| 7.
Beschreibung der Würzkräuter |
Würzkräuter sind im Unterschied zum Würzgemüse in ihrer Mehrzahl
wild wachsende Pflanzen, obwohl einige von ihnen, z. B. Anis,
Koriander, Kümmel, Minze, Dill und Lavendel, schon seit ältesten
Zeiten von den Menschen kultiviert werden.
Das Aroma der Würzkräuter verstärkt sich meist nach dem Trocknen. Es
gibt aber auch Würzkräuter, z. B. Kresse, die nur in frischem
Zustand Würzeigenschaften aufweisen, so dass sie weder getrocknet
noch transportiert werden können. Bei fast allen Würzkräutern
verwendet man ausschließlich die Pflanzenteile, die über der Erde
wachsen, bei einigen sogar nur die äußersten Spitzen, d. h. die
Blüten und den Samen. Bei ganz wenigen Arten (Kalmus,
Benediktenkraut, sibirische Nelke und zum Teil Engelwurz) kommen die
Wurzeln und die Wurzelstöcke für Speisezwecke in Betracht. Zu den
Würzkräutern zählen auch bedingt Halbsträucher und Sträucher, z. B.
Wacholder, Raute u. a.
Hier sind nicht alle, sondern nur die gebräuchlichsten und die
häufigsten Arten der Würzkräuter aufgeführt, die bereits seit
Jahrhunderten in Europa und in Asien verwendet werden. Die meisten
von ihnen waren auch der russischen Küche des 1ß. bis 18.
Jahrhunderts bekannt und werden bis heute in der französischen,
deutschen und schwedischen Küche sowie im Kaukasus und in
Mittelasien vielfach eingesetzt. Der Unterschied besteht nur in der
Kombination und in der Form der Anwendung. Die europäische Küche
verwendet hauptsächlich getrocknete Kräuter und zwar in sehr kleinen
Mengen, in den traditionellen Kombinationen (je vier bis sechs
Kräuter mit ein bis zwei klassischen Gewürzen). Die asiatische Küche
bevorzugt größere Mengen an frischen Würzkräutern, wobei nicht immer
die einheimischen Gewürze mit den klassischen kombiniert werden und
die Art der Kombination sich manchmal sehr voneinander unterscheidet
(schärfere Mischungen in Grusinien und Armenien, mittelscharfe
Mischungen in Mittelasien, milde Mischungen in Aserbaidshan). |
| 7.1. Ajowan (Carum ajowan, Trachyspermum copticum) |
 |
Eine einjährige krautige Pflanze aus der Familie der
Doldengewächse. Die Heimat ist Indien. Verbreitet ist Ajowan in
Mittelasien, wo er teilweise kultiviert wird.
Die Samen des Ajowans haben ein schärferes, kräftigeres und
angenehmeres Aroma als die Samen des Kümmels; sie sind schärfer und
brennender im Geschmack. Äußerlich unterscheiden sie sich vom Kümmel
dadurch, dass sie kleiner sind und eine dunkle Farbe aufweisen.
Ajowan verwendet man in Mittelasien speziell für Pilaw, wo er sich
nicht durch Kümmel ersetzen lässt. Man nimmt ihn aber auch für
Fleisch- und Gemüsesuppen sowie Fleisch- und Gemüsegerichte,
besonders für die Gerichte, die über Holzkohlenfeuer zubereitet
werden. Auf dem Weltmarkt ist der Ajowan aus Äthiopien am meisten
verbreitet. |
| 7.2.
Kalmus (Acorus calamus) |
Eine mehrjährige krautige Pflanze aus der Familie der
Arongewächse. Die Heimat ist Asien. Im 13. Jahrhundert von den
Tataren nach Polen eingeführt, wurde er dort kultiviert. Als
Wildpflanze breitete er sich dann über ganz Europa aus. In der UdSSR
wächst er auf dem Territorium von Tschudskoje See bis nach
Astrachan, in Ostsibirien und im Kaukasus, wo er in den Sümpfen und
an den Ufern stehen- der Gewässer, oft in dichten Gewächsen
anzutreffen ist.
Man verwendet seinen kriechenden (nicht selten 3 cm im Durchmesser)
dicken Wurzelstock, der sorgfältig gesäubert, gewaschen, in Streifen
von 5 cm Länge geschnitten und in einem warmen luftigen Raum
getrocknet wird. Anschließend folgt ein Nachtrocknen bei leicht
warmem Ofen. Bei richtigem Trocknen behält der Kalmus sein ganzes
Aroma, das an das von Rosen erinnert. Die Wurzeln haben einen leicht
brennenden, etwas bitter herben und seifigen Geschmack.
Kalmus dient der Zubereitung von Süßspeisen, Kompott, Kissel,
Fruchtschaumspeise, Fruchtsuppen, aber auch als zusätzliches Aroma
für Estragonessig. Ein Stäbchen des trockenen Wurzelstocks gibt man
in das süße flüssige, noch heiße Gericht gewöhnlich 3 min vor
Beendigung des Kochprozesses und entfernt es vor dem Servieren. Man
kann Kalmus auch 1 min vor Beendigung des Kochprozesses hinzugeben,
aber dann muss das Gericht mit dem Kalmus noch 5 min ziehen. Vor dem
Servieren ist er aber unbedingt zu entfernen. |
| 7.3. Anis (Pimpinella anisum, Anisum vulgare) |
 |
Eine einjährige krautige Pflanze aus der Familie der
Doldengewächse. Die Heimat ist Ägypten und Syrien. Kultiviert wird
Anis in den zentralen Schwarzerdegebieten der RSFSR, in der
Moldauischen SSR, in der Ukraine und im Nordkaukasus.
Als Gewürz nimmt man fast ausschließlich die Samen von Anis, die im
August/September, noch leicht unreif, gesammelt und in Garben
getrocknet werden. Außer den Samen kann man auch die unreifen
Anisdolden, und zwar sofort nach dem Aufblühen, zum Einlegen und für
Fruchtmarinaden verwenden. Die jungen Anisblätter eignen sich als
Zusatz für Apfelsalat, Anissamen nimmt man aber vorwiegend für
Backwaren und Konditoreierzeugnisse (Anissamenpulver wird dem Teig
zugesetzt), für süßsaure Soßen, Süßspeisen (Kompott, Kissel,
Fruchtschaumspeise und Konfitüre). Als Beigabe ist Anis aber auch
für Gemüse-Milchsuppen, Milchsuppen und Grütze geeignet.
Anis oder Anisöl verwendet man für Spirituosen, Bier, Dünnbier und
Kwas nach Hausmacherart.
Damit endet die traditionelle Verwendung von Anis. Anis ist aber
darüber hinaus ein hervorragendes Hilfsmittel, um verschiedene
Lebensmittel, die einen unangenehmen oder eigentümlichen,
unerwünschten Geruch haben, zu verbessern. Dazu muss man Anis
entweder vor Bereitung der Speise zusetzen oder mit Beginn der
Zubereitung den Gerichten beimischen.
Nachdem der Anis den unerwünschten Geruch neutralisiert hat. ist er
zu entfernen. und dem Gericht sind die gewünschten oder
traditionellen Gewürze hinzuzufügen.
So lässt sich z. B. Fisch, Fleisch, Öl (Baumwoll-, Sonnenblumen-.
Hanföl) in Geruch und Geschmack verbessern. Man kann aber auch
echtes Provenceöl imitieren |
|
Provenceöl |
Man gießt Sonnenblumenöl in einen trockenen.
vorher angewärmten Topf zu einer Schicht von höchstens 1.5 cm
bis.2 cm und erhitzt es auf kleinem Feuer. ohne es jedoch zum
Sieden zu bringen. Während des Erhitzens, wenn das Öl schon heiß
ist, streut man 1 Teelöffel Anis hinein. Nachdem das Öl weiß
geworden ist, gießt man es ab und lässt es kalt werden. Das
fertige Öl hat nicht mehr den Sonnenblumengeruch, sondern das
Aroma von echtem französischem Provenceöl. Man kann es für
Salate und Fischsoßen verwenden.
|
| 7.4. Basilikum (Ocimum basilicum) |
 |
| Synonyme: Basilie, Basilienkraut, Basilikenkraut,
Hirnkraut
Eine einjährige krautige Pflanze aus der Familie der Lippenblütler.
Heimat: Indien und Iran. Kultiviert wird Basilikum in allen Ländern
Südeuropas, in der UdSSR (Nordkaukasus, Krim, Moldauische SSR,
Transkaukasien, Mittelasien). In den mittleren Gebieten wächst
Basilikum gut auf offenem Boden, im Winter kann es im Zimmer in
Blumentöpfen gezogen werden. Blätter und Triebe des Basilikums, die
zu Beginn der Blütezeit geerntet werden. verwendet man frisch oder
getrocknet. Bei richtigem Trocknen (im Schatten) verstärkt sich noch
das Aroma.
Basilikum ist in einem dunklem fest verschlossenen Glasgefäß
aufzubewahren. da es gegenüber Feuchtigkeit und Licht empfindlich
ist und bei deren Einwirkung sein Aroma vollständig verliert.
