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| 9.
Beschreibung von Extrakten, Konzentraten
und künstlichem Gewürzersatz |
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Die Gewürze zählen seit langem zu den am
günstigsten zu transportierenden Handelsgütern. Bei geringem Ausmaß
und unbedeutender Masse enthalten sie eine bedeutende Menge an
Stoffen, die einen hohen Wert, berechnet auf die Maßeinheit, haben.
Deshalb stand die Frage der Herstellung von Gewürzkonzentraten und
Extrakten zur größeren Einschränkung der Masse und des Umfangs bis
zu Beginn des 20. Jahrhunderts überhaupt noch nicht auf der
Tagesordnung. Es erhob sich noch keine ökonomische Notwendigkeit.
Dafür wurden Versuche unternommen, solche Gewürzextrakte
herzustellen, die über ein äußerst angenehmes oder ein völlig neues
"Bouquet" verfügen und ein eigenständiges, unwiederholbares
charakteristisches Aroma aufweisen. Solcher Art sind z. B. der "Ruansker
Extrakt" der französischen Küche und der "Dresdner Extrakt" sowie
verschiedene "Gewürzsalze", die in der englischen und der
amerikanischen Küche verwendet werden. Alle stellen ihrem Wesen nach
eine Gewürzmischung dar, nur wesentlich konzentrierter und, was die
Hauptsache dabei ist, in flüssiger Form. Für einen ganzen Kessel
genügen 2 bis 3 Tropfen dieses Extraktes.
Die weitere Gewinnung von Extrakten und Konzentraten wurde nicht vom
Streben nach einer Massenverringerung beim Transport von Gewürzen
bestimmt, sondern davon, den Einsatz verhältnismäßig großer
Gewürzmengen unter den Bedingungen der gesellschaftlichen
Speisenproduktion zu erleichtern. Eine Anzahl Gewürze erwies sich,
obwohl sie unbedeutend an Masse ist, bei Verwendung in der
gesellschaftlichen Speisenproduktion wegen ihres größeren Volumens
als unzweckmäßig. Wenn z. B. für die Zubereitung von 3 bis 4
Portionen Suppe 4 bis 5 Lorbeerblätter genügen, so ergeben sich
beispielsweise bei der Herstellung von Borschtsch in einer
Betriebsküche Probleme, denn 800 bis 1000 Lorbeerblätter für einen
Kessel Suppe verwandeln sich schon in einen "Baum", der seinen Platz
braucht. Lorbeerblätter zerkochen nicht, sondern quellen im
Gegenteil noch etwas auf und werden nicht unmittelbar als Speise
verwertet.
Deshalb wurden in der ersten Zeit der gesellschaftlichen
Speisenproduktion zunächst die Gewürze, die allein wegen ihres
Duftes ständig im Haushalt zum Einsatz kommen, wie Lorbeerblätter,
Dill, Kerbel, Sellerie u. a., verdrängt. Es stand die Aufgabe,
Extrakte und Konzentrate industriell herzustellen, z. B.
Lorbeerpulver, Dillöl, Selleriesalz u. ä., die es erlaubten, etwa
1000 Lorbeerblätter oder 1000 Bund Dill durch einen Esslöffel Pulver
oder Öl zu ersetzen.
Heute produziert die Lebensmittelindustrie in der UdSSR
Lorbeerpulver (Extrakt des natürlichen ätherischen Lorbeeröls),
Dillöl (Konzentrat der ätherischen Öle von Dill), Dillessenz
(Extrakt auf Alkoholgrundlage von bedeutend geringerer Konzentration
als das Dillöl), sowie Anis-, Kümmel-, Senf-, Koriander- und
Nelkenöl, die alle in der Lebensmittelindustrie und bei der
Spirituosenherstellung Verwendung finden. Für die Backwarenindustrie
wird ein künstlicher Zimtextrakt hergestellt, wovon noch später die
Rede sein wird. Im Jahre 1970 gelang es erstmalig in der UdSSR,
einen natürlichen Safranextrakt (aus der ganzen Safranpflanze) zu
gewinnen. Das hatte zur Folge, dass die Ergiebigkeit von Safran um
das Vier- bis Fünffache erhöht wurde. Bleibt noch zu bemerken, dass
man die naturellen Gewürzextrakte auch im Haushalt verwenden kann,
aber nur in äußerst geringen Mengen. Auch dürfen sie nur in die
schon fertigen Gerichte, unmittelbar vor dem Servieren, gegeben
werden. Gibt man die Gewürzextrakte schon während des
Zubereitungsprozesses oder zum Schluss in das noch kochende Gericht,
zersetzen sie sich, und der Geschmack des Gerichtes ist völlig
verdorben. Am besten eignen sich Gewürzextrakte zum Würzen von
kalten Speisen (Salate, Fischvorspeisen) , bei denen ein Erhitzen
ausgeschlossen ist. Gewürzextrakte müssen sehr stark verdünnt
werden. Jedem entsprechenden Extrakt ist fast immer eine
Gebrauchsanweisung beigefügt, die angibt, welchen Konzentrationsgrad
er aufweist und wie er zu verdünnen ist. Diese Hinweise sind
aufmerksam zu lesen und sorgfältig zu befolgen, denn eine Verwendung
der Gewürzextrakte nach Augenmaß führt zum Verderb des Gerichtes,
unabhängig davon, ob es zu Hause oder in der gesellschaftlichen
Speisenproduktion hergestellt wird.
Wie bekannt, werden Würzgemüse und Kräuter gewöhnlich frisch
verwendet. Das bedingt ihren saisonmäßigen Gebrauch (Sommer, Herbst)
und auch großen Zeitaufwand für die Bearbeitung. Man muss z. B.
