nur einen schwachen Geruch. sein Geschmack ist jedoch scharf und
brennend. weil er eine bedeutende Menge des Alkaloids Capsaicin
enthält.
Die Schoten lassen sich sowohl mit als auch ohne Samen verwenden.
Dabei ist zu berücksichtigen. dass der gemahlene Paprika. der aus
den ganzen Früchten mit dem Samen hergestellt wird. wesentlich
schärfer ist als jener. für den nur die Fruchtwand (ohne innere
Scheidewand und Samen) Verwendung fand.
Gemahlen hat der Paprika verschiedene Schattierungen. sie reichen
von orangefarben bis ziegelrot. |
|
4.13.2.
Cayenne-Pfeffer
(Capsicum fastigiatum und Capsicum frutescens) |
|
Ein kleiner mehrjähriger Strauch mit kurzen
flaumigen Zweigen. Die Heimat ist Südindien und Indonesien.
Gezüchtet wird dieser Pfeffer u. a. in Südamerika (Guayana.
Brasilien) und in einigen anderen tropischen Ländern.
Cayenne-Pfeffer unterscheidet sich vom Schotenpaprika hauptsächlich
im Äußeren der Früchte. Sie sind klein (1;5 cm x 0,5 cm) und
hellorangenfarben. Gemahlen ist Cayenne-Pfeffer blass orangefarben,
fast gelb oder grau gelb, bedeutend heller als der rote
Schotenpaprika.
Cayenne-Pfeffer ist bedeutend schärfer als der gewöhnliche Paprika
und kann sogar starke Verbrennungen auf der Haut hervorrufen.
Deshalb wird er nur in äußerst geringen Mengen verwendet, z. B. eine
Schote je Eimer beim Einlegen von Gemüse. Aber das Hauptmerkmal des
Cayenne-Pfeffers besteht darin, dass er gemahlen ein spezifisches
würzig-bitteres Aroma hat, während das Aroma der an- deren
Capsicumarten ziemlich schwach ist.
Manchmal wird in der UdSSR Capsicum longum fälschlicherweise als
Cayenne-Pfeffer bezeichnet. Seine Früchte (10 cm x 2 cm) haben eine
runzlige, unebene, wie zerdrückt aussehende Oberfläche, wodurch sie
sich schon rein äußerlich von anderen Paprikasorten, die in der
UdSSR angebaut werden, unterscheiden. Wegen ihrer relativen Schärfe
wird diese Sorte im Handel und im Hausgebrauch "Cayenne-Pfeffer"
genannt, obwohl sie mit dem echten Cayenne-Pfeffer nichts gemein hat
und zu einer anderen botanischen Art gehört-
Dagegen nennt man eine andere Art des echten Cayenne-Pfeffers (Capsicum
frutescens) in Westeuropa, in den Ländern Amerikas, Asiens und
Afrikas oft nicht "Cayenne-Pfeffer", sondern Chilli-Pfeffer über-
haupt bezeichnet man mit "Chinies" die schärfsten Paprikasorten, um
sie von den mittleren und den milden Sorten zu unterscheiden. |
|
4.13.3. Vogelpfeffer (Capsicum
minimum) |
 |
|
Synonym: Tafelpfeffer Hierunter sind kleine hellrote
Schoten von mäßiger Schärfe mit einer Länge von 2 cm bis 2,5 cm, die
als Gewürz hauptsächlich für schon fertig zubereitete Gerichte
verwendet werden (daher die Bezeichnung "Tafelpfeffer"), zu
verstehen.
Die Spezifika des Vogelpfeffers besteht jedoch darin, dass er in der
ganzen Welt sehr viel an Geflügel verfüttert wird, da er Stoffe
enthält, die die Legeleistung steigern und dem Gefieder Glanz
verleihen.
In der Küchenpraxis ist eine falsche Anwendung des Paprikas ziemlich
weit verbreitet Viele verwenden ihn als Zutat und nicht als Gewürz,
d. h., man fügt ihn der schon fertigen Speise hinzu, die man
"würzen" will, anstatt ihn bereits während des
Zubereitungsprozesses, höchstens einige Minuten (etwa 5 min bis 10
min) vor Beendigung des Garprozesses zuzugeben.