Basilikum verwendet man viel in West- und in Südeuropa, besonders in
der französischen und der griechischen Küche, aber auch in
Transkaukasien. Das frische Grün eignet sich für Salate, Suppen und
kalte Gerichte. In allen anderen Fällen nimmt man lieber
Basilikumpulver und zum Einlegen die ganzen trockenen Stängel
In Frankreich ist Basilikum Bestandteil vieler Soßen und Suppen,
besonders der Gemüsesuppen. Für solche Delikatessen wie
Schildkrötensuppe und Ochsenschwanzsuppe ist es unentbehrlich. In
England gibt man Basilikum zu Gerichten, die Käse und Tomaten
enthalten, zu Schmorfleisch und Leberpastete.
Basilikum ist auch für grünen Salat, Eiersalat, Krabbensalat und
Salat aus Hühnerfleisch, jedoch nicht für Kartoffel- und Bohnensalat
geeignet.
Zu Ei- und Teigwarengerichten, Käse, Kochfisch, Fisch in Aspik und
geschmortem Fleisch wird Basilikum hauptsächlich in Pulverform
verwendet, und zwar während des Zubereitungsprozesses, aber nicht
früher als 10 min vor Beendigung des Garens.
In Hühner- und Käsesuppen gibt man Basilikum zusammen mit
Bohnenkraut, es verleiht dem Gericht einen neuen Akzent und
verstärkt die Schärfe. Werden größere Portionen Basilikum zusammen
mit Koriander verwendet, z. B. in der usbekischen Küche zum Schmoren
von Fleisch, so nimmt man 1 Teil Basilikum und 4 Teile Koriander. |
| 7.5.
Senf |
| Zum Senf gehören einige Arten einjähriger krautiger Pflanzen aus
der Familie der Kreuzblütler, von denen als Gewürz nur die Samen
Verwendung finden. Die Senfsamen werden zu Pulver verrieben und
meist mit anderen Gewürzen vermischt, um deren Aroma zu verstärken
und abwechslungsreich zu gestalten. Es gibt folgende Senfarten. |
| 7.5.1.
Schwarzer Senf (Brassica nigra) |
 |
Synonyme: Roter Senf, Brauner Senf, Französischer Senf,
Holländischer Senf
Er wird in Europa hauptsächlich in Frankreich und in Italien kalt
viert. In der UdSSR ist er relativ wenig verbreitet, obwohl man ihn
erfolgreich im Krasnodarsker Gebiet und in Transkaukasien züchten
kann.
Aus den Samen des schwarzen Senfs - sie hinterlassen beim Reiben
einen gemäßigt beißenden Geruch - stellt man Speisesenfsorten her
die in der internationalen Küchenpraxis sehr geschätzt sind:
Dijonsoße und Senfsoße "ravigote". |
| 7.5.2.
Sarepta-Senf (Brassica juncea) |
Synonym: Russischer Rübensenf
Er ist in der UdSSR (Wolgagebiet, Kasachstan, Ukraine, Nordkaukasus)
als Kulturpflanze weit verbreitet, wächst aber auch in Sibirien, im
Fernen Osten und in Mittelasien.
Sarepta-Senf kommt in den grundlegenden Eigenschaften dem schwarzen
Senf nahe. In den Handel gelangt er gewöhnlich als sog. Senfmehl.
Das Pulver ist von hoher Qualität (1. Sorte), hat einen hellen
Schimmer. Man nimmt es für die Herstellung des gewöhnlichen
Speisesenfs.
► Rezepte für die Herstellung von Senf: |
|
Würzsenf |
100 g Senfpulver, 4 Esslöffel Essig, 2
Esslöffel Puderzucker, 11/2 Teelöffel Zimt, 1 Teelöffel Nelken,
1/, Muskatnuss, 1/2 Teelöffel Salz. Sarepta-Senfpulver
staubähnlich zerreiben, dann mit kochendem Wasser übergießen, zu
einer dicken Masse verrühren, 2 Glas heißes Wasser hinzu gießen
und 20 h bis 24 h ziehen lassen. Danach gießt man vorsichtig das
überschüssige Wasser ab, in die zurückbleibende dicke Masse
kommt Salz, Zucker, Öl, schwacher Wein- oder Fruchtessig (2- bis
3%ig), einige Nelken (zerrieben), Zimt und Muskatnuss Alles wird
gut gemischt, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist; die
Mischung 3 h stehen lassen Der Senf muss in einem fest
verschlossenen Gefäß aufbewahrt werden. Die Menge der Gewürze
sollen 10% bis 15 %, die des Essigs 40 % von der Menge des
Senfpulvers betragen.
|
|
Apfelsenf
|
3 Esslöffel Senfmehl, 4 Esslöffel Apfelmus,
21/2 Esslöffel klarer Zucker, 1 Teelöffel Salz, 2- bis 3%iger
mit Nelken, Anis, Basilikum und Sternanis aufgekochter Essig.
Antonow-Apfel oder wilde saure Apfel backen und daraus Mus
herstellen (ohne Schale und Gehäuse), mit Senfmehl und Zucker
vermischen, alles verrühren und Essig und Salz hinzufügen. 3
Tage stehen lassen. Danach ist der Senf gebrauchsfertig.
|
| 7.5.3.
Weißer Senf (Sinapis alba) |
 |
| Synonym: Englischer Senf
In der UdSSR wird weißer Senf in
den zentralen Schwarzerdegebieten, in den südlichen Gebieten der
RSFSR sowie in der Ukraine vorwiegend zur Gewinnung von Senföl
angebaut. Die Samen des weißen Senfs sind völlig geruchlos, deshalb
ist ihr Geschmack schärfer und gröber. Der daraus hergestellte
Speisesenf liegt qualitätsmäßig unter den beiden bereits erwähnten
Sorten und benötigt zu seiner Aufbesserung noch andere Gewürze.
Senf lässt sich nicht nur als Zutat bei warmen und kalten
Fleischgerichten (besonders bei Wurstwaren und fettem Fleisch)
verwenden. Er ist auch als Bestandteil verschiedener Soßen und sogar
als Emulgator geeignet, d. h., man kann mit ihm bestrichene zarte
Fleischprodukte bei der thermischen Bearbeitung verfeinern.
Geflügelfleisch, Kalbfleisch, Fisch, Filet (Fleisch oder Fisch)
werden mit Senf bestrichen und gebacken. Der Senf verhindert nicht
nur das Ausfließen von Saft aus den Bratgerichten, sondern
aromatisiert sie auch gleichzeitig. Zum Emulgieren verschiedener
Gerichte sollte man Senf verschiedener Zusammensetzung verwenden und
darauf achten, dass die Gewürze mit den entsprechenden Speisen
harmonieren. |
| 7.6.
Nelkenwurz (Geum urbanum) |
| Synonyme: Egelkraut, Mauernelkenwurz, Märzwurzel
Eine
mehrjährige krautige Pflanze aus der Familie der Rosengewächse, die
im gesamten europäischen Teil der UdSSR verbreitet ist.
Als Gewürz dienen die Wurzeln von Nelkenwurz, die man im zeitigen
Frühjahr lange vor dem Blühen ausgraben muss, denn nur während
dieser Zeit haben die Wurzeln den feinen an Nelken erinnernden
Geruch. Die Wurzeln werden nur an der Luft getrocknet. Erst wenn sie
schon wesentlich ausgetrocknet sind, kann man sie noch für kurze
Zeit im erhitzten, aber schon ausgeschalteten Backofen nachtrocknen.
Danach schwächt sich der Geruch von Nelkenwurz ab; er verschwindet
bei langer Lagerung vollkommen. Deshalb ist Nelkenwurz zum
alsbaldigen Verbrauch bestimmt.
Aus Wasser und den Wurzeln wird das angenehme "Nelkenwasser"
destilliert. Man setzt Nelkenwurz zusammen mit oder anstelle von
Hopfen dem Kwas, Dünnbier und Hausmacherbier zu. Das Bier bekommt
dadurch einen angenehmen Geruch und wird nicht so schnell sauer.
Die frischen jungen Blätter von Nelkenwurz sind für Salate geeignet.
|
| 7.7.
Blauer Käseklee (Melilotus coeruleus, Trigonella
coerulea) |
| Synonym: Echter Schabziegerklee
Eine einjährige krautige
Pflanze aus der Familie der Hülsenfrüchtler. Blauen Käseklee trifft
man wild wachsend hauptsächlich in den Vorgebirgsregionen im Süden
des europäischen Teils der UdSSR, d. h. auf der Krim, im
Krasnodarsker Gebiet, im Nordkaukasus und in Transkaukasien, und
etwas seltener im Vorgebirge des Tien-Schan an. Blauer Käseklee hat
ein starkes charakteristisches Aroma. Verwendet wird der obere Teil
der Pflanze, ein Teil der Blätter mit den Blüten, die zu Beginn der
Blüte gesammelt werden. Er dient getrocknet (Pulver) als Zusatz für
Hausmacherkäse, Backwaren, Zwiebel-, Kartoffel- und Pilzsuppen. In
der Lebensmittelindustrie kommt er bei der Herstellung von
Kräuterkäse, dem er eine ansprechende Farbe und einen
kennzeichnenden Geruch verleiht, zum Einsatz. |
| 7.8. Dost (Origanum vulgare) |
 |
| Synonyme: Echter Dost, Wilder Dost
Eine mehrjährige krautige Pflanze aus der Familie der Lippenblütler.