Zwiebeln, Knoblauch, Petersilie, Sellerie, Kerbel, Fenchel und
Meerrettich nicht nur sehr sorgfältig waschen, sondern auch schälen
und - oft sogar auf eine besondere Art - schneiden (ganz klein, in
dünne Streifen, reiben). Verdorbene und schlechte Stellen sind zu
entfernen. Das alles erfordert Fertigkeiten und spezielles (wenn
auch nicht gerade kompliziertes Kücheninventar (scharfe Schneid- und
Trennmesser, gute Schneidbretter) und natürlich auch Zeit. Dadurch
wird oft die Zubereitung anderer Gerichte, besonders Süßspeisen,
Backwaren und Tee, die gleichzeitig hergestellt werden, wesentlich
gestört. Sind jedoch Knoblauch-, Zwiebel- oder Selleriepulver bzw.
deren Konzentrate, die man in einem fest verschlossenen Gefäß
aufbewahren kann, vorhanden, so ist es möglich, diese und andere
Würzgemüse augenblicklich, im erforderlichen Moment und in
beliebigen Proportionen und Mengen einzusetzen. Dabei entfallen alle
genannten Schwierigkeiten.
Bedauerlicherweise ist die Produktion von Gewürzkonzentraten in der
UdSSR im Gegensatz zu anderen Ländern noch relativ begrenzt und
kommt hauptsächlich für die Lebensmittelindustrie, in Betracht. Ihre
Herstellung ist äußerst einfach und kann selbst unter häuslichen
Bedingungen durchgeführt werden. Erforderlich ist, das getrocknete
und pulverisierte Gewürz (Zwiebel, Knoblauch, Sellerie, Dill,
Fenchel, Majoran u. a.) mit dem ebenfalls gut getrockneten und
pulverartigen Kochsalz in verschiedenen Proportionen zu vermischen.
In der Regel gibt man Gewürzkonzentrate und Gewürzsalze - wie die
Extrakte - in die bereits fertigen Gerichte. Besonders vorteilhaft
sind die bei der Herstellung von Soßen, Fetten und Tunken. Mischt
man z. B. einen Teelöffel Zwiebel-, Knoblauch- oder Dillpulver
zusammen oder auch einzeln mit saurer Sahne, Öl oder Tomatensaft, so
kann man in 2 sec. bis 3 sec. seine ausgezeichnete Soße für Salate
und andere Gerichte herstellen. Außerdem können Gewürzsalze und
-konzentrate bei belegten Broten mit verwendet werden. Ein Teelöffel
Pulver von Zwiebeln, Knoblauch, Petersilie, Sellerie, Basilikum oder
anderen Gewürzen mit 2 Esslöffeln Butter gemischt ergeben Zwiebel-,
Knoblauch- oder Basilikumbutter, die den belegten Broten
verschiedene Geschmacksrichtungen verleihen.
Gewürzkonzentrate und -salze kann man aus allen Würzgemüsearten und
Kräutern herstellen. Ihre Rolle besteht letzten Endes darin, die
Verwendung von Gewürzen zu erleichtern, die Zubereitungszeit für
Speisen zu verkürzen, die Anwendungssphäre von Würzgemüse und
Kräutern zu vergrößern. Sie sollen aber auch helfen, Fehler in der
Mengenberechnung zu verhindern, die im Hausgebrauch bei einer nur
kleinen Anzahl von Portionen auftreten können.
Der relativ hohe Wert der echten tropischen Gewürze und die
Tatsache, dass vielen Ländern diese Gewürze nicht zugänglich waren,
ließen gegen Ende des 19. Jahrhunderts Versuche aufkommen,
synthetische Ersatzstoffe für die gebräuchlichsten exotischen
Gewürze zu schaffen. Das erste Gewürz dieser Art war die Vanille,
die vielfach in der Konditoreiwaren- und Spirituosenindustrie
verwendet wird. Versuche, um einen Vanilleersatz, das Vanillin, zu
schaffen, wurden nacheinander in Großbritannien (Gobli 1858), in
Deutschland (Thiemann und Hermann 1874 und 1876) und in Frankreich
(de Leaire 1891) unternommen. Jedoch war anfangs die Produktion von
Vanillin weniger rentabel als das Beschaffen echter Vanille. Erst zu
Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Herstellung von Vanillin aus
Nelkenöl (Eugenol) und den safrolhaltigen Ölen anderer Pflanzen so
verbessert, dass ein Preissturz für "echte Vanille" (fast um das
Neunfache) die Folge war. Der Vormarsch des Vanillins dauerte jedoch
nicht lange; denn es stellten sich viele schlechte Eigenschaften
heraus, und in einigen Ländern wurden Konsumentenvereinigungen
geschaffen, die gegen das Vanillin auftraten. (Die "Liga zum Schutze
der Vanille" in Frankreich umfasste 6 Millionen Mitglieder.)
Als in den 30er Jahren unseres Jahrhunderts die Herstellung von
Vanillin nicht mehr aus den teuren und knappen Gewürzrohstoffen
(Nelkenöl), sondern aus dem Safrol des Kampferlorbeers und sogar aus
dem Lignin der Holzfaser junger Fichten erfolgte, wurden die Preise
für Vanillin noch weiter gesenkt, während die für die echte Vanille
weiter erhöht wurden. Ferner gewann man aus dem gleichen Rohstoff
die Arznei Papaverin. Dieses synthetische Fichten-Vanillin ersetzt
heute meist die Vanille. Leider wird wegen der geringen
Herstellungskosten jenes Vanillins der Frage des Vanilleersatzes
durch andere Pflanzen nicht weiter nachgegangen, obwohl auf dem
Gebiet der UdSSR z. B. die sog. Orchidee Eurasiens (orchis fusca)
verbreitet ist, deren getrocknete Blätter nach Vanille riechen.