Paprika verwendet man hauptsächlich für Fleisch-, Gemüse- und
Reisgerichte, angefangen von Salaten, Suppen und Borschtsch bis hin
zu geschmortem Fleisch, Gemüse und seinen Verbindungen mit Reis.
Besonders vorteilhaft und schmackhaft ist es, mit gemahlenem Paprika
verschiedene Gemüsepürees zu würzen (Kartoffeln, Tomaten, Rüben,
Möhren, Erbsen, Eierfrüchte, Gemüsekürbisse). Dabei kann man den
Paprika mit Knoblauch, Koriander, Basilikum, Bohnenkraut oder
Lorbeerpulver mischen. Das bringt Abwechslung in die Speisen und
verleiht manchen einförmigen Gerichten, z. B. dem Kartoffelpüree,
verschiedene geschmackliche Nuancen.
Fischsuppen und Kochfisch sind im Vergleich zu Gemüsegerichten
wesentlich sparsamer mit Paprika zu würzen. Man gibt ihn in die
entsprechende Soße, der auch noch andere Gewürze, wie Muskatnuss,
Thymian, Zwiebel, Dill, Fenchel und Petersilie, hinzugefügt werden
können. Gern genommen wird Paprika als scharfe Grundlage für Soßen,
und zwar in Mischung mit solchen Gewürzen, die ein stärker
entwickeltes Aroma, aber keine solche Schärfe aufweisen. Paprika,
besonders Schotenpaprika, verleiht den Soßen nicht nur Schärfe,
sondern auch eine schöne Farbe. Die Pigmentgrundlage des
Schotenpaprikas ist stärker entwickelt, weil zu seiner Herstellung
ausschließlich die Fruchtwand - ohne Samen und innere Scheidewand
- verwendet wird.
Paprika wird auch für alle Arten von extra scharfem Curry und für
viele andere Gewürzmischungen eingesetzt. Weniger verbreitet ist
seine Anwendung beim Zubereiten von gebratenem Geflügel, obwohl er
dem Geflügel eine pikante Nuance verleiht und den spezifischen
Geflügelgeruch wegnimmt (in diesem Fall gibt man ihn zusammen mit
Sternanis und Knoblauch zu, und zwar 15 min bevor das Gericht fertig
ist) .
Noch seltener verwendet man Paprika für Eierspeisen und besonders
für Milchprodukte (Quark, Kefir, Sauermilch, saure Sahne). In den
fernöstlichen Gebieten ist diese Zusammenstellung allerdings keine
Seltenheit. Beispielsweise sind Tschiwsdsosa und Kurt nicht nur
außerordentlich angenehm im Geschmack, sondern auch sehr nützlich
durch ihre diätetischen und Nähreigenschaften, da Paprika von allen
Gemüsekulturen den höchsten Prozentsatz an Vitamin C und Vitamin A
aufweist.
► Um die ossetische Tschiwsdsosa
herzustellen, muss man 1 Teelöffel Adshikai oder 1/2 Teelöffel
gemahlenen Paprika in einem halben Glas saurer Sahne auflösen und 20
min bis 30 min stehen lassen, alles gut verrühren, die Mischung
zusammen mit 3 bis 4 geschnittenen Knoblauchzehen in 1 1 Kefir oder
Sauermilch gießen, erneut rühren, 2 h bis 3 h bei Zimmertemperatur
stehen lassen und anschließend 24 h kühl stellen Am anderen Tag ist
der "Sauermilchpaprika" fertig. Man kann ihn zum Brot essen, aber
auch als Tunke zu Gemüse und Fleischgerichten oder als
Salatdressing, zu gekochten Kartoffeln usw. reichen.
► Ebenso einfach ist es, den usbekischen
Kurt - getrockneter Quark mit Paprika - herzustellen.
Man gibt 1 Esslöffel Salz auf 1 L saure Milch und lässt sie in einem
Sack 24 h bis 30 h abtropfen. Danach fügt man den Quark (auf 1 kg) 1
Esslöffel Salz und 1 Teelöffel gemahlenen Paprika hinzu. Alles wird
sorgfältig zu einer Paste verrührt, aus der man walnußgroße Kugeln
formt und die man auf ein Brett in die Sonne legt, mit Gaze abdeckt
und 2 bis 3 Tage trocknen lässt. Danach kann man den Kurt in einem
Leinensack bis zu 2 Wochen aufbewahren.