Die Heimat ist England. In der UdSSR ist Dost von Karelien bis nach
Transkaukasien anzutreffen. Als Gewürz verwendet man den oberen Teil
der Stängel mit den Blättern und Blüten, die im Juli/August
gesammelt werden. Man gibt Dost in verschiedene Gemüsesuppen und
Soßen sowie zu gebratenem, geschmortem und gebackenem Fleisch. In
der UdSSR wurde Dost schon immer für Kwas und als Ergänzung zu
Hopfen in Hausmacherbier verwendet. Dadurch erhielt das Bier einen
guten Geruch und eine lange Lagerfähigkeit ohne zu säuern.
In Westeuropa (Frankreich, Belgien) verwendet man Dost bei der
Zubereitung von Gerichten aus Champignons und besonders zur
Herstellung von Plätzchen (Italien).
|
| 7.9.
Engelwurz (Angelica archangelica, Angelica
officinalis) |
| Synonyme: Angelika, Brustwurzel, Theriakwurzel
Eine zweijährige krautige Pflanze aus der Familie der Doldengewächse
mit einer Höhe bis zu 2,5 m
Sie ist im europäischen Teil der UdSSR und in Westsibirien
verbreitet, wächst auf feuchtem und steinigem Boden, an Felsabhängen
und in Schluchten, in der Nähe von Bächen und Flüssen. Sie lässt sich
leicht aus Samen im Garten ziehen. Als Gewürz ist hauptsächlich die
dicke, spindelförmige, fleischige runzlige Wurzel geeignet, die
außen dunkel und innen weiß ist. Man kann auch die jungen
Wurzelstöcke, die jungen Triebe und die Samen verwenden.
Die Wurzel hat ein angenehmes und starkes Aroma, der Wurzelstock und
die Samen weisen einen schwächeren Geruch auf, und bei den jungen
Trieben ist er kaum wahrnehmbar. Die zweijährigen Wurzeln haben
einen schärferen, die einjährigen dagegen einen feineren Geruch. Die
Wurzeln werden im zeitigen Frühjahr (April) oder im Herbst, die
jungen Triebe nur im Mai (lange vor der Blüte) und die Samen im
August oder September gesammelt.
Die Wurzeln, Wurzelstöcke und Triebe kann man in frischem Zustand in
kleine Stücke schneiden und zum Verfeinern von Salaten verwenden.
Man nimmt sie aber auch zu Gemüsebeilagen. Sie werden dem Gemüse 3
min vor Beendigung des Kochprozesses und den Suppen 5 min, bevor sie
fertig sind, hin zugegeben
Werden die Wurzeln in Zucker gekocht, so erhält man eine arteigene
Konfitüre oder gezuckerte Wurzeln. Die zu Pulver gemahlenen
getrockneten Wurzeln kann man dem Mehl für Backwaren beimischen,
aber auch in Bratensoßen geben (5 min bis 7 min vor Fertigstellung).
Die Samen dienen beispielsweise zum Aromatisieren von
Hausbranntwein. Die Völker Nordeuropas kochen die jungen Triebe von
Engelwurz in Rentiermilch, in Frankreich nimmt man den Saft für
Liköre und Essenzen, in der Schweiz vergärt man die Wurzel mit
Wasser und brennt daraus Branntwein. Aus dem Pulver kocht man Tee.
|
| 7.10. Ysop (Hyssopus officinalis) |
 |
Eine mehrjährige, krautige aber stark holzig
werdende Pflanze aus der Familie der Lippenblütler (Bild 23)
Heimat: Mittelmeergebiet. Kultiviert wird sie im Süden der Ukraine,
im Kaukasus, auf der Krim, in Mittelasien. Manchmal wächst Ysop auch
wild; heimisch ist er im Gebiet von Kaluga, Orlow und Uljanowsk
sowie in Westsibirien (Altai) .
Als Gemüse verwendet man die jungen Blattspitzen, die unbedingt
direkt vor dem Aufblühen gesammelt werden müssen, sowie die Knospen;
beide meist im getrockneten Zustand.
Mit Ysop verfeinert man Salate, kalte Vorspeisen, Fleisch- und
Gemüsesuppen, gebratenes Fleisch. In der Lebensmittelindustrie dient
er zum Aromatisieren von Likören. |
| 7.11.
Kalufer (Tanacetum balsamita, Pyretrum
balsamita) |
Eine mehrjährige krautige Pflanze aus der Familie der
Korbblütler, die eine Höhe von 70 cm bis 130 cm erreicht. Äußerlich
ist die Pflanze dem Rainfarn ähnlich. Sie unterscheidet sich nur
durch ihren angenehmen Geruch nach Balsam.
Die Heimat ist Kleinasien. Wild wächst sie in der Türkei, im Iran,
in Südeuropa und in der UdSSR (subalpine Zone des Kaukasus). Als
Kulturpflanze hat sie sich gut im mittleren Gürtel des europäischen
Teils der UdSSR eingelebt. Früher war Kalufer sehr in Gärten
verbreitet, wo man ihn durch Teilen der Sträucher vermehrte. Er hat
einen kriechenden Wurzelstock. Als Gewürz verwendet man das obere
Drittel der Pflanze. Am zartesten sind die Blätter und die Knospen.
Deshalb wird der Kalufer vor dem Blühen (im Juli} gesammelt. Die
Blütezeit beginnt im August oder September.
Mit Kaluferpulver werden hauptsächlich Süßspeisen und
Konditoreiwaren, aber auch Hausmacherbier und Kwas gewürzt. Man kann
mit den Blättern von Kalufer auch Olivenöl aufsetzen, das dadurch
einen angenehmen Geschmack und ein gutes Aroma erhält. Dieses sog.
"Balsamöl" hat eine stark antiseptische Wirkung.
Kalufer war noch bis in die Mitte des 14. Jahrhunderts eines der
hauptsächlichen einheimischen europäischen und russischen Gewürze.
Aber danach kam er fast völlig außer Gebrauch. |
| 7.12. Kerbel (Anthriscus cerefolium) |
 |
| Synonym: Gartenkerbel
Eine einjährige krautige Pflanze aus der Familie der Doldengewächse.
Kerbel wächst wild und ist als Kulturpflanze im Süden des
europäischen Teils der UdSSR, d. h. im Süden der Ukraine und in der
Moldauischen SSR, auf der Krim und in Transkaukasien, verbreitet.
Kerbel liebt gut gedüngten, trockenen und sonnigen Boden. Er reift
schnell und neigt deshalb zur Schosserbildung, deshalb kann man ihn
im Sommer mehrmals aussäen. Als Gewürz wird ausschließlich das
junge, zarte, frische Grün der Pflanze verwendet, und zwar klein
geschnitten zu Gemüse- und Pilzsalaten, holländischer Soße, Sauce
Bearnaise, Fleisch-, Fisch- und Gemüsesuppen, wo Kerbel den
Hauptfaktor einer Gewürzmischung aus 5 bis 6 Kräutern bildet,
weiterhin zu gekochtem Fleisch und Fisch, Fleisch-Reis-Füllungen,
Omeletts und Eierkuchen. Kerbel wird dem Gericht 1 min bevor es
fertig ist oder erst beim Servieren zugesetzt, da beim Erhitzen sehr
schnell das Aroma verfliegt. Deshalb wird er auch nur selten und
nicht über längere Zeit aufbewahrt.
|
| 7.13.
Anis-Kerbel (Myrrhis aromatica, Myrrhis odorata) |
| Synonym: Süßdolde
Eine mehrjährige krautige Pflanze aus der Familie der
Doldengewächse. Heimat: Südeuropa. Wild wächst die Pflanze in den
westlichen Gebieten des europäischen Teils der UdSSR. Es handelt
sich um .einen großen Strauch, der im zeitigen Frühjahr zahlreiche
Blätter reibt. Später muss man den Stamm abschneiden, damit der
Kerbel erneut austreibt.
Anis-Kerbel ist in Geschmack und Aroma wesentlich süßlicher als der
gewöhnliche Kerbel. Verwendet wird er ebenso wie dieser, vorwiegend
jedoch zum Würzen von Gemüsegerichten: gekochter und gebratener
Kohl, geriebene Möhren, Rüben, auch für Püree und Aufläufe aus
diesem Gemüse oder aus Kartoffeln.
Man darf mit dem Kerbelgewürz nicht die Kerbelrübe (Chaerophyl- um
bulhosum) verwechseln, die nicht den charakteristischen Geschmack
und das Aroma des Kerbels aufweist. |
| 7.14.
Kreuzkümmel (Cuminum cyminum) |
Eine einjährige krautige Pflanze aus der Familie der
Doldengewächse. Heimat: Mittelmeerländer, der Nahe Osten,
Mittelasien. Im Süden der Turkmenischen SSR wächst er wild, auf der
Krim und in Transkaukasien wird er kultiviert.
Au6erlich unterscheidet sich Kreuzkümmel vom Kümmel durch grö6ere
und hellere, gelblich-grünliche Samen, die ein anderes Aroma mit
einer zarteren Nuance aufweisen.
Verwendet wird Kreuzkümmel genauso wie Kümmel, besonders in der
Backwarenindustrie und bei Konditoreierzeugnissen, aber auch bei der
Herstellung von Hausgetränken, wie Bier, Kwas, Dünnbier. |
| 7.15.
Sibirische Nelke (Coluria geoides} |
 |
Eine mehrjährige Pflanze aus der Familie der Rosengewächse.
Heimat: Vorgebirge des Altai und Zentralasien. Darüber hinaus ist
die Pflanze auch in den Vorgebirgsregionen von West- und Ostsibirien
verbreitet.