Vanillin kommt jetzt entweder in Form von reinem Vanillepulver oder
in verschiedenen Mischungsverhältnissen - gemischt mit Puderzucker -
unter der Bezeichnung "Vanillezucker" in den Handel. Im
letztgenannten Fall ist die Konzentration sehr gering, das ist beim
Backen zu berücksichtigen. Vanillin, gemischt mit Zucker, ist nicht
sehr widerstandsfähig, es verdirbt schnell und riecht auch schnell
aus bei längerer bzw. unsachgemä6er Lagerung im Betrieb, in der
Verkaufsstelle oder im Haushalt. Deshalb ist die Verwendung von
Vanillinpulver vorteilhafter als die von Vanillezucker. Vanillin hat
einen brennend-bitteren Geschmack und einen schärferen, stärkeren
Geruch, als die echte Vanille. Dieser Geruch ist jedoch ziemlich
einheitlich und hat nicht die Feinheiten der Vanille. Deshalb muss
man Vanillin sehr vorsichtig verwenden, die bekannten Hinweise und
seine physikalisch-chemischen Eigenschaften berücksichtigen.
Vanillin darf niemals direkt in das Erzeugnis oder in das Gericht
gegeben werden; es ist vorher aufzulösen. In kaltem Wasser löst sich
Vanillin allerdings schlecht und setzt sich gewöhnlich auf dem Boden
des Gefä6es ab. In heißem Wasser verdampft es schnell und wird
bitter. Deshalb wird empfohlen, Vanillin in Alkohol (z. B. Wodka)
aufzulösen und einen Vanillesirup herzustellen, mit dem man dann das
schon fertige Erzeugnis tränkt oder den man in den Teig gibt.
Andere künstliche Gewürze sind nicht so weit verbreitet wie der
Vanille-Ersatz. In der Lebensmittelindustrie kommt noch ein
synthetischer Zimtextrakt (flüssig) verschiedener Konzentration,
bestehend aus 96 % Aldehyd mit Zimtgeruch und 4 % Eugenol, zum
Einsatz. In einigen Ländern verwendet man auch einen pulverförmigen
Ersatz für Zimt, Nelken, Muskatnuss und Safran. Alle diese
Ersatzmittel bestehen gewöhnlich aus einem für die Gesundheit völlig
unschädlichen pflanzlichen Füllstoff mit einem neutralen Geruch und
Geschmack (z. B. Strohmehl) und einer synthetischen Essenz, die den
Geruch des einen oder anderen Gewürzes aufweist. |
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| 10.
Richtige Verwendung von Gewürzen
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Es ist bekannt, dass richtiges Salzen mitunter
schon eine Kunst ist, die bei weitem nicht jedem gegeben ist. Man
benötigt dazu Sorgfalt, Einfühlungsvermögen, ein Gefühl des Maßes
sowie guten Tast- und Geruchssinn. Noch wesentlich wichtiger sind
diese Eigenschaften für das Würzen von Speisen. Das ist schon fast
eine Kunst für sich, die mit den Kenntnissen und Fähigkeiten eines
Kochs verbunden werden muss
Wie oft trifft man Menschen, die nicht recht wissen, was sie kochen
sollen, da die Lebensmittel immer ein und dieselben seien und es
keine "neuen" Produkte gäbe. Das stimmt natürlich nur bedingt, denn
Fleisch, Fisch, Gemüse, Pilze, Obst, Fette und Öle, Milchprodukte,
Teigwaren und Mehl bieten vielfältige Möglichkeiten der Zubereitung,
z. B. kochen, braten, einsalzen, süßen oder säuern. Gerichte, die
sich durch Konsistenz, Geschmack und Aroma unterscheiden, gibt es
also Tausende und aber Tausende! Man muss es eben nur verstehen, aus
den gleichen Lebensmitteln geschmacklich und aromatisch
unterschiedliche Gerichte zuzubereiten. Aus den einfachsten
Lebensmitteln, z. B. Kartoffeln oder Kohl, Reis oder Fisch, kann ein
guter Koch nicht einfach ein gutes, sondern auch ein sehr
schmackhaftes und neues Gericht herstellen. Und dabei helfen ihm oft
die Gewürze, wenn er mit ihnen auf "Du und Du" steht. Das bedeutet,
dass man einen sehr feinen und gut ausgeprägten Geschmack haben oder
entwickeln muss, ohne den selbst bei genauester Befolgung der
Rezepturen und der technologischen Richtlinien kein schmackhaftes
Gericht zubereitet werden kann. Das ist ausschlaggebend dafür, dass
man mit einer kleinen Menge Salz, Zutaten und hauptsächlich Gewürzen
dem Gericht "die rechte Würze geben kann" - wie die Köche zu sagen
pflegen.
Nicht jeder kann die Kochkunst vollendet beherrschen, aber die
grundlegenden Verfahrensweisen und Regeln für die Verwendung von
Gewürzen sollte man sich aneignen.
Es sei nochmals unterstrichen, dass das Charakteristischste für die
Verwendung von Gewürzen die Vielfalt ihrer Anwendungsmöglichkeiten
ist. Man kann natürlich ein Gericht ohne nachzudenken einfach bloß
pfeffern, mit Senf bestreichen oder auch mit Knoblauch bestreuen.
Gewürze lassen sich aber auch völlig anders verwenden, nämlich so,
dass man sie nicht unmittelbar in das Gericht gibt. In Frankreich z.