Man kann Kurt als Vorspeise oder als Dessert reichen und auch für
die Herstellung von Kurtawa verwenden. |
|
4.14. Falscher Pfeffer (Xylopia) |
 |
| Eine Pflanze aus der Familie der Rahmapfelgewächse.
Die Früchte von zwei Arten dienen als Pfefferersatz. |
|
4.14.1. Meleguetapfeffer (Xylopia aethiopica) |
 |
|
Ein Strauch, der in Westafrika wächst. Als Gewürz
verwendet man die runden, dunklen, glänzenden Samen, die in Aroma
und Schärfe dem schwarzen Pfeffer nahe kommen. Heute ist der
Meleguetapfeffer in den Ländern Westafrikas (Mali, Senegal, Sierra
Leone, Mauretanien), Nordafrika (Marokko, Algerien, Tunesien) und
teilweise in Spanien verbreitet. In andere Länder Europas wird er
nicht exportiert.
Man verwendet Meleguetapfeffer in der westafrikanischen und der
arabischen Küche für Fleisch-, Gemüse- und Mehlgerichte. |
|
4.14.2. Guineapfeffer (Xylopia aromatica) |
 |
|
Dieser Baum wächst in West- und Mittelafrika. Er
wurde in die Antillen und nach Südamerika ausgeführt und dort
kultiviert. Als Gewürz verwendet man die Samen, denen ein ziemlich
starkes eigenartiges Aroma mit einer "pfeffrigen" Schärfe mittlerer
Stärke eigen ist.
Man nimmt diesen Pfeffer in der afrikanischen Küche vielfach beim
Zubereiten von Fleisch-, Gemüse-, Mehl- und Eierspeisen. |
|
4.14.3. Duftpfeffer |
 |
|
Unter dieser
Bezeichnung gibt es im Handel einige Gewürze, die mit echtem Pfeffer
nichts gemein haben, d.h., die in keiner verwandtschaftlicher
Beziehung zu den Pflanzen aus der Familie der Pfeffergewächse
stehen. Die dominierende Eigenschaft aller "Duftpfefferarten" ist
ihr starkes und außerordentlich beständiges Aroma mit den
verschiedenen Nuancen. Im folgenden werden die 3 gebräuchlichsten
Sorten beschrieben. |
|
4.14.3.1. Nelkenpfeffer oder
Piment (Piments
officinalis) |
 |
|
Auch Jamaika-Pfeffer genannt. Ein Baum aus der
Familie der Myrtengewächse.
Die Heimat sind die Inseln des Karibischen Beckens, hauptsächlich
Jamaika, das fast 85% der Weltproduktion an Nelkenpfeffer liefert,
aber auch Haiti, San Domingo und Kuba.
Als Gewürz werden die kurz vor der völligen Reife geernteten und im
Schatten getrockneten Früchte verwendet. Im Endstadium sind es
"Körner" 2- bis 3mal größer als die vom schwarzen Pfeffer, mit einer
ungleichmäßig grau braunen Färbung. Als Pulver ist der Nelkenpfeffer
gleichmäßig dunkel beigefarben mit einer rötlichen Schattierung. Er
riecht stark nach Nelken, schwarzem Pfeffer, Muskatnuss und Zimt.
Ebendeshalb erhielt er in Frankreich die Bezeichnung "Viererleigewürz"
(quatreepice), die danach von der internationalen Küche übernommen
wurde.
Nelkenpfeffer ist für alle Arten von Marinaden (Fleisch-, Fisch-,
Gemüse-, Frucht-, Beeren- und Pilzmarinaden) und vielerlei
Fischgerichte (Suppen, Aspik, Fischfarce, Tunken und Soßen zu
Kochfisch) geeignet. In Westeuropa wird er zum Aromatisieren von
Fleischsuppen, Sülze, Hausmacherwurst, Schinken, gebackenem
Kalbfleisch, Fleischrouladen und Aufläufen und Fleischsoßen
verwendet. Seltener nimmt man Nelkenpfeffer für Süßspeisen und
Konditoreiwaren, hier ist er gewöhnlich eine Komponente in
Verbindung mit anderen Gewürzen.