Als Gewürz verwendet man die dicken Wurzelstöcke der sibirischen
Nelke, die gesäubert, getrocknet, zu Pulver zermahlen und dann wie
Nelken verwendet werden.
Die Wurzeln werden im 3. Lebensjahr der Pflanze ausgegraben. Das
Aroma der Coluria geoides ist schwächer und zarter als das der
Nelken und duftet mitunter nach Rosen. Das Gewürz dient in der
sowjetischen Konservenindustrie sehr oft als Ersatz für Import-
Nelken. |
| 7.16.
Koriander (Coriandrum sativum} |
| Synonyme: Wanzenkraut, Wanzendill, Schwindelkorn
Eine
einjährige krautige Pflanze aus der Familie der Doldengewächse.
Heimat: Kleinasien und östliche Mittelmeerländer. Kultiviert
wird Koriander in den zentralen Schwarzerdegebieten der RSFSR, in
der Ukraine, im Krasnodarsker Gebiet, auf der Krim, in
Transkaukasien und in Mittelasien.
Als Gewürz verwendet man das frische und getrocknete Grün der
Pflanze, oft "Kinsa" genannt, und die Samen, den sog. Koriander. Der
Unterschied in der Bezeichnung widerspiegelt die unterschiedlichen
Anwendungsgebiete von frischem und getrocknetem Grün und Samen.
Beide werden manchmal als zwei verschiedene Gewürze bezeichnet.
Das frische Grün ist für Salate, Suppen, Fleischgerichte (besonders
zu fettem Fleisch oft in Verbindung mit anderen Würzkräutern, wie
Kresse, Basilikum, Bohnenkraut, Zwiebeln und Knoblauch, geeignet.
Das getrocknete Grün, das man im Verlaufe des ganzen Sommers
gewinnen kann, wird selten, hauptsächlich im Winter für Suppen und
zum Teil für Reis- und Eiergerichte verwendet-
Koriandersamen kommt wesentlich häufiger zum Einsatz in der
Backwaren-, Konditoreiwaren-, Fischkonserven-, Spirituosenindustrie,
aber auch im Haushalt für Milchsuppen, beim Schmoren von Fleisch,
Marinieren von Fisch, für die Herstellung von Plätzchen und
Brötchen, beim Einlegen von Kraut (zusammen mit Kümmel), bei der
Herstellung von Kwas und Bier. In Transkaukasien bereitet man mit
Koriander Nogul - eine Art Fastenzucker.
Die Samen werden gewöhnlich vor dem Gebrauch im Mörser zerkleinert.
Koriander ist ein wesentlicher Bestandteil der meisten
Gewürzmischungen. |
| 7.17. Kresse |
 |
Unter dieser Bezeichnung werden einige krautige Pflanzen
zusammengefasst, die schwach würzig sind und ein nicht sehr
dauerhaftes Aroma aufweisen. Ihr Geruch erinnert an Meerrettich. Für
Nahrungszwecke wird Kresse ausschließlich frisch verwendet: Salate,
belegte Brote und Suppen, fette Fleischgerichte als
Vorspeisenbeilage. In Westeuropa ist Kresse sehr stark verbreitet,
in der UdSSR hingegen im Baltikum und besonders in Transkaukasien.
Die russische Nationalküche kennt die Verwendung von Kresse, mit
Ausnahme der alten Küche der Pomoren (Gebiet Archangelsk), fast
nicht.
Kresse ist reich an Vitaminen und anderen nützlichen Stoffen, ein
Gewürz, das das ganze Jahr über die Speisen abwechslungsreicher
gestalten kann. |
| 7.17.1.
Brunnenkresse (Nasturtium officinale) |
| Synonyme: Wasserkresse, Quellenranke
Eine mehrjährige
Pflanze aus der Familie der Kreuzblütler, die wild in Mitteleuropa
wächst, und zwar an Ufern von Flüssen, Bächen und klaren Seen. In
Gärten benötigt sie einen schattigen Standort und erfordert häufiges
Gießen.
Beim Zerschneiden der rohen Stängel tritt ein scharfer, aber
angenehmer Geruch auf, es sondern sich die flüchtigen Substanzen ab,
die, ähnlich wie beim Meerrettich, in die "Augen beißen".
Getrocknete Kresse verliert diese Eigenschaften vollständig. |
| 7.17.2.
Löffelkraut (Cochlearia arctica, Cochlearia
officinalis) |
Synonyme: Scharbocksheil, Skorbutkraut Eine zweijährige
krautige Pflanze aus der Familie der Kreuzblütler. Heimat: Subarktis.
Löffelkraut ist verbreitet in Skandinavien, Island, Grönland, in der
subarktischen und zum Teil in der arktischen Zone der UdSSR, an den
Ufern der Barentssee sowie des Weißen Meeres und des Ostsibirischen
Meeres. Kultiviert wird es in geringem Umfang im Moskauer Gebiet.
Als Gewürz eignen sich nur die jüngsten Triebe und die jungen
Blätter. Im ersten Jahr sammelt man sie von Mai bis September, im
zweiten Jahr ab April.
Löffelkraut verwendet man zu Salaten, zum Einsäuern und
Konservieren. |
|
7.17.3. Wiesenkresse (Cardamine pratensis) |
 |
| Synonym: Schaumkraut.
Eine mehrjährige Pflanze aus der
Familie der Kreuzblütler, die in ganz Europa, besonders in den
nördlichen Ländern verbreitet ist. Wiesenkresse wächst auf feuchtem
Boden, entlang von Gräben, wird aber auch in Gärten angebaut. In der
Küche verwendet man die jungen Blätter und Triebe. |
| 7.17.4. Gartenkresse (Lepidium sativum) |
| Eine einjährige Pflanze aus der Familie der Kreuzblütler.
Heimat: Kleinasien. Kultiviert wird Gartenkresse in den meisten
Ländern Europas. In der UdSSR wächst sie hauptsächlich in
Transkaukasien. Im Winter wie im Sommer lässt sie sich unter
häuslichen Bedingungen, d. h. in Kästen und Blumentöpfen, ziehen.
Die Samen keimen schnell. Um frischen Kressesalat zu. erhalten, muss
man sie jede Woche aussäen, da sich zum Verbrauch nur die sehr
junge, ein bis zwei Wochen alte Kresse eignet. |
| 7.17.5.
Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus) |
| Synonym: Blumenkresse
Eine einjährige Pflanze aus der
Familie der Kapuzinerkresse-Gewächse, deren Heimat Südamerika ist.
Kultiviert wird sie überall in der UdSSR als Zierpflanze. Obwohl
sich alle Teile der Kapuzinerkresse für Nahrungszwecke eignen
(Blätter, Blütenknospen, Blüten, grüne, noch nicht reife Samen).
wird sie in der Küche kaum verwendet.
Die Samen kann man zusammen mit anderen Gewürzen auf Vorrat
marinieren.
Man nimmt Kapuzinerkresse nur für Salate und als Vorspeisenbeilage
zu kalten und warmen Fleischgerichten: für Suppen ist sie nicht
geeignet. |
| 7.18
Lavendel (Lavandula vera, Lavandula angustifolia) |
Synonyme: Blumengras, Levanda, Lavenda
Ein mehrjähriger Halbstrauch aus der Familie der Lippenblütler.
Heimat: die westlichen Mittelmeerländer und Nordafrika. In der UdSSR
ist er auf der Krim und an der Schwarzmeerküste des Kaukasus
verbreitet. Kultiviert wird Lavendel in der Moldauischen SSR und im
Krasnodarsker Gebiet.
Als Gewürz verwendet man die Lavendelblüten, die im Juni. gleich zu
Beginn der Blüte (noch vor dem völligen Öffnen der Blüten) gesammelt
und im Schatten, an der Luft oder am leicht geheizten Ofen
getrocknet werden. Besonders geschätzt sind die hellblauen
Lavendelblüten, die auch nach dem Trocknen ihre Farbe in
unveränderter Form beibehalten.
Da Lavendel ein stark ausgeprägtes Aroma hat, wird er fast
ausschließlich zum Aromatisieren von alkoholfreien Getränken und von
Essig genommen. Es ist aber auch empfehlenswert, Lavendel für
Salate, kalte Vorspeisen, Gemüse-, Pilz- und Fischsuppen und sogar
für Braten zu verwenden. In diesem Fall wird er zu Pulver zerrieben
und die besagte Speise wie mit Pfeffer bestreut. |
| 7.19. Liebstöckel (Levisticum officinale) |
 |
Synonyme: Badekraut, Großer Eppich, Gartenliebstöckel,
Leberstockkraut, gelbes Liebstöckel, Saukraut, Saustockkraut
Eine mehrjährige krautige Pflanze aus der Familie der Doldengewächse
mit einer Höhe bis zu 2 m.
Heimat: Iran. Kultiviert wird Liebstöckel in den südlichen Gebieten
des europäischen Teils der UdSSR. Es kann bis in die Breiten von
Petrosawodsk gedeihen.
In der Medizin verwendet man die Wurzel des Liebstöckels, in der
Küche nur die jungen Triebe und Blätter frisch oder getrocknet. .
Liebstöckel kann man in alle Suppen {außer Milchsuppen), Soßen und
Salate, auch zu Fleisch-, Gemüse- und Fischgerichten geben. Die
Würzkraft ist so stark, dass es nur in geringen Dosen verwendet
werden darf.