B. werden dem Geflügel etwa eine Woche vor dem Schlachten Gewürze
(Paprika, Knoblauch, Zimt, Ingwer, Bohnenkraut} ins Futter gemengt,
wodurch das Fleisch einen außerordentlich feinen Geschmack erhält.
Gewürze können im Unterschied zu den anderen Zutaten zu den
verschiedensten Zeitpunkten eingesetzt werden, angefangen von dem
Augenblick, da z. B. das Stück Fleisch noch nicht zerlegt ist, bis
zu dem Moment, wo das Gericht vom Feuer genommen und serviert wird.
Schon allein diese Tatsache sollte eine Vorstellung davon geben, wie
groß die Einsatzmöglichkeiten für Gewürze sind und wie viele
erwünschte und überraschende Resultate sie in der Küche
hervorbringen können.
Vor allem muss jedoch bekannt sein, für welchen Zweck die Gewürze
verwendet werden sollen und wie sie die anderen Zutaten und den
Gesamtgeschmack des Gerichtes beeinflussen. |
REZEPT
½ Päckchen Vanillin wird in 10 g Alkohol oder 25 g Wodka
aufgelöst. Dann gibt man 200 g Zucker in ½ Glas Wasser und
bringt es zum Kochen, so dass sich ein Sirup ergibt. Ist der
Sirup abgekühlt, gibt man die Alkohol Vanillelösung hinzu.
Diesen Sirup kann man nach Bedarf verwenden.
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| 10.1. Ziele der Anwendung |
Gewürze eignen sich zu verschiedenen Zwecken:
1.Zum Verändern eines unangenehmen oder eines natürlichen
Eigengeruches der Ausgangsprodukte oder des bereits fertigen
Gerichtes.
2.Zur Verbesserung des äußeren Eindrucks des Gerichtes, indem man ihm
eine entsprechende Farbe, einen besonderen Geruch oder auch beides
verleiht.
3.Um dem Gericht ein völlig neues Aroma zu verleihen, das dem
Ausgangsprodukt nicht eigen, aber für das eine oder andere Gewürz
oder die Mischung charakteristisch ist.
4.Um dem Gericht einen besonderen Geschmack zu
verleihen. 5. Zur Erhöhung der Haltbarkeit der Lebensmittel oder des
fertigen Gerichtes, zum Konservieren, um einen schnellen Verderb zu
verhindern.
Im Prozess der Speisenzubereitung können diese Ziele einzeln oder
insgesamt gestellt und erfüllt werden, je nach der konkreten
Aufgabe. Es ist verständlich, dass auch die Wirkung der Gewürze auf
die Speisen immer davon abhängig ist, welche Ziele verfolgt werden.
Mit anderen Worten: Die Wirkung der Gewürze muss kontrolliert werden
und darf nicht dem Zufall überlassen bleiben. |
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| 10.2. Wirkung der Gewürze |
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Gewürze können die Lebensmittel bzw. Speisen
durch ihre Farbe und ihr Aroma veredeln. Farblich können sie in
zweifacher Hinsicht einwirken, nämlich dem Gericht einen hellen
angenehmen Ton verleihen, bzw. können sie die Lebensmittel
"maskieren". So läßt sich z. B. bei Fleisch der Anschein des
"goldgelb knusprigen Tons" hervorrufen - auch wenn es nicht gebraten
wurde -, indem man die entsprechenden Gewürze einsetzt: meist
Kurkuma, Safran, das frische helle Grün von Dill, Kerbel, Fenchel,
Sellerie, Koriander, Basilikum und andere Würzkräuter. Es ist jedoch
zu beachten, dass die Farbgebung nicht nur vom "Färbemittel", also
vom Gewürz, abhängt, sondern auch davon, welches Lebensmittel
„gefärbt“ werden soll. Ein helles Färbemittel gibt nur den
gewünschten Effekt, wenn die natürliche Oberfläche des Lebensmittels
ideal weiß aussieht, wie es meist bei Reis und frischem Fisch der
Fall ist. In allen anderen Fällen ist es zweckmäßiger, eine
"deckende" Farbe zu verwenden, die in der Lage ist, eine
unvorteilhaft graue oder andere unbestimmte Farbe zu überdecken.
Hauptsächlich aber veredeln Gewürze den Geschmack und den Geruch der
Speisen und wirken wie folgt auf das Lebensmittel bzw. Gericht ein:
1. Sie unterdrücken oder neutralisieren den Geruch der Rohware. Zu
diesem Zweck geht man folgendermaßen vor: Fleisch oder Fisch mit
einem Beigeruch wäscht man in kaltem Wasser, bevor man sie mit
Gewürzen bestreut. Außerdem kann man das Fleisch vorher in Wasser
legen, das mit Minze, Knoblauch, Zwiebeln gewürzt wurde, und es
darin 30 min bis zu 2 h liegen lassen. Danach wird Fleisch zerlegt.
und mit den anderen Gewürzen zubereitet.
Fischgeruch "zu korrigieren" ist schwieriger. Wenn frischer Fisch
einen etwas muffigen Beigeruch hat, so sollte man ihn mit
Meerrettich oder Zwiebel sowie mit schwarzem Pfeffer und Dill
einreiben, ungefähr 20 min liegen lassen, erneut abwaschen und
zubereiten. Dabei sind wiederum Gewürze einzusetzen, und zwar nach
Rezept und Art des Gerichtes.