Nelkenpfeffer ist in Wasser schwer löslich und muss daher - im
Unterschied zu Nelken - länger gekocht werden. Man kann ihn Suppen,
etwa 1/2 Stunde vor der Fertigstellung, zusetzen. Diese Eigenschaft
des Nelkenpfeffers ist der Grund für die bedeutenden Unterschiede in
der Dosierung. Sie hängt jeweils davon ab, ob er in kaltes oder
kochendes Wasser bzw. in Essiglösung gegeben wird. Beim Einsalzen
von Pilzen beispielsweise, wenn die Pilze einfach nur mit Gewürzen
bestreut werden und der Nelkenpfeffer nur in ein feuchtes Milieu
kommt, sind 10 Körner auf 1 kg gekochte Pilze erforderlich und bei
Sülze ebenso viel wie auf 1 kg Fleisch. Bei Suppen genügen schon 5
Körner auf 1 kg Fleisch oder Fisch und für Marinaden insgesamt 2
Körner auf 1 kg Pilze. (Die Einsatzmenge des Nelkenpfeffers
entspricht im allgemeinen der von Nelken, obwohl sie ein wenig höher
sein kann.) Allen aufgeführten Gerichten wird der Duftpfeffer im
ganzen (als Körner), Teig und Pudding gemahlen zugesetzt. In diesem
Falle wird die Einsatzmenge noch verringert, und zwar 1 bis 2 Körner
auf 1 kg Teig. |
|
4.14.3.2. Japanischer Pfeffer (Zanthoxylum piperitum)
|
 |
|
Ein Strauch aus der Familie der Rautengewächse Er
wird im Norden der VR China, in der Koreanischen VDR, in Japan, in
der Mongolischen VR angebaut. Die reifen Früchte des wildwachsenden
Strauchs (Bild 12) werden gesammelt und getrocknet. Meist ist die
Fruchtkapsel wie eine Muschel halb geöffnet und bildet eine Hülle,
aus der der dunkle, fast schwarze, eiförmige Samen mit einem
Durchmesser von 2 cm bis 2,5 cm herausfällt. Die außen hell braune
und innen gelbliche Hülle hat eine bläschenartige Oberfläche.
Japanischer Pfeffer ist von außerordentlich feinem und zugleich
kräftigem charakteristischem Geruch, in dem das Aroma von
Zitrusfrüchten mit anklingt, wodurch er sich vom Nelkenpfeffer
unterscheidet. Der japanische "Duftpfeffer" verleiht dem Gericht
eine völlig andere aromatische Nuance.
Am meisten verbreitet ist japanischer Pfeffer im Fernen Osten
(Koreanische VDR, Japan, VR China) und an der Pazifikküste der USA.
In Europa und Amerika dient er vor allem dazu, den Geschmack von
Gerichten aus Weichtieren und Krebstieren (Trepang, Kammuscheln,
Kalamare, Seewalzen, Krabben, Garnelen, Langusten) sowie Soßen zu
Fischsalaten zu verbessern und grünen Tee zu würzen.
In den Ländern des Fernen Ostens wird er vielfach - gemeinsam mit
Zimt und Ingwer - für Soßen zu Fisch- und Fleischgerichten, für
Konditoreiwaren und Süßspeisen (Kompott, Kissel, Konfitüre, Pudding)
verwendet. Die Zugabe japanischen Pfeffers erfolgt 5 min bis 7 min
bevor das Gericht fertig ist. üblich sind 2 bis 3, manchmal auch bis
zu 8 Körnern je Portion. Hauptsächlich wird die Hülse (nicht die
Samen) hinzu gegeben, da hier das Aroma konzentriert ist. |
|
4.14.3.3 Paradieskörner (Amomum
meleguetta) |
 |
|
Eine krautige Pflanze aus der Familie der
Ingwergewächse , Die Heimat ist das tropische Westafrika, die Küste
von Sierra Leone und Liberia (Pfefferküste). Als Gewürz verwendet
man die reifen und trockenen Samen (runde, mit kaum merklichen
stumpfen Rippen versehene, braun glänzende "Körner" von 3 mm
Durchmesser, deren Oberfläche viele kleine Narben aufweist). Sie
haben einen äußerst brennenden Geschmack, gepaart mit einem scharfen
Aroma, das nur den Paradieskörnern eigen ist.