Die jungen Stängel der Liebstöckelpflanze kann man in Zucker kochen
und erhält so Zuckerkonfekt. |
| 7.20.
Majoran (Origanum majorana Majorana hortensis) |
Synonyme: Gartendost, Wurstkraut
Eine mehrjährige krautige, nicht verholzende Pflanze aus der Familie
der Lippenblütler Heimat: Nordafrika. Majoran wird in der UdSSR in
den Wäldern des Baltikums, im westlichen Weißrussland, in der
Ukraine, in der Moldauischen SSR, auf der Krim und im Kaukasus
kultiviert. Es gibt wilden Majoran und Gartenmajoran (letztgenannter
ist zarter).
Als Gewürz verwendet man die getrockneten Blätter und die
Blütenknospen. Majoran wird gebündelt und im Schatten getrocknet,
dann werden Knospen und Blätter gedroschen und zu Pulver gemahlen,
das man in einem dicht verschlossenen Gefäß aufbewahrt.
Vorwiegend nimmt man Majoran für Wurstfüllungen (deshalb auch
Wurstkraut genannt), aber auch für alle Arten von Hackfleischmasse
zur Herstellung von Hackfleischerzeugnissen (Beefsteaks, Farce für
Aufläufe u. ä.). Majoran aromatisiert nicht nur die
Hackfleischmasse. sondern verfeinert auch das Fleisch, indem er es
zarter macht. Außerdem eignet sich Majoran für Wintersalate,
Kartoffel-, Tomaten-, Fleisch-, Erbs-, Spinat- und Pilzsuppen. Er
gehört zu den Bestandteilen des "Bouquet garni" und kann in Tomaten-
und Sahnensoßen, Fleischbrühen, kalte Vorspeisen aus Fleisch sowie
in Bratenfleisch und Eiergerichte gegeben werden.
Obwohl Majoran ein ausgesprochenes " Wurstgewürz" ist, eignet sich
der Gartenmajoran mit seinem sehr delikaten Aroma auch für
Fruchtsäfte.
Majoran ist in der polnischen, litauischen, weißrussischen,
lettischen und estnischen Küche eines der beliebtesten Gewürze. |
| 7.21. Melisse (Melissa officinalis) |
 |
Synonyme: Zitronenkraut, Honigkraut, Mutterkraut,
Bienenkraut
Eine mehrjährige krautige Pflanze aus der Familie der Lippenblütler.
Heimat: Südeuropa und Nordafrika; kultiviert wird sie in allen
Ländern Europas. Wild wächst Melisse in der UdSSR im Süden der
Ukraine, auf der Krim, im Kaukasus, im Krasnodarsker Gebiet und in
Mittelasien. Im mittleren Gürtel gedeiht sie gut in Gärten und gibt
im Sommer 2 bis 3 Ernten (bei zeitiger Ernte). Die ganze Pflanze hat
vor der Blüte einen angenehmen Zitronengeruch, nach der Blüte ist
der Geruch nicht mehr so angenehm. Folglich sollte Melisse nur vor
der Blüte (Ende Juni) gesammelt werden.
Als Gewürz verwendet man die Blätter der Melisse frisch (für alle
Sommersalate, Borschtsch und Gemüsesuppen, in die man sie wie andere
Würzkräuter 1 min bis 2 min vor dem Servieren gibt) oder im Winter
getrocknet für die gleiche~ Gerichte. Melisse kann man aber auch in
Tee, Kompott, Hausmacher-Kwas und Bier geben sowie Essig damit
würzen. Getrocknete Melisse (Blätter) eignet sich auch zum Einlegen,
z. B. für Gurken und Tomaten.
Mit Melissenpulver bestreut man Fleisch, Fisch- und Wildgerichte (3
min vor Fertigstellung). |
| 7.22.
Türkische Melisse oder Moldauischer Drachenpfeffer
(Dracocephalum moldavica) |
| Synonyme: Drachenkopf, Schlangenkopf, blaues Pfeifengras
Eine einjährige krautige Pflanze aus der Familie der Lippenblütler
Heimat: Südsibirien und die VR China. Weit verbreitet im Süden und
Südwesten des europäischen Teils der UdSSR. In der Ukraine, in der
Moldauischen SSR, im Kaukasus, im Altai und im äußersten Süden
Ostsibiriens wird Türkische Melisse kultiviert. In den mittleren
Gebieten der UdSSR, besonders im Kuibyschewer Gebiet, wird sie als
Honigträger angepflanzt.
In der Küche werden die vor der Blüte gesammelten Blätter und
Blütenknospen frisch oder getrocknet verwendet, und zwar für die
gleichen Gerichte, die man auch mit Melisse würzen kann. |
| 7.23. Wacholder (uniperus communis ) |
 |
Synonyme: Gemeiner Wacholder, Weckholder
Ein immergrüner Koniferenstrauch aus der Familie der
Zypressengewächse.
Heimat: Europa und Sibirien mit Ausnahme des Hohen Nordens.
Wacholder ist hauptsächlich in den Wäldern des nördlichen und
mittleren Gürtels der UdSSR verbreitet.
Als Gewürz dienen die Früchte, genauer gesagt, die Fruchtstände des
Wacholders, die wegen ihres Aussehens und ihrer Lage am Strauch
fälschlicherweise "Beeren" oder "Beerenzapfen" (weiche, fleischige,
erbsengroße Kügelchen von graublau-schwarzer Farbe, die mit einem
charakteristischen silbern-graublauen Belag bedeckt sind} genannt
werden. Im Innern der Kugeln, im olivfarbenen Fruchtfleisch,
befinden sich 3 Samenkerne.
Die Fruchtstände reifen im Herbst des zweiten Jahres. Die beste Zeit
zum Sammeln ist Ende September/ Anfang Oktober, wenn die Früchte
völlig reif sind.
Nach dem Sammeln kommen die Früchte zum Trocknen unter ein
Wetterschutzdach oder in einen gut lüftbaren Raum, wo sie von Zeit
zu Zeit gewendet werden müssen. Getrocknete Früchte dürfen nicht
runzlig aussehen, sie müssen prall und von glänzender schwarzbrauner
Farbe sein. Bei der Lagerung in einem fest verschlossenen Glasgefäß
verbreiten sie ein fichtennadelähnliches Aroma mit einer scharfen
Nuance.
Wacholderbeeren verwendet man als Gewürz in der westeuropäischen
{englischen, französischen, deutschen, nordeuropäischen,
schwedischen, finnischen) und zum Teil in der russischen Küche. Die
französische Küche verwendet die Wacholderbeeren für Speisen aus
Fleisch und Hausgeflügel, denen man das Aroma von Wild geben will.
In der russischen Küche gibt man Wacholderbeeren in Sauerkraut. In
der Regel werden jedoch die Wacholderbeeren beim Zubereiten von Wild
(Bärenfleisch, Wildschwein, verschiedene Hirschfleischarten,
Hasenbraten} und auch von Federwild (Birkhühner, Auerhühner,
Haselhühner, Rebhühner und Waldschnepfen) verwendet. Das
Wacholdergewürz schlägt einerseits den unangenehmen Geschmack etwas
nieder (bei Hirsch- und Hasenfleisch}, festigt andererseits das
spezifische Aroma (bei Bärenfleisch} und verstärkt das reine "
Waldkolorit (bei Federwild} .Dazu kommt in Verbindung mit Wacholder
noch Minze, Knoblauch und manchmal Beifuss (bei Wildschweinbraten}
.Die Wacholderbeeren werden zerstoßen oder zerdrückt, die Minze und
die anderen Gewürze hin zugegeben in Leinen- oder Gazesäckchen
gefüllt und in kochendem Wasser ausgekocht. Der abgekühlte Sud wird
zusammen mit scharfen Zwiebeln, Knoblauch, Rotwein und auch Majoran
als Marinade verwendet, in der man das Wild oder Fleisch 2 bis 3
Stunden beizt, um ihm das Aroma vom Wild zu verleihen.
Wacholderbeeren dürfen nicht in größeren Mengen verwendet werden, da
sie bei einer bestimmten Konzentration giftig sind, besonders nach
schlechter Trocknung. Nie mehr als 6 bis 8 Stück auf 1 kg Fleisch
oder 4 bis 5 Stück auf "einen Vogel" (Haselhuhn oder Rebhuhn)
nehmen! Diese Menge gibt man praktisch zweimal hinzu - einmal in die
Marinade und zum anderen ins Fleisch unmittelbar vor dem Braten oder
Schmoren. |
| 7.24.
Minze (Mentha) |
| Eine artenreiche Gattung mehrjähriger Pflanzen aus der Familie
der Lippenblütler, von denen einige Arten als Gewürz Anwendung
finden. Man nimmt die Blätter und die obere Hälfte der Pflanze mit
den Blütenknospen, die am besten vor der Blüte gesammelt werden. Die
Minze ist fast auf dem ganzen Territorium der UdSSR verbreitet. |
|
7.24.1. Pfefferminze (Mentha piperita) |
 |
Synonym: Katzenkraut
Die Pfefferminze ist eine Kulturpflanze, die speziell zur Gewinnung
des ätherischen Pfefferminzöls und zur Produktion von Menthol
angebaut wird. In der Lebensmittelindustrie wird sie als Gewürz nur
für Liköre und Branntweine sowie bei der Herstellung von
Konditoreiwaren eingesetzt, und zwar nicht die Minze selbst, sondern
das Pfefferminzöl oder die Pfefferminzessenz.