Zuerst das alte Aroma beseitigen, neutralisieren; dann kann man
einen neuen Geruch mit Hilfe von anderen Gewürzen hervorrufen. Das
erfordert Fingerspitzengefühl beim Würzen und eine
abwechslungsreiche Verwendung der verschiedenen Mischungen
Diese Seite der Wirkung der Gewürze ist leider noch zu wenig
bekannt, sogar auch bei sonst erfahrenen Köchen. Und dabei machen
die Gewürze das Fleisch erst weich. Sie verleihen schwachen,
schlaffen und zähen Muskelfasern Elastizität, machen sie
verdaulicher. Sie verhindern ein schnelles Zerkochen des Fisches und
verkürzen gleichzeitig die Garzeiten. All das trägt dazu bei,
Vitamine und andere nützliche Wirkstoffe in den Speisen, die mit
Gewürzen zubereitet wurden, zu erhalten.
2. Sie bereichern die Speise mit einem neuen
Aroma.
3. Sie geben dem natürlichen Aroma des Lebensmittels eine neue
Nuance, die einen gewissen Kontrast bildet.
4. Sie verstärken das Aroma des Gerichtes.
5. Sie verleihen dem Gericht ein neues und ungewöhnliches Aroma und
eine Schärfe, die sowohl für das Ausgangsprodukt als auch für das
Gewürz charakteristisch ist.
6. Sie unterdrücken manchmal auch das ursprüngliche Aroma, selbst
dann, wenn es nicht unangenehm ist.
7. Sie veredeln Lebensmittel, indem sie auf ihre Struktur und
Zusammensetzung einwirken. Sie fördern nicht nur eine bessere
Haltbarkeit und Frische, sondern verbessern auch die Konsistenz
einer Reihe Lebensmittel, besonders Fleisch und Fisch.
Allerdings geht von den Gewürzen nicht nur ein positiver Einfluss
aus. Ihre falsche Handhabung kann sich recht nachteilig auf die
Speisen auswirken. |
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| 10.3.
Negative Eigenschaften der Gewürze
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Bei Nichtbeachtung der Mengenangaben, ja sogar
bei richtiger Dosierung aber Überhitzung können die Gewürze dem
Gericht einen bitteren Geschmack verleihen. Sie können ein Gericht
auch bei falscher Verbindung mit solchen Stoffen, die eine
Extrahierung verstärken (z. B. bei einer Erhöhung der Salz- und
Essigzugabe) scharf und bitter machen.
Ein durch Würzen bitter gewordenes Gericht zu verbessern, ist
praktisch nicht möglich. Ein zu scharfes Gericht kann man noch
retten, wenn der Schärfegrad relativ gering ist. In diesem Falle
kann man entweder noch Flüssigkeit (Wasser, Brühe, Fruchtsäfte) oder
Mus (Apfel-, Tomaten-, Pflaumenmus) bzw. neutrale aufsaugende
Lebensmittel (Reis, Kartoffeln, Nudeln) hinzugeben.
Die Kenntnis von der Wirkung und den Eigenschaften der Gewürze hilft
natürlich dem Koch, Geschmack und Aroma des Gerichtes zu gestalten.
Aber das allein genügt noch nicht. Der Geschmack des Gerichtes, zu
dem Gewürze verwendet werden, hängt auch noch von einer Reihe
anderer Bedingungen ab. |
| 10.4.
Sauberkeit und Sorgfalt beim
Verwenden von Gewürzen |
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Man kann mit Gewürzen nur mit trockenen Händen
und Arbeitsgegenständen, an einem trockenen Arbeitsplatz und in
einem trockenen Raum arbeiten. Dunst, Dampf oder der Geruch eines
nicht entleerten Abfalleimers können die Anstrengungen einer
Hausfrau zunichte machen.
Frisches Würzgemüse und frische Kräuter werden am besten auf einer
Plastik-, Porzellan- oder Keramikunterlage zerkleinert und nicht auf
Holzbrettern, da sie die wertvollen Säfte und das Aroma der Gewürze
aufsaugen und diese den Brettern noch lange Zeit anhaften. Nur ein
frisches, gut gewaschenes und von anderen Gerüchen und Beimischungen
befreites Lebensmittel kann man würzen und dadurch ein feines und
angenehmes Aroma erreichen-
Deshalb also Sauberkeit und Sorgfalt beim Umgang mit Gewürzen. |
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| 10.5.
Maß und Menge beim Verwenden von
Gewürzen |
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Die Hauptsache ist: Nicht überwürzen! Das
bedeutet, dass man einem Gericht nur die benötigte und ausreichende
Menge hinzufügen darf, damit das Gewürz weder im Gericht fehlt, noch
den natürlichen Geschmack seiner Bestandteile unterdrückt, sondern
ihn nur abwandelt oder verstärkt. Werden für ein Gericht mehrere
Gewürze verwendet, so muss ihre Verbindung so fein und kaum spürbar
sein, dass nur der beim Verzehr die Gewürze aufzählen kann, der sie
verwendet hat. Die Kunst besteht darin, dass weder die Gewürze ins-
gesamt noch ein Gewürz aus einer verwendeten Mischung aus dem
Gericht hervor schmecken. Wird Salz verwendet, so hilft in vielen
Fällen die Mengenangabe: auf ein Kilogramm Fleisch oder 1 Liter
Wasser 1 Teelöffel voll usw. Diese Menge bleibt mehr oder weniger
konstant. Bei Gewürzen jedoch wird es komplizierter. Hier verändert
sich die Menge nicht nur in Abhängigkeit vom Umfang oder von der
Masse des Lebensmittels, sondern auch von seiner Fähigkeit, Gewürze
aufzunehmen oder zu neutralisieren, von seinem natürlichen Geruch
oder etwaigem Beigeruch, von der Konsistenz, von der Art der
thermischen Bearbeitung und der Art des Gerichtes, schließlich von
der Temperatur des Gerichtes oder sogar des Raumes.
