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Traditionelle Küche
Kerbelrübe, Haferwurz, Portulak - nie davon gehört? Dann sollten Sie
diese und andere Gemüsesorten aus Großmutters Zeiten unbedingt einmal
probieren.
Alte Kochbücher - und daraus stammen
diese Begriffe - lassen sich bisweilen nur mithilfe eines Lexikons
lesen. Des Rätsels Lösung: Es handelt sich um Gemüsesorten.
Einige Spezialitäten von anno dazumal
sind heute fast verschwunden. Eine Haferwurzel oder Kerbelrübe zu
bekommen gelingt nur mit guten Kontakten zu spezialisierten Gärtnern
oder Händlern.
Reiches Aroma, viele Nährstoffe
Anlass genug. den alten Gemüsesorten
mehr Aufmerksamkeit zu schenken, damit sie nicht in einigen Jahrzehnten
endgültig aus den Gärten und von den Feldern verschwunden sind. Und für
experimentierfreudige Köchinnen und Köche gibt es mit Großmutters
Rezepten viel zu entdecken: die Süße einer Pastinake, die kräftige Würze
der Wurzelpetersilie. die Zartheit der Teltower Rübchen oder das feine
Artischockenaroma vom Topinambur.
Zudem überzeugen viele alte
Gemüsesorten durch ihren ungewöhnlich hohen Nährstoffgehalt. Kein Gemüse
hat so viel vom Sportler-Mineralstoff Magnesium zu bieten wie die feinen
Portulakblätter, die auch unter dem Namen Postelein verkauft werden.
Wenn Sie die fleischigen grünen Blätter auf dem Wochenmarkt entdecken,
bereiten Sie sich daraus am besten einen würzigen Salat oder
Kräuterquark zu.
Der Topinambur (Erdbirne,
Jerusalem-Artischocke) überzeugt durch hohen Eisengehalt - interessant
für Vegetarier. Nach der Entdeckung Amerikas wurden die weißen bis
leicht violetten Knollen in ganz Europa angebaut. Als Sattmacher
retteten sie im Dreißigjährigen Krieg viele vor dem Verhungern.
Der hohe Ballaststoffgehalt des
Topinamburs kann allerdings Blähungen auslösen - wer den feinen,
nussigen, an Artischocken erinnernden Geschmack erleben will, sollte
also mit einer kleinen Menge beginnen. Die Knollen werden gebürstet oder
geschält, man kann sie kochen, braten oder als Salat zubereiten. Anfang
des 8. Jahrhunderts vertrieb die Kartoffel den Topinambur und übernahm
seinen Platz als Grundnahrungsmittel.
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Vitamine aus der Wurzel
Petersilienwurzeln und Pastinaken
finden wir im Suppengrün. Allerdings können die beiden mehr, als nur
einer Gemüsebrühe Aroma verleihen. Zum Glück verkaufen gute Händler sie
mittlerweile auch einzeln. Wurzelpetersilie gibt es den gesamten Winter
über. Sie liefert ähnlich viel Vitamin C wie die Kiwi. Ihre
Geschmacksstoffe regen den Appetit an und aktivieren die Nieren.
Petersilienwurzeln müssen nur geschält
werden. Roh erinnern sie an süße Mohrrüben, gekocht geben sie noch mehr
Geschmack frei. Also unbedingt in Würfel oder Scheiben geschnitten als
würzige Beilage probieren. Mit Brühe zur Suppe püriert und mit Sahne
verfeinert, entwickelt sich die unscheinbare Wurzel zur Delikatesse.
Die abschätzig auch Hammelmöhre
genannte Pastinake unterscheidet sich äußerlich von der Wurzelpetersilie
nur am Stielansatz: Bei der Pastinake ist er flach wie bei einer Möhre,
bei der Petersilienwurzel liegt er etwas eingewölbt. Außerdem können die
Pastinaken sehr groß werden, dienen dann aber nur als Viehfutter.
Pastinaken lassen sich wie
Petersilienwurzeln zubereiten. Sie überraschen durch ihre frische Süße,
besonders wenn sie kurz gedünstet werden. Wem der Geschmack zu stark
hervorsticht, der sollte die Pastinake mit Kartoffeln und Möhren kochen.
Diese beiden haben übrigens bei uns die von den Römern importierte
Pastinake verdrängt - Schade, denn kein anderes Gemüse enthält so viel
Zink - ein Spurenelement, das die Abwehrkräfte stärkt.
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Zarte Rübe, feiner Geschmack
Auch Teltower Rübchen schmecken leicht
süß. Diese Liliputaner unter den weißen Rüben enthalten relativ viel
Zucker, schmecken etwas nussig und munden leicht karamellisiert
hervorragend zu hellem Fleisch. Eine nahe Verwandte ist die zarte
Mairübe, deren Geschmack an Rettich erinnert und die aussieht wie
weiß-rosa Radieschen.
Besonders Biobauern haben sich auf
diese alten Gemüsepflanzen zurück besonnen. Wenn Sie jetzt neugierig
geworden sind, schauen
Sie beim nächsten Besuch des Wochenmarktes doch einmal am Biostand
vorbei.
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Seltenes Wurzelgemüse
Zwei Gemüsesorten sind heute kaum noch
erhältlich. Die Kerbelrübe, auch Knollenkerbel genannt, baute man
von Mitteleuropa bis zum Kaukasus an.
Ihre Knollen mussten nach der Ernte in Sand
eingelegt werden und einige Monate lagern. Die Mühe lohnte sich: Der
Gemüsevorrat für den Winter schmeckte nach Esskastanien.
Wegen des großen Ernte- und
Lageraufwands ist auch der Haferwurz heute fast verschwunden. Schade:
Kenner vergleichen das Aroma dieser Wurzel mit dem von Austern. Wer sich
den Genuss nicht entgehen lassen möchte, kann dank Saatfirmen, die sich
auf alte Kulturpflanzen spezialisiert haben, Haferwurz selbst im Garten
anbauen.
• TIPP
Viele weitere köstliche Kochrezepte,
jede Menge gesunde Küchentipps und interessante Anregungen für Ihren
Speiseplan finden Sie Im Internet unter
www.GesundheitPro.de
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