Unter häuslichen Bedingungen ist Pfefferminze für Konditoreiwaren
nur sehr sorgfältig zu verwenden, da sie bei Überhitzung und in zu
reichlichen Mengen das ganze Erzeugnis verderben kann, indem sie es
bitter macht. Man gibt sie in Gebäck, Pfefferkuchen, Brötchen,
Kompott, Kissel, Erfrischungsgetränke, Liköre und Kwas. |
| 7.24.2.
Krauseminze (Mentha crispa) |
| Synonyme: Deutsche Minze; Wiesenminze
Krauseminze ist
auch eine Kulturform der Minze, die solchen wilden Minzearten wie
Ackerminze (Mentha aruensis), Waldminze (Mentha siluestris),
Wasserminze (Mentha aquatica) und grüne Minze (Mentha uiridis) nahe
steht. Diese aufgezählten Minzearten haben im Gegensatz zur
Pfefferminze nicht die Schärfe im Geschmack und die kühlende
Wirkung. Deshalb lassen sie sich bedeutend vielfältiger als Gewürz
verwenden, wobei man den südlichen Sorten und den Bergsorten noch
den Vorrang geben sollte; sie zeichnen sich durch ein besonders
feines Aroma und einen milden Geschmack aus. Frisch kann man das
junge Grün der Minze (vor der Blüte) als Würzkraut für Salate,
Fleisch, warme Bohnen- und Erbsengerichte und saure Milchsuppen
verwenden. Getrocknet (als Pulver) gibt man die Minze in
Fleischsuppen, zu Rinder-, Hammel- und Kalbsbraten, in Marinaden für
Fleisch und Wild, Erbsen-, Linsen- und Bohnensuppen und andere warme
Gerichte, aber auch in Möhren- und teilweise in Kartoffelpüree und
in Risotto (Brühreis). Minze eignet sich ebenfalls für Kompott,
Kwas, Fruchtgetränke, Säfte, Konfitüre und Jam (in diesem Fall wird
sie am Morgen in mäßiger Sonne getrocknet). |
| 7.24.3.
Kamm-Minze oder Elsholtzia (Elsholtzia patrinii,
Elsholtzia cristata) |
Eine einjährige krautige Pflanze aus der Familie der
Lippenblütler, die mehr als zwanzig Arten umfasst Sie gehört
überhaupt nicht zur Gattung der Minzen, wird aber fälschlich als "
Würzminze" bezeichnet und ähnlich wie die Minze verwendet.
Die Heimat ist Asien. Auch in der UdSSR ist sie verbreitet und wird
am meisten in den Ostseerepubliken und den westlichen Gebieten
Belorusslands verwendet.
Als Gewürz nimmt man die getrockneten Blütenknospen und Blüten, die
zu Beginn der Blüte gesammelt werden. Der Geruch ist fein und
angenehm, er erinnert an die Melisse, nur ist er würziger.
Würzminze wird vorwiegend für Fleischhackmasse, Pasteten aus
Innereien und Hausmacherwurst, aber auch zum Schmoren von Fleisch
und Aromatisieren von Fleischsalaten, Vorspeisen, belegten Broten
und Suppen verwendet. Für Hackmasse kann man ziemlich viel Würzminze
nehmen, da die Elsholtzia beim Erhitzen fast keine Bitterstoffe
bildet. Würzminze verbessert ebenso wie Majoran die Konsistenz des
Fleisches |
| 7.24.4.
Apfelminze (Mentha rotundifolia) |
 |
Synonym: Rundblättrige Minze
Heimat: Ägypten und Kleinasien, Türkei. Kultiviert wird Apfelminze
in Süd- und Mitteleuropa, in der UdSSR (Transkaukasien). Apfelminze
hat ein ausgesprochen mildes Aroma und auch einen milden Geschmack.
Sie bildet beim Erhitzen und bei erhöhter Einsatzmenge keinerlei
Bitterstoffe, wodurch sie sich wesentlich von den anderen Minzearten
unterscheidet. Diese Eigenschaft erlaubt, die Apfelminze für
Süßspeisen, Kompott, Kissel, Gelee, Konfitüre, Apfelfüllungen für
Piroggen und verschiedene Konditoreiwaren zu verwenden. |
| 7.25.
Beifuss (Artemisia) |
Unter den vielen Hundert Beifussarten - alles mehrjährige
Pflanzen aus der Familie der Korbblütler - gibt es nur einige, die
als Würzkräuter geeignet sind. Diese Arten sind in der Regel
bitterstoffarm, aber dafür recht aromatisch. Das ist auch das
wesentliche Kennzeichen der Beifuss-Würzpflanzen, von denen die
meisten im Süden der UdSSR, in der subalpinen Zone von Kaukasus, Tien-Schan und Pamir wachsen. Drei bis vier Arten sind im mittleren
und südlichen Gürtel des europäischen Teils der UdSSR verbreitet.
Es ist bekannt, dass die alten Griechen "Ambrosia" als Speise der
Götter bezeichneten. Aber wenige wissen, dass sie darunter den
Beifuss verstanden |
| 7.25.1.
Echter Beifuss (Artemisia vulgaris) |
| Synonyme: Gemeiner Beifuss, Mutterkraut
Dieser Beifuss ist überall,
von Karelien bis zur Krim und zum Kaukasus, aber auch in Sibirien
und im Fernen Osten verbreitet. Er wächst auf Brachland als Unkraut
und ist an seinem violetten Stängel und den an der Unterseite
weißlich-silbrigen Blättern zu erkennen. Vom Wermut (Arternisia
absinturn) unterscheidet sich echter Beifuss durch einen wesentlich
geringeren Bitterstoffgehalt und einen hohen Aromagehalt der jungen
Blätter.
Die jungen Blätter von den oberen Spitzen des Beifusses werden vor
dem Aufblühen der Pflanze, im Stadium der Knospenbildung (zusammen
mit den Knospen) , gesammelt und im Schatten getrocknet. In der
Küche verwendet man dann den getrockneten, pulverisierten Beifuss
bei der Zubereitung von Fleisch (eine Messerspitze voll, 1 min bis 2
min bevor das Fleisch gar ist). Ferner wird echter Beifuss für
Marinaden genommen, in die man das Fleisch vor dem Braten oder
Schmoren gibt; dabei füllt man die getrockneten Beifussblätter in ein
Gazesäckchen, damit sie nicht am Fleisch haften, und legt es in die
Marinade. |
| 7.25.2.
Römischer Beifuss (Artemisia pontica) |
| Diese Beifussart ist im Süden der UdSSR und auf der Krim verbreitet.
Sie duftet mehr und ist weniger bitter als der echte Beifuss. Wie der
echte Beifuss wird sie auch für Fleischgerichte verwendet. |
| 7.25.3.
Rispenförmiger Beifuss (Artemisia procera) |
Er ist in den mittleren Gebieten der RSFSR (Tambow, Kuibyschew,
Saratow und Tatarische ASSR) verbreitet.
Dieser Beifuss hat einen eigenartigen aromatischen Geruch. Man
verwendet ihn wie den echten Beifuss auch in der gleichen Menge. |
| 7.25.4.
Zitronenbeifuss (Artemisia abrotanum) |
 |
Synonyme: Eberraute, Zitronenkraut, Stabwurz
Heimat: Östliche Mittelmeerländer und Kleinasien. Er wächst im Süden
und am Wasser in den mittleren Gebieten der UdSSR. Zitronenbeifu6
ist die mildeste, am stärksten duftende Beifussart. In geringen
Mengen kann man die jungen Triebe sogar frisch verbrauchen. Zu
verwenden ist er wie der echte Beifuss. Beim Trocknen verliert er
seine Bitterstoffe. Es kommt das für alle echten Gewürze angenehme
Brennen zur Geltung. Zitronenbeifuss kann man als Pulver gebratenem
Fleisch (3 min bevor es fertig ist) hinzufügen.
Manchmal verwendet man Zitronenbeifuss mit einer geringen Menge
Wacholderbeeren für hausbackenes Brot, das dadurch ein richtiges "Wald"aroma
erhält. Auf diese Weise bäckt man z. B. das "Jägerbrot" im Norden
der UdSSR und in einigen nordeuropäischen Ländern. Zitronenbeifuss
ist auch zum Aromatisieren von Essig und als Pulver für Soßen zu
Fleisch und Wild geeignet, wobei aber zu beachten ist, dass die
Temperatur der Soße 40 °C nicht übersteigen darf. |
| 7.25.5.
Alpenbeifuss (Artemisia mutellina) |
Dieser Beifuss ist sowohl in der subalpinen als auch der alpinen Zone
des Kaukasus verbreitet. Seine charakteristischen Merkmale: grau
bläuliche Farbe, schwacher Bittergeschmack und ein sehr schwacher
Geruch im frischen Zustand, der sich beim Trocknen verstärkt, aber
immer noch fein bleibt.
Alpenbeifuss trocknet schnell, verliert beim Trocknen nicht die
Farbe, aber der Bittergehalt verstärkt sich dabei. Er ist wie echter
Beifuss zu verwenden, auch in der gleichen Menge. |
| 7.26.
Weinraute (Ruta graveolens) |
Ein Halbstrauch aus der Familie der Rautengewächse mit Blättern von
bläulich-grünlicher Färbung
Heimat: Südeuropa und die Mittelmeerländer. In der UdSSR ist er auf
der Krim und an der Schwarzmeerküste Transkaukasiens als
Kulturpflanze und wild wachsend vertreten.