Paradieskörner werden schon seit Menschengedenken in Afrika und im
Nahen Osten verwendet. Seit dem 13. Jahrhundert nahm man sie als
selbständiges Gewürz, das den schwarzen Pfeffer ersetzen sollte,
zunächst in England und später auch in Kanada, den USA und in
Australien. Ende des 19. Jahrhunderts ging ihr Verbrauch stark
zurück. Heute werden "Paradieskörner" in der englischen Likör- und
Branntweinindustrie zum Aromatisieren starker alkoholischer
Getränke, wie Whisky und Brandy, verwendet. Ferner sind sie
unentbehrlicher Bestandteil des englischen Biers (Ale).
In den Ländern Afrikas kommen "Paradieskörner" beim Zubereiten von
warmen Fleisch- und Gemüsegerichten und in Amerika beim
Aromatisieren von Likören, Aufgüssen und Essig zum Einsatz. |
|
4.15. Rosmarin (Rosmarinus officinales)
|
 |
|
Ein immergrüner Kleinstrauch aus der Familie der
Lippenblütler mit einer Höhe bis zu 2 m.
Als Heimat gelten die westlichen Mittelmeerländer. Kultiviert wird
Rosmarin in allen Mittelmeerländern, in Kleinasien, an der Südküste
der Krim, an der Schwarzmeerküste des Kaukasus, in Transkaukasien in
allen feuchten Subtropen und in den USA (Florida) .Der beste
Rosmarin wächst in den höchsten felsigen Gebieten.
Die Blätter müssen noch vor dem Aufblühen, also vor dem Erscheinen
der Knospen gepflückt werden. Auch darf man nur die jüngsten zarten
Blätter nehmen, die am oberen Drittel der Zweige sitzen.
Rosmarinblätter sind nur im Schatten zu trocknen; sie behalten dann
ihren angenehmen aromatischen, leicht kampferartigen Geruch und
ihren bitteren würzigen Geschmack. Gut getrocknete Blätter müssen
sehr spröde, die Oberfläche gewölbt und die Unterseite eingerollt
sein.
Als Gewürz verwendet man die frischen oder trockenen schmalen
lederartigen 3,5 cm x 0,4 cm großen Blätter, deren Ränder eingerollt
sind. In frischem Zustand sind die Blätter an der Oberfläche
graugrün, an der Unterfläche silbrig-weißlich, getrocknet sind sie
grau-grünlich, wobei die Oberfläche etwas dunkler ist.
Rosmarin ist als Gewürz schon seit alters her bekannt. Er wird recht
häufig in Portugal, Spanien, Italien, Frankreich, Griechenland,
Großbritannien, den USA, in Skandinavien, der DDR und der BRD
verwendet. Bedauerlicherweise ist sein Einsatz in der UdSSR nur
unbedeutend, obwohl er in fast allen Schwarzmeergebieten der UdSSR
gedeiht.
Rosmarin nimmt man hauptsächlich für Fleischgerichte (Schweine-,
Hammel- und Kaninchenbraten), wo er eine Doppelfunktion erfüllt:
erstens nimmt er den spezifischen Geruch dieser Fleischarten, und
zweitens verleiht Rosmarin diesem Fleisch das Aroma von Wild. Zu
diesem Zweck verwendet man ihn auch beim Zubereiten von
Geflügelgerichten, z. B. geschmorten und gebratenen Hühnern, Enten
und Puten. Eine geringe Menge Rosmarinpulver aus den trockenen
Blättern oder fein gehackte frische Blätter mischt man mit klein
geschnittener Petersilie, verrührt beides mit Butter zu einer Paste,
die man in kleinen Portionen unter die Haut an Brust und Keulen des
Geflügels legt, das gebraten oder geschmort werden soll.
Außerdem kann Rosmarin in angemessenen Mengen Suppen einer
besonderen Akzent verleihen, z. B. Fleischsuppen, Hühnersuppen,
Spinatsuppen und Erbssuppen. In der französischen Küche gehört
Rosmarin zum "Bouquet garni", das man niemals in der Suppe lässt,
sondern nach 5 min bis 6 min wieder heraus nimmt. Im übrigen ist mit
Rosmarin genau so wie mit dem Lorbeerblatt zu verfahren. Auch hier
ist zu beachten, dass er bei zu langem Verbleib in der Speise einen
unangenehmen bitteren Beigeschmack hinterlassen kann. Wird Rosmarin
verwendet, so nimmt man kein Lorbeerblatt und umgekehrt.