So nimmt man für 1 kg Fisch mehr Gewürze als für 1 kg Gemüse oder
Fleisch. Kochen erfordert eine geringere Gewürzeinlage als das
Braten der gleichen Lebensmittel. Für kalte Gerichte kommen mehr
Gewürze zum Einsatz als für warme Speisen. Aus dem Gesagten darf
aber keinesfalls die Schlussfolgerung gezogen werden, zu wenig oder
überhaupt keine Gewürze zu verwenden. Kein Gewürz gleicht dem
anderen. Eine Angabe von Verbrauchsgrenzen für das eine oder andere
Gewürz ist nicht möglich. Einige Gewürze, z. B. Zwiebel, Knoblauch,
Petersilie oder Dill, kann man im Vergleich zu anderen Gewürzen oft
in relativ großen Mengen verwenden. Gleichzeitig hat
jedes Gewürz seine Grenzen, die man nicht überschreiten darf, ohne
den Geschmack der Speisen zu verschlechtern. Diese Feststellung gilt
sowohl für die relativ harmlose Zwiebel als auch den äußerst
heimtückischen Safran. Wenn man vom Würzgemüse mehrere Gramm
verwenden kann, so werden die Würzkräuter (besonders die
getrockneten) nur in Zehntel Gramm und die klassischen Gewürze in
der Regel in Hundertstel Gramm verwendet. Beispielsweise reichen 100
g gemahlener schwarzer Pfeffer für einen Menschen gewöhnlich 5 bis 6
Jahre, was im Mittel 1,5 g im Monat bzw. 0,05 g je Tag ausmacht. Und
das trifft nur bei einer täglichen systematischen Verwendung zu, was
bekanntlich selten vorkommt. Bei getrockneten Würzkräutern, sogar
bei den gebräuchlichsten, reichen 100 g für eine Familie von 4
Personen ebenfalls Jahre, vorausgesetzt, dass es verschiedene
Kräuter sind.
Natürlich läßt sich die tägliche Norm nicht in Hundertstel Gramm
ausdrücken, deshalb sind Massenangaben nur in der gesellschaftlichen
Speisenproduktion üblich. Im Haushalt dagegen misst man Gewürze im
ganzen nach Körnern, Blättern, Zweigen, Knospen bzw. Zehen und
gemahlene Gewürze nach "Teelöffeln" oder "Messerspitzen".
Diese Berechnung ist nicht so subjektiv, wie es scheinen mag. Ein
Gramm entspricht z. B. ½ Muskatnuss, 5 Kapseln Kardamom, 1,5
Nelkenknospen, 17 Körnern Jamaika-Pfeffer, 28 schwarzen
Pfefferkörnern, 8 bis 9 mittleren Lorbeerblättern und 125
Korianderkörnern. Die Masse eines gehäuften Teelöffels voll
getrockneter und gemahlener Kräuter schwankt zwischen 2 g und 3 g.
Die bei der Beschreibung der einzelnen Gewürze angegebenen Mengen
für eine bestimmte Masse bzw. für ein bestimmtes Volumen an
Lebensmitteln sind nur Richtwerte und auf keinen Fall als absolut
verbindlich anzusehen, da diese Mengen in jeder konkreten Situation
nach der einen oder anderen Seite abweichen können. |
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| 10.6. Zeitpunkt des Würzens |
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Die Mengen sind von der Art und Weise ihres
Einsatzes abhängig: 1 g Pfefferkörner und 1 g gemahlener Pfeffer ist
absolut nicht dasselbe, ihre Würzkraft ist recht unterschiedlich.
Je feiner die Gewürze gemahlen sind, um so schneller und
vollständiger werden sie extrahiert: Deshalb nimmt man von den
gemahlenen Gewürzen immer weniger für ein Gericht als von den ganzen
Gewürzen. Die ganzen Gewürze ergeben ein schwächeres, aber dafür
feineres, nicht so scharfes Aroma und keinen brennenden Geschmack.
Mit ihnen kann man nicht so schnell ein Gericht verderben. Ein
überwürzen ist fast ausgeschlossen, da man es nicht mit
"Streumaterial", sondern mit einer ganz bestimmten Maßeinheit zu tun
hat, und zwar mit Körnern, Blättern, Knospen, Stangen (wenn es sich
um klassische Gewürze handelt) und Bündel oder Wurzeln (wenn es sich
um Würzkräuter handelt) .
Sollten bei einer Kostprobe auch nur die geringsten Anzeichen von
Bitterstoffen wahrnehmbar sein, so lassen sich die ganzen Gewürze
noch rechtzeitig aus dem Gericht herausnehmen. Deshalb wird dort, wo
es möglich ist, der Einsatz von ganzen Gewürzen bevorzugt, z. B. für
Suppen, Kompott und andere flüssige Gerichte, darunter auch für
Marinaden und Salzlaken, sowie auch in den Fällen, wo sich ein
langes Erhitzen der Gerichte und die Anwendung hoher Temperaturen
erforderlich machen oder bei Verwendung solcher Produkte, die die
Gewürze stärker auslaugen (Wein, Essig u. a.). Sind keine ganzen
Gewürze vorhanden, so kann man - wenn man nicht zu stark würzen will
- auch gemahlene verwenden, diese in kleine Leinensäcke einnähen und
an einem Faden eine bestimmte Zeit in das Gericht hängen.