Als Gewürz verwendet man die Blätter der Raute, das sog. "Kraut".
das gewöhnlich vor dem Blühen (bis Juni) gesammelt wird.
Der Rautenstrauch verbreitet einen starken unangenehmen Geruch, der
nach dem Trocknen nachlässt und dann leicht an das Aroma von Rosen
erinnert.
Die jungen Rautenblätter (von den obersten Spitzen der Triebe) kann
man frisch für Salate verwenden. Im allgemeinen verwendet man als
Gewürz jedoch die getrockneten Rautenblätter und die Samen, die man
in sehr geringen Mengen Fleisch- und Gemüsegerichten zusetzt. |
|
7.27. Thymian (Thymus vulgaris) |
 |
Synonyme: Gemeiner Thymian, Gartenthymian, Echter Thymian
Ein senkrecht stehender, verästelter Halbstrauch aus der
Familie der Lippenblütler mit einer Höhe bis zu 50 cm.
Die Heimat ist das Mittelmeergebiet. In der UdSSR wächst er nicht
wild, sondern wird in der Moldauischen SSR, in den südlichen
Gebieten der Ukraine und im Gebiet Krasnodar kultiviert.
Als Gewürz verwendet man hauptsächlich das getrocknete "Kraut" vom
Thymian, d. h. die obere Hälfte oder das obere Drittel der Stängel
zusammen mit den Blättern, Blütenknospen oder Blüten. Thymian wird
im Juni/Juli, zu Beginn der Blüte, gesammelt.
Sowohl frischen als auch getrockneten Thymian nimmt man -zusammen
mit Dill - zum Einlegen von Gurken und Tomaten sowie für Kartoffel-
und Tomatensalat, Suppen, Borschtsch, Schtschi. Der getrocknete
Thymian (als Pulver) eignet sich für geschmortes Fleisch (besonders
Hammelfleisch), Beefsteaks, Makkaroni, Eierspeisen und Gerichte aus
Hühnerfleisch. Er gehört zum Bestandteil der sog. hellen 5oßen. |
| 7.28.
Kümmel (Carum carvi) |
Synonyme: Echter Kümmel, gemeiner Kümmel, Kiem
Eine zweijährige Pflanze aus der Familie der Doldengewächse Heimat:
Nord- und Mitteleuropa. Verbreitet ist der Kümmel auf dem ganzen
Territorium des europäischen Teils der UdSSR und in Sibirien bis zum
Baikal. Kultiviert wird Kümmel u. a. in den Schwarzerdegebieten und
in den südlichen Regionen. Der beste Kümmel gedeiht jedoch im
Baltikum und im Westen Belorußlands, wo er wild wächst.
Als Gewürz verwendet man hauptsächlich die Samen des Kümmels, die im
zweiten Lebensjahr der Pflanze erscheinen. Die Früchte tragenden
Pflanzen werden - bevor die Samen ausfallen - abgeschnitten und
gebündelt (Juli/August), in einem luftigen Raum getrocknet und
danach gedroschen. Die jungen Blätter, Triebe und Wurzeln des
Kümmels lassen sich frisch für Salate verwenden. Die Wurzeln kann
man außerdem marinieren und mit Honig und Zucker kochen.
Kümmelkörner eignen sich für Suppen (Kohl-, Zwiebel-,
Kartoffelsuppen), Soßen, Sauerkraut, zum Einlegen von Gurken und
Tomaten, aber auch zu Brot, Brötchen, Striezel, Fladen, Käse, Quark
sowie zu Bier und Kwas. Ferner werden sie dem Kochwasser für
Pellkartoffeln zugesetzt.
Bei Gerichten, die als Hauptbestandteil Kraut oder Quark (Käse,
Schafskäse) enthalten, lä6t sich Kümmel ebenfalls recht gut
verwenden. In die hei6en Gerichte gibt man den Kümmel während des
Zubereitungsprozesses, und zwar 10 min bis 12 min bevor sie fertig
sind.
Gewürze wie Ajowan und Kreuzkümmel, von denen man vorwiegend die
Samen verwendet, ähneln sehr dem Kümmel. Sie haben aber ein anderes
Aroma und werden demzufolge anders eingesetzt. |
| 7.29. Dill (Anethum graveolens) |
 |
| Synonyme: Dillkraut, Gurkendill, Gurkenkraut
Als Heimat gelten
Südeuropa, Ägypten, Kleinasien. In West- und Nordeuropa ist Dill
seit dem 16. Jahrhundert bekannt und in der UdSSR als
Gartenkulturpflanze überall verbreitet. Dill nimmt in der UdSSR
einen der ersten Plätze unter den Gewürzen ein. Unter häuslichen
Bedingungen lä6t er sich auch in Blumenkästen und Töpfen das ganze
Jahr über ziehen. Seine traditionelle Verwendung für Salate, Suppen,
Fleischgerichte sowie zum Einsalzen von Gurken und Tomaten ist in
der UdSSR jedoch auf die Sommerzeit begrenzt. Dill wird hier zumeist
nur frisch verwendet. Eine Bevorratung für den Winter, au6er
manchmal für Dillsalz, ist kaum üblich, weil hierbei viele wertvolle
Eigenschaften des Dills verloren gehen und eine richtige
Konservierung nicht gewährleistet ist. Dill lässt sich aber mit
Erfolg trocknen und steht so das ganze Jahr über zur Verfügung. Bei
richtiger Trocknung verliert er weder seine Farbe noch seine
Würzeigenschaften.
Frischen und auch getrockneten Dill kann man in größeren Mengen beim
Schmoren und Braten von Fisch verwenden. Dazu muss der Fisch so dick
mit Dill vermischt mit schwarzem Pfeffer, Petersilie und Zwiebeln
bestreut werden, dass er völlig bedeckt ist. Auf diese Weise lassen
sich alle Seefische braten; sie werden dadurch bedeutend zarter.
Im Winter kann man neben Dill auch Dillsamen. verwenden, der sich
sehr gut aufbewahren lässt. Er ist zum Backen von Plätzchen und
Brötchen, für Suppen und Marinaden sowie für die Fischsuppe (Ucha)
oder gekochten bzw. gedünsteten Fisch geeignet. Heute verwendet man
in der Küche anstelle von Dill auch Dill öl (in kleinsten Mengen)
und Dillessenz, eine 20%ige alkoholische Lösung von Dillöl. Diese
konzentrierten Gewürze muss man allerdings sehr sorgfältig
einsetzen, wenn man das Gericht nicht verderben will. Sie finden
vorwiegend in Großküchen Verwendung.
Im Haushalt kann man einen Dillaufguß zubereiten, den man dem
Nudelteig unter mischt Die Herstellung des Aufgusses ist nicht
kompliziert. Man gibt klein geschnittenen Dill in einen flachen
Topf, gie6t etwas Wasser hinzu und lä6t alles 2 h stehen. Danach
drückt man den Dill gut aus und vermischt den Aufguss mit dem
Nudelteig. Die Nudeln und die Brühe erhalten dadurch einen sehr
aromatischen Geruch und Geschmack. |
|
7.30. Bockshornklee (Trigonella foenum graecum) |
 |
| Synonyme: Kuhhornklee, Käseklee
Eine einjährige krautige Pflanze aus
der Familie der Bohnengewächse (Bild 33). Die Heimat sind die
östlichen Mittelmeerländer und Kleinasien. In der UdSSR wird
Bockshornklee im südlichen Transkaukasien kultiviert. Als Gewürz
verwendet man die getrockneten Samen, die eine unregelmä6ig
gerippte, fast kubische Form aufweisen. Es ist sehr schwierig, diese
Samen ohne Maschine in Pulver zu zermahlen, deshalb kommt der
Bockshornklee meist nur in Pulverform zum Verkauf.
Bockshornklee wird auch dem Brotteig zugesetzt, um das Brot zu
aromatisieren. Außerdem ist er ein unentbehrlicher Bestandteil (etwa
15% bis 20 %) aller Curry-Gewürzmischungen. |
| 7.31.
Bohnenkraut (Satureja hortensis) |
| Synonyme: Gartenbohnenkraut, Sommerbohnenkraut
Eine einjährige
Pflanze aus der Familie der Lippenblütler. Die Heimat sind die
östlichen Mittelmeerländer, das Schwarzmeergebiet und Kleinasien.
Wild wächst Bohnenkraut in allen Ländern Südeuropas und auf dem
Territorium der UdSSR (Krim, Kaukasus [Dagestan), Transkaukasien).
Bohnenkraut wird in der gesamten UdSSR kultiviert, im Winter sogar
in Blumenkästen und Töpfen.
Als Gewürz verwendet man alle Teile, die über der Erde wachsen. Sie
werden vor der Blüte oder gleich zu Beginn der Blüte gesammelt und
meist getrocknet; denn nach dem Trocknen verstärkt sich das Aroma
des Bohnenkrautes noch.
Das frische Bohnenkraut nimmt man für Salate, Suppen, zum Einlegen
von Gurken, Tomaten und Paprikaschoten sowie zum Salzen und
Marinieren von Pilzen.