Außerdem ist Rosmarin zum Braten von Fisch auf dem Rost bzw. über
offenem Feuer und als Zugabe zu Soßen und Tunken aus Schweinespeck
oder -fleisch, aber auch für solche Gemüsegerichte wie Erbspüree,
gekochten und frischen Blumenkohl geeignet. Mit Rosmarin würzt man
Makkaroni und gibt ihn in die italienischen Plätzchen - Pizzi. Auch
zu Obstsalaten, die als Nachtisch gereicht werden, wird Rosmarin
verwendet.
In Marinaden kann man Rosmarin genauso wie Estragon verwenden. Die
Geschmacksnuance, die er der Marinade verleiht, ist natürlich eine
andere.
Anmerkung
Man darf Rosmarin nicht mit dem sog. wilden Rosmarin oder Sumpfporst,
Kienporst, Läusekraut (Ledum palustre) verwechseln, der weder etwas
mit Rosmarin noch mit Gewürzen gemein hat und vor allem an der
rötlich braunen Färbung seiner Blattunterseite zu erkennen ist. |
|
4.16. Zedra {Zitrusschale) |
 |
| Als Zedra
bezeichnet man die äußere pigmentierte, ätherische Schicht der
Schalen von Früchten verschiedener Zitruspflanzen: Pomeranze (Citrus
aurantium), Zitrone (Citrus limonum), Orange (Citrus
sinen- sis), Mandarine (Citrus nobilis) |
|
4.16.1. Pomeranzenschale |
|
|
Die Heimat der Pomeranzen ist Nordwestindien,
Sikkim, Indochina. Man züchtet sie in allen Ländern Südwestasiens,
in den Mittelmeerländern, in den Ländern Mittel- und Südamerikas,
besonders auf den Inseln des Karibischen Meeres. In der UdSSR werden
die Pomeranzen in Adsharien kultiviert, wohin sie schon im 15.
Jahrhundert gelangten.
Als Gewürz dient die äußere Schale der Frucht, die von den reifen
gevierteilten Pomeranzen abgelöst wird. Je dünner die Schale
geschnitten ist, desto besser ist die Qualität der getrockneten
Pomeranzenschale, die eine halb zusammengerollte ovale Form mit zwei
leicht zugespitzten Enden hat. Sie ist außen rauh und orangefarben
(stellenweise heller, sogar dunkelbraun, wenn die Qualität nicht
sehr gut ist). Das Innere der Schale ist weiß {weißlich-grau bei den
nie- deren Sorten). Gemahlene Pomeranzenschale, die meist aus den
nie- deren Sorten hergestellt wird, hat ein gelbliches Aussehen
(kremweiß. wenn die Qualität nicht sehr gut ist). Bringt man die
Pomeranzenschale mit einem feuchten weißen Nahrungsmittel (Reis,
Quark) in Berührung, so verfärbt sich dieses Erzeugnis sofort
hellgelb.
Pomeranzenschale wird für Konditoreiwaren {Osterkuchen, Napfkuchen,
Rührkuchen) und für verschiedene Süßspeisen (Kissel,
Fruchtschaumspeise und besonders Quarkspeise) verwendet. Man gibt
sie ferner als Aroma in Fleischtunken und verschiedene Füllungen aus
Fisch oder Geflügel bzw. würzt damit Füllungen, die für Geflügel-
oder Fischgerichte bestimmt sind.
Anstelle der Schale kann man auch Blätter und Blüten von Pomeranzen
als Gewürz nehmen, wobei beide ein unterschiedliches Aroma. Aus den
Blättern und Blüten gewinnt man gewöhnlich Essenzen oder ätherische
Öle (dem "petit grain" und dem "Neroli" entsprechend), die bei der
Herstellung von Likören und zum Teil auch von Pralinen Verwendung
finden. |
| 4.16.2.
Zitronenschale |
 |
|
Wildformen der Zitronenbäume sind nicht bekannt. Die
Zitrone zählt zu den ältesten Kulturpflanzen, die in den Ländern des
Mittelmeeres und darüber hinaus in allen subtropischen Ländern, auch
in der UdSSR (Transkaukasien, Mittelasien), angebaut werden.