Eine Mittelstellung zwischen den ganzen und den gemahlenen Gewürzen
nehmen die zerbrochenen, zerstückelten, geschnittenen und
zerdrückten Gewürze ein. Sie werden dann genommen, wenn ein
vollständiger Auszug der Extraktstoffe aus den Gewürzen ohne
Temperaturerhöhung und ohne Verlängerung der Zeit oder nur eine
mittlere Schärfe an Aroma und Geschmack bei einer unbedeutenden
Temperaturerhöhung erreicht werden soll. Zum Salzen, Säuern und für
Marinaden verwendet man z. B. Gewürze, vorwiegend Würzgemüse und
Kräuter, geschnitten (Dill)! zerbrochen (Lorbeerblätter),
zerstückelt (Paprikaschoten) oder zerdrückt (Kümmel, Anis,
Knoblauch), während man bei Suppen den schwarzen Pfeffer zerdrückt
hinzu gibt, um einen mittleren Schärfegrad zu erzielen.
Gemahlene Gewürze gibt es in zwei Arten: Pulver und Puder. Am
meisten werden Pulver oder selbst gemahlene Gewürze verwendet (mit
einem Feinheitsgrad etwa von Grieß bis zu feinem Salz). Sie eignen
sich für alle warmen Gerichte und werden einige Minuten, bevor das
Gericht (Salate, Hackmasse und Konditoreiwaren) fertig ist, hinzu
gegeben
Puder wird relativ selten genommen, und zwar nur für schon fertige
Gerichte oder Konditoreiwaren, wie für belegte Brote, Soßen,
Butterkrem, und zum Bestreuen von Backwaren.
Die. Form des Würzens ist also mit dem Zeitpunkt des Würzens und -
der Temperatur des Gerichtes eng verbunden. Je gröber das Gewürz
ist, um so länger kann man es in der Speise belassen, je feiner es
ist, um so kürzere Zeit darf es in der Speise verbleiben, um so
weniger soll die Temperatur darauf einwirken. Sträußchen
getrockneter Kräuter, Säckchen mit gemahlenen Gewürzen und Bouquets
aus frischen Kräutern kann man sowohl in kalten als auch in
lauwarmen Soßen eine ganze Stunde belassen, aber in kochende Suppen
dürfen sie nur einige Minuten getaucht werden. Pfefferkörner und
Pfefferschoten verschiedener Art kann man beim Salzen und Säuern
monatelang in der Marinade liegen lassen, aber gemahlenen Pfeffer
gibt man in das Gericht 1 min bis 2 min vor Fertigstellung.
Frische Würzkräuter und Würzgemüse sind klein geschnitten genau- so
empfindlich für Temperaturerhöhung wie gemahlene Gewürze, in einigen
Fällen sogar noch empfindlicher, weil sie noch stärker auslaugen als
die trockenen gemahlenen Gewürze. Dazu gehören z. B. Knoblauch,
Dill, Sellerie, Basilikum, Bohnenkraut und Kerbel. Deshalb darf man
diese Gewürze höchstens 2 min vor Fertigstellung des Gerichtes oder
am besten kurz danach hinzugeben. In diesen heißen, aber nicht mehr
kochenden Gerichten können die Gewürze noch gut 2 min bis 3 min
ziehen und ihr Aroma an die Speise abgeben.
Die Temperatur und das Erhitzen sind u. a. auch ein Maßstab für die
Dosierung der Gewürze. Die geringste Überschreitung der zulässigen
Einsatzmenge wirkt sich sogar bei normaler Erhitzung unverzüglich
aus, da sie zur Bildung von Bitterstoffen führt. Man kann deshalb
bei kalten Gerichten mit Gewürzen wesentlich leichter Missbrauch
treiben als bei warmen Speisen. Beim Dosieren der Gewürzmengen darf
das "Dosieren" der Temperatur nicht außer acht gelassen werden.
Beispielsweise kann ein erneutes Aufwärmen der Speisen mit normaler
Gewürzmenge den Geschmack des Gerichtes verderben. Deshalb soll man
Gerichte mit Gewürzen nicht stehen lassen und ein zweites Mal
aufwärmen. Sogar ohne erneutes Auf- wärmen können die Gewürze nach
einer bestimmten Zeit ihren ursprünglichen Geschmack und ihr Aroma
verändern. Gerichte mit Gewürzen sind also am besten frisch
zubereitet zu verzehren.
Nicht nur die Unterschiede in der thermischen Bearbeitung, sondern
auch das Milieu, in das die Gewürze bei der Zubereitung kommen,
haben einen nicht geringen Einfluss auf die Entfaltung des Aromas
und des Geschmacks der mit Gewürzen zubereiteten Speisen. |
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| 10.7.
Würzmischungen in verschiedenen
Medien |
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In verschiedenen Medien reagieren die Gewürze
auch unterschiedlich. Mit größter Intensität werden sie in Alkoholen
und Säuren ausgelaugt, wobei sich in der Regel jedoch ihr Charakter
verändert; sie werden schärfer, brennender, bitterer, ihre besten
Eigenschaften - Aroma und Feinheit des Geschmacks - treten zurück.
Deshalb sollte man Gewürze am besten nicht mit solchen Medien
reagieren lassen oder die Reaktion wenigstens auf ein Minimum
reduzieren. Auf jeden Fall sind bei der Verwendung von Essig die
Gewürzzugaben bedeutend zu senken. Das gleiche gilt auch für
Alkohol, obwohl hier die Gewürze nicht so stark extrahiert werden.
In Wasser dagegen lösen sich die Gewürze schon wesentlich weniger;
wobei die Löslichkeit mit der Erhöhung der Wassertemperatur direkt
proportional steigt. Das Wasser ist dabei als normales Medium für
die Gewürze zu betrachten. Der Einsatz von Gewürzen in Wasser ist
immer in Abhängigkeit von der Temperatur und der Dauer der
Einwirkung vorzunehmen.