Getrocknetes Bohnenkraut wird Suppen (Fleisch-, Gemüse-, Pilz- und
besonders Hühnersuppen) zugesetzt, denen er ein ausgesprochen
pikantes Aroma verleiht. überhaupt lä6t sich mit Bohnenkraut zartes
Fleisch noch verfeinern, z. B. Kalbfleisch, Hühnerfleisch, Fleisch
von Truthühnern. Man kann es aber auch Soßen, die zu den angeführten
Gerichten gereicht werden, zusetzen. Außerdem eignet sich
Bohnenkraut gut für alle Bohnen- und Eiergerichte und für alle Arten
von gekochtem Kohl (Blumenkohl, Weißkohl, Rosenkohl, Kohlrabi). |
|
7.82. Winterbohnenkraut (Satureja montana) |
 |
Synonyme: Mehrjähriges Bohnenkraut, Alpenbohnenkraut,
Bergbohnenkraut
Ein mehrjähriger Strauch mit einer Höhe bis zu 45 cm, der wild in
den europäischen Alpen gedeiht. In der UdSSR wird Winterbohnenkraut
in den Transkarpaten kultiviert. Oualitätsmäßig steht es hinter dem
Sommerbohnenkraut zurück, wird aber genauso wie dieses verwendet. In
der französischen Küche bildet es gemeinsam mit Petersilie und
Zwiebel (Zwiebelsaft) die Gewürzzugabe für "Burgunder Omeletts".
Man darf das mehrjährige Alpenbohnenkraut nicht mit der in
Transkaukasien, in der subalpinen Zone vorkommenden Abart des
Sommerbohnenkrauts verwechseln, das ein starkes und angenehmes Aroma
aufweist. Es wird dort als Tschatschet oder Kjakjot bezeichnet. |
| 7.33.
Kuttelkraut (Thymus serpyllum) |
Synonym: Kudelkraut
Eine mehrjährige krautige Pflanze aus der Familie der Lippenblütler.
Das Kuttelkraut ist in Europa und in allen Gebieten der UdSSR
verbreitet. Es wächst hauptsächlich an trockenen, sandigen und
erhöhten Stellen. Einige Arten unterscheiden sich durch Stärke und
verschiedene Nuancen des Aromas.
In den mittleren Gebieten der UdSSR trifft man meist eine Abart des
Kuttelkrauts, den Marschallthymian, in der Ukraine und im niederen
Wolgagebiet die kurze flaumige Variante T. adoratissimus, im Süden
(Krim, Nordkaukasus, Transkaukasien) die Varianten T. nummularius
und T. hirsutus, die sich durch einen zottigen Blätterrand und ein
stärkeres Aroma von den anderen Arten unterscheiden.
In der Küche wird hauptsächlich das getrocknete Kraut (die Spitzen
mit den Blütenknospen) verwendet. Als Pulver eignet es sich in
kleinen Mengen für Gemüse- und Fleischsuppen, in größeren Mengen für
alle möglichen Fischgerichte und für Fischhackmasse. Beim Braten von
Fisch kann man das Kuttelkraut mit der Panade mischen (am besten mit
Mehl im Verhältnis 1:2). Außerdem ist es möglich, damit Käse zu
bestreuen oder das Pulver zur Herstellung von Hausmacherkäse zu
verwenden. |
| 7.34.
Schwarzkümmel (Nigella sativa) |
| Synonym: Echter Schwarzkümmel.
Eine einjährige krautige Pflanze aus
der Familie der Hahnenfußgewächse.
Als Heimat werden die westlichen
Mittelmeerländer genannt. Schwarzkümmel ist in der UdSSR verbreitet
und wird in Litauen, im Süden und im Westen der Ukraine, in der
Moldauischen SSR, auf der Krim und in Transkaukasien kultiviert. In
den Gärten der mittleren Gebiete der UdSSR wächst Schwarzkümmel als
Zierpflanze.
Als Gewürz dienen die Samen, die im August/September mit den Stielen
gesammelt, getrocknet und gedroschen werden. Schwarzkümmel findet
beim Einlegen von Kohl, Gurken und Melonen und in der
Konditoreiwarenproduktion, beim Backen von Mundbrötchen, Brezeln und
Gebäck (diese Erzeugnisse werden, bevor sie in den Backofen gestellt
werden, mit Schwarzkümmel bestreut) Verwendung. Er ist aber auch zum
Aromatisieren von Süßspeisen geeignet (Pudding, Fruchtschaumspeisen,
Kissel, Kompott, Gelee). In diesem Fall nimmt man jedoch mehr den
sog. türkischen oder Damaszener Schwarzkümmel (Nigella damascena),
der das Aroma von Erdbeeren aufweist. |
| 7.35. Salbei (Salvia officinalis) |
 |
Synonyme: Gartensalbei, Echter Salbei
Ein mehrjähriger Halbstrauch aus der Familie der Lippenblütler mit
silbrig-grünlichen Blättern, die oft einen filzigen Belag aufweisen.
Es gibt Dutzende von Abarten.
Heimat: Mittelmeerländer. In der UdSSR wird er in der Moldauischen
SSR, im Krasnodarsker Gebiet und in der Ukraine kultiviert. Wild
wachsend bedeckt er große Flächen im nördlichen Kaukasus.
Als Gewürz dienen die oberen Blattspitzen der Pflanze, die man im
Mai/Juni - noch vor der Blüte - zusammen mit den Blütenknospen
sammelt, dann trocknet und pulverisiert. Vor dem Trocknen werden die
Blätter mit kaltem Wasser abgewaschen, um Staub und Ungeziefer zu
entfernen, die in den filzigen Blättern der Pflanze haften.
Salbeipulver nimmt man zum Teil als Rosmarinersatz für Suppen,
Fleisch, Wild, Geflügel und Käse, besonders Schmelzkäse, aber auch
für Salate, die vorwiegend Eier und kaltes Fleisch enthalten. Salbei
kann jedoch nicht in jedem Fall als Ersatz für Rosmarin verwendet
werden.
Als völlig selbständiges Gewürz gibt man Salbei in Kraut-,
Eier-Reis- und Fleischpiroggen, um ihnen einen besonderen
Beigeschmack bzw. ein besonderes Aroma zu verleihen.
Salbeipulver lässt sich mit Reibekäse gut vermischen und gibt ihm
eine pikante Note. Unmittelbar vor dem Servieren kann man
Hühnerbrühen, Eiergerichte (Omeletts, Eierkuchen), gekochten fetten
Fisch oder geschmortes Rindfleisch mit Salbeipulver bestreuen. Man
gibt Salbeipulver aber auch in Hackfleischmasse, die für Beefsteaks
und Frikadellen bestimmt ist. . |
| 7.36.
Estragon (Artemisia dracunculus) |
Eine mehrjährige Pflanze aus der Familie der Korbblütler. Sie gehört
zur Gattung der Beifussgewächse, hat aber absolut keinen
Bitterstoffgehalt und eine völlig andere aromatisch-geschmackliche
Skala, die gegenüber allen übrigen Beifussgewächsen eine andere
Verwendung bedingt. Deshalb wird Estragon als Gewürz gesondert von
den Beifussarten betrachtet.
Heimat: Ostsibirien und die Mongolische VR. Wild wachst Estragon in
den südöstlichen Gebieten der RSFSR, im nördlichen Kaukasus, in
Transkaukasien, im Ural und in Sibirien; kultiviert wird er in
Transkaukasien, zum Teil in der Ukraine und den mittleren Gebieten
der RSFSR.
Estragon wird auf vegetative Art vermehrt, wodurch das starke Aroma
der Pflanze erhalten bleibt. Bei der Vermehrung durch Samen schwächt
sich das Aroma ab, und in der 4. und 5. Generation verschwindet es
sogar gänzlich, dafür tritt nicht selten ein gewisser
Bitterstoffgehalt auf.
Estragon wird zweimal im Jahr gesammelt: Mai/Juni und August
September. Man verwendet das junge Kraut frisch oder getrocknet.
Beim Trocknen werden die Blätter von den Stielen entfernt und
gesondert getrocknet. Die Stängel nimmt man zum Einlegen von Gurken,
Tomaten und Eierfrüchten, aber auch zum Aromatisieren von Essig
(zusammen mit den Blättern).
Die Blätter eignen sich frisch und getrocknet für Salate (grüne
Salate, Gemüse-, Fisch-, Fleisch- und Kartoffelsalat) , für Fleisch-
und Fischsuppen, Borschtsch, Hühnerbrühe, aber auch für Soßen zu
Fisch und Krustentieren. Estragon harmoniert gut mit gekochtem und
besonders gedünstetem Fisch. Frisch gibt man Estragon unmittelbar
vor dem Servieren in das Gericht und getrocknet 1 min bis 2 min
bevor es fertig ist. Man kann mit frischem Estragon auch Fleisch und
Wild vor der Zubereitung einreiben. |
|
 |
| |
Counter-Box.de
|
► |
HOME |
| |
|
| |
Die Kochbücher |
| ► |
|
| ► |
|
| ► |
|
| ► |
|
| ► |
|
| ► |
|
| |
Webs |
| ► |
|
| ► |
|
| ► |
|
| ► |
|
| ► |
|
| |
|
| ► |
Themenseiten |
| ► |
|
| ► |
|
| |
|
| ► |
|
| ► |
|
| ► |
|
|
Alle Fotos auf diesen Seiten sind vom
Autor dieses Webs, wenn nicht anders angegeben
Aktualisiert am:
14.01.2010 15:04 Uhr
©
Lay 2002 - 2010 |
|
|