In der Antike fand die Zitronenschale, in der sich ja das Aroma
befindet, keine Verwendung. Die alten Griechen und Römer fanden den
Geruch der Zitronenschale "unerträglich" und "unangenehm"; sie
nahmen nur den Zitronensaft. Erst seit dem Mittelalter ist die
Zitronenschale als Gewürz bekannt.
Bei der Zitronenschale muss man sich noch mehr als bei der
Pomeranzenschale bemühen, eine möglichst dünne Schicht abzuschneiden
und die weiße Unterschicht nicht mit zu erfassen. Die Zitrone wird
zuerst mit kaltem Wasser gewaschen, gebrüht und anschließend die
Schale mit einem sehr scharfen Messer abgeschnitten. In der Regel
löst man die Zitronenschale (im Unterschied zur Pomeranzenschale) in
einem spiralförmigen Band. Ist das Band zu dick, wird die Farbe der
getrockneten Schale ungleichmäßig gelblich braun, wenn die Schale
jedoch dünn und von der reifen Zitrone geschnitten ist, bleibt die
zitronengelbe Farbe erhalten; es geht also keine wesentliche
Farbveränderung beim Trocknen vor sich.
Zitronenschale wird vielseitiger als Pomeranzenschale verwendet. Man
kann sie zu Gemüsesalat, Fleisch-Gemüse-Salat und Fischsalat, aber
auch zu allen dazu passenden kalten Soßen geben.
Rote-Rüben-Suppen und Spinatsuppen, Schtschi und Borschtsch, heiß
bzw. kalt serviert, kann man mit Zitronenschale würzen. Die Zugabe
erfolgt eine halbe Minute bevor das Gericht fertig ist oder sofort
nach dessen Fertigstellung, d. h. in die heiße Suppe, die man dann
noch 3 min bis 4 min "ziehen" lässt.
Einen besonderen Geschmack verleiht Zitronenschale Fleisch- und
Fischsoßen, Tunken sowie Gerichten mit Fleisch- oder Fischfüllungen
(Aspik, Sülze, Rouladen, Aufläufe, gefüllter Fisch u. ä.). Bei
Fleisch, besonders bei Kalbfleisch, gibt man die Zitronenschale 1
min bis 2 min bevor das Gericht fertig ist oder sofort nach
Fertigstellung hinzu. In diesem Falle bestreut man das Kalbfleisch
mit der gemahlenen Zitronenschale wie mit Salz.
Zitronenschale wird auch für die verschiedenartigsten Erzeugnisse
(Rührkuchen, Napfkuchen, Osterkuchen, Charlotten, Kissel, Kompott,
Konfitüre, Fruchtschaumspeisen, Gelee, Quarkmasse, Eis, Schlagsahne)
gebraucht.
Zu beachten ist, dass Zitronenschale - im Gegensatz zum
Fruchtfleisch - keine Zitronensäure enthält; sie verleiht dem
Gericht das Aroma der Zitrone und nicht das ihrer Säure.
Getrocknet werden alle Arten von Zitrusschalen (vorher gut
abwaschen), indem man sie .in einer dünnen Schicht auf einen Teller
legt. 2 bis 3 Tage bei Zimmertemperatur stehen lässt und täglich
wendet. Die Schale ist dann trocken, wenn sie spröde ist.
Zitrusschalen gehören zu den "schwachen", "milden" Gewürzen, deshalb
kann man sie im Vergleich zu anderen Gewürzen in größeren Mengen
verwenden, d. h. sogar grammweise und nicht etwa nur Bruchteile
eines Gramms.
Das rechte Maß muss der Geschmack sein, zu einem bitteren
Beigeschmack darf es keinesfalls kommen.
Zitrusschale wird Gerichten in Pulverform (gemahlen) zugegeben. |
|
4.17. Safran (Crocus sativus) |
 |
|
Eine mehrjährige krautige Pflanze aus der Familie
der Schwertliliengewächse (Iridazeen).
Die Heimat ist Kleinasien. Wild kommt Safran heute nicht mehr vor.
.Kultiviert wird er in Spanien, im Süden Frankreichs, in Italien, in
der Türkei, im Iran, in Indien, Pakistan, in der VR China und in
Japan. Auch in der Sowjetunion gibt es Safran-Plantagen (Aserbaidshan,
Dagestan, Südküste der Krim).