Setzt man Gewürze Fetten und Pflanzenölen zu, gelten schon wieder
andere Gesetze. Gewürze geben bei schwachem und gemäßigtem Erhitzen
der Fette, bei ständigem starken Erhitzen ohne Kochen die feinsten
und besten Teile ihres Aromas, wenn auch nicht besonders intensiv,
so doch "bereitwillig" ab. Deshalb kann man bei Fetten und Ölen die
Gewürzmengen unbedenklich ein wenig erhöhen. Jedoch können die
Gewürze in Fetten und Ölen bei hohen Temperaturen, besonders beim
Sieden, sehr schnell verfliegen und völlig ohne Rückstand
verbrennen. In diesen Fällen ist das Aroma auch bei der Einlage von
größeren Mengen fast nicht wahrzunehmen. Deshalb muss man Würzgemüse
(Zwiebeln, Petersilie, Pastinak, Fenchelknollen) in Fetten und Ölen
außerordentlich vorsichtig anschwitzen (am besten in einer
Kasserolle .oder in einem Topf mit ovalem Boden auf schwachem
Feuer), bis sie einen goldgelben Schimmer annehmen. Fett ist vor der
Zugabe von Würzgemüse gut zu erhitzen (zerlaufen lassen). Da die
Grundbestandteile der Gewürze, durch die sie ihr Aroma erhalten,
verschiedene ätherische Öle und andere flüchtige Verbindungen sind,
besteht die Kunst der Zubereitung darin, eine maximale Menge an
ätherischen Ölen in der fertigen Speise zu erhalten. Diese Aufgabe
ist nicht leicht, denn die ätherischen Öle verdunsten infolge ihres
erhöhten Flüchtigkeitsgrades bei Erwärmung sehr leicht. Andererseits
kann sich aber auch das Aroma der Gewürze erst richtig entfalten,
wenn sie bis zu einem gewissen Grad erhitzt werden. Diese
Widersprüche sind beim Kochen zu berücksichtigen, d. h., dem Aroma
ist die Möglichkeit zu geben, sich zu entfalten; gleichzeitig muss
aber verhindert werden, dass sich das Aroma aus dem Gericht
verflüchtigt. Dann genügt nicht nur, den Deckel fest verschlossen zu
halten. Hier sind noch andere Kniffe anzuwenden, z. B. das richtige
Auswiegen der Temperatur der Gerichte und der Medien, die
unterschiedliche thermische Bearbeitung bei ein und demselben
Gericht, sowie verschiedene Arten der Zugabe von Gewürzen. |
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| 10.8. Grundemulsionen |
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Die Gewürze kann man auch ohne jedes Medium
unmittelbar den kalten oder warmen Gerichten zusetzen. So ist es
möglich, bereits fertigem Käse noch Kümmel, Salbei oder Rosmarin
zuzugeben und gegrillte Fleischgerichte würzt man mit Paprika oder
Pfeffer, Zwiebeln, Knoblauch und Koriander. Überwiegend werden
jedoch die Gewürze in die Speise oder in das Medium mittels einer
Grundemulsion gegeben, deren Hauptaufgabe darin besteht, das Aroma
der Gewürze im Gericht zu erhalten und zu fixieren. Die
Grundemulsionen haben meist eine adsorbierende und einhüllende
Funktion: sie saugen das Aroma in sich auf und "fixieren" es an
diesem oder jenem Lebensmittel.
Die Grundemulsionen sind gleichzeitig Gewürzträger und
kontroll-verstärkende Begleiter, mit deren Hilfe die Gewürze nicht
nur in engeren Kontakt mit dem Produkt treten, sondern sie werden
teilweise auch stärker ausgelaugt, da diese Emulsionen auch gewisse
Säuren enthalten können. Die am meisten verbreiteten Gewürzträger
sind verschiedene Soßen mit einer Ei-, Mehl-, Butter- oder
Milchgrundlage oder Zutaten pflanzlicher Herkunft mit einer sauren
oder süß-sauren Grundlage (Apfel-, Pflaumen-, Quittenmus,
Tomatenmark, Zitronen-, Orangen-, Granatapfelsaft). In Soßen werden
die Gewürze hauptsächlich fixiert, in Zutaten wird ihr Aroma
intensiviert. Deshalb hängt die Auswahl der Soße oder der Zutat
davon ab, welche würzig-aromatische Nuance man einem bestimmten
Gericht verleihen will.
Durch Hinzufügen von Salz und Zucker kann man den Grundemulsionen
entweder eine salzige oder eine süße, aber auch eine süß-saure
Geschmacksrichtung geben. Nicht selten ist eine Änderung der
Geschmacksrichtung mit einer Änderung des Verwendungszwecks ein und
derselben Gewürze verbunden. So kann die gleiche Zusammensetzung von
Muskatnuss, Kardamom, schwarzem Pfeffer und Safran mit einer
salzigen Emulsion für Fischgerichte und mit einer süßen Emulsion für
Konditoreiwaren verwendet werden. In Grundemulsionen heben sich die
Gewürze besser ab, sie werden milder, wohlschmeckender und pikanter,
je nach dem Charakter der Grundlage. Auf diese Weise unterstützen
die Grundemulsionen die Gewürze beim Entfalten ihrer
aromatisch-geschmacklichen Skala und bringen damit Abwechslung in
die Speisenpläne. Die Verwendung von Soßen als Grundemulsion für
Gewürze ist für die westeuropäische, besonders für die französische
Küche charakteristisch, die sehr viele Soßen kennt. Saure und
süß-saure Zutaten pflanzlicher Herkunft werden hauptsächlich in den
Küchen von Armenien und Grusinien und im Nahen Osten verwendet. |
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14.01.2010 15:04 Uhr
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