Als Gewürz verwendet man die Narbenschenkel der Safranblüten (jede
Blüte hat 3 Narbenschenkel). Mit der Hand sammelt man die schon
geöffneten Blüten, und zwar bei trockenem Wetter von 10 Uhr bis 11
Uhr morgens. Unbedingt am gleichen Tag zupft man aus diesen Blüten
die Narbenschenkel heraus und trocknet sie entweder in einer
Trockenvorrichtung nicht länger als 15 min oder bei Zimmertemperatur
ungefähr 30 min. 100 g Safran erfordern die Narben von 5.000 bis
8.000 Blüten.
Fertiger Safran sind gut getrocknete, spröde, wirr miteinander
verschlungene dunkel rotbraune und hellgelbe Fäden. Je dunkler der
Safran ist, desto weniger hellgelbe Fäden (Staubgefäße) sind ihm
beigemischt und desto besser ist seine Qualität. Die Safranmasse
muss sich etwas fettig anfühlen. Geruch: kräftig, aromatisch, leicht
betäubend; Geschmack: leicht bitter und würzig.
Bei vielen Völkern galt der Safran schon immer als "König der
Pflanzen". Er war ungewöhnlich teuer (etwa 15mal teurer als
schwarzer Pfeffer).
Früher wurde Safran hauptsächlich als Duftstoff, Farbe, Arznei und
als Zugabe zur Verfeinerung von Speisen verwendet.
Heute dient Safran vor allem als Gewürz und zum Teil als Farbstoff
zum Färben von Butter, Käse, Likör und einigen alkoholfreien
Getränken. In Europa und den USA wird Safran in der
Backwarenindustrie für Gebäck, Kuchen, Osterkuchen und Brötchen
verwendet. Er wird aber auch Likören, Fruchtschaumspeisen,
Tortengüssen und Krems zugesetzt, um ihnen einen besonderen Akzent
zu verleihen.
Im Orient nimmt man Safran für Fleisch- und Hühnergerichte sowie für
Reis- und Gemüsegerichte. Aserbaidshanische und tadshikische Pilaws,
Gerichte aus Fleisch oder Eierfrüchten und Bohnen erfordern die
Zugabe von Safran.
In der europäischen Küche benutzt man heute Safran für Edelfische.
die man kocht oder brät, sowie für süßen Reispudding.
Da sich Safran mit anderen Gewürzen schlecht kombinieren lässt, ist
er für Gewürzmischungen nicht geeignet, sondern wird fast immer für
sich verwendet. Eine Zugabe von Safran in dieses oder jenes Gericht
sollte immer andere Gewürze ausschließen, wenn nicht ausdrücklich im
Rezept darauf hingewiesen wurde. Safran wird in nur äußerst geringen
Mengen verwendet, da es ein sehr "starkes" Gewürz ist. Ein Zuviel
kann dazu führen, dass das Gericht unangenehm bitter schmeckt.
Der Jahresverbrauch an Safran soll für einen Menschen 1 g nicht
übersteigen. Daraus ist ersichtlich, wie gering die Zugaben von
Safran bei Gerichten sein müssen. Deshalb wird Safran nicht trocken.
sondern als Lösung genommen. Er wird zunächst in Alkohol gelöst,
d.h. ein Safran-Alkohol-Aufguss hergestellt, den man dann nach
Bedarf mit Wasser verdünnt und den Speisen 4 min bis 5 min bevor sie
fertig sind bzw. bei Backwaren beim Mischen des Teiges (Verhältnis
0,1 g auf 1,5 kg Backware) zusetzt. |
|
 |
| |
Counter-Box.de
|
► |
HOME |
| |
|
| |
Die Kochbücher |
| ► |
|
| ► |
|
| ► |
|
| ► |
|
| ► |
|
| ► |
|
| |
Webs |
| ► |
|
| ► |
|
| ► |
|
| ► |
|
| ► |
|
| |
|
| ► |
Themenseiten |
| ► |
|
| ► |
|
| |
|
| ► |
|
| ► |
|
| ► |
|
|
Alle Fotos auf diesen Seiten sind vom
Autor dieses Webs, wenn nicht anders angegeben
Aktualisiert am:
14.01.2010 15:04 Uhr
©
Lay 2002 - 2010 |
